Musikalischer Appell an Mut & Widerstand
Am 30. Juni fand in Füssen die Welturaufführung des Musicals „Die Weiße Rose“ statt.
8. Juli 2025 | von
M. Färber
Deutschland 1934: Sophie Scholl (Friederike Zeidler) und ihr älterer Bruder Hans (Jonathan Guth), Medizinstudent in München, sind begeisterte Anhänger der Politik Hitlers und – sehr zum Leidwesen ihres Vaters – Mitglieder der Hitlerjugend (HJ). Wie Millionen – vor allem junge – Deutsche glauben sie der Propaganda des „Führers, die schlechte wirtschaftliche Lage des Landes nach dem 1. Weltkrieg tiefgehend umzukrempeln und es wieder in eine glanzvolle Zukunft zu führen. Doch schon bald erfolgt die Ernüchterung: Für Individualismus und Freiheit ist kein Platz mehr, ja, diese werden sogar streng geahndet. Die Jahre vergehen: Sophie studiert mittlerweile ebenfalls in München und ist in Fritz Hartnagl, der als Soldat an der Ostfront dient, verliebt. Das junge Glück des Paares beschränkt sich allerdings weitgehend auf viele sehnsuchtsvolle Briefe, bevor Fritz fällt. Hans Scholl setzt sein Medizinstudium in München fort und pflegt dort vor allem seine Freundschaften zu Alexander Schmorell, einem Halbrussen, mit dem ihn seine Liebe zu Musik und Kultur verbindet, zu Willi Graf und Christoph Probst. Längst haben die Geschwister Scholl und ihrFreundeskreis begriffen, dass sich Deutschland in den Klauen eines menschenverachtenden und äußerst grausamen Regims befindet. Als Inge, die ältere Schwester, Hans ein Flugblatt mit einer antinationalsozialistischen Botschaft zusteckt, sind sie entschlossen, mit all ihrer Kraft und in vollem Bewusstsein, das Leben zu riskieren und ihre Stimme zu erheben.
VOM MUT ZUM UMDENKEN.Dieser Aspekt sei ihr – wie mir Autorin und Regisseurin Vera Bolten in einem an die Aufführung anschließenden Interview erklärte – besonders wichtig: Die Geschwister Scholl waren nicht von Anfang an Widerstandskämpfer, sondern haben sich angesichts der grauenhaften Tatsachen dazu entschlossen, Widerstand zu leisten. In unermüdlichem Einsatz produzierten sie gemeinsam mit ihren Freunden Flugzettel, die sie an den verschiedensten deutschen Unis verteilten. Dass sie dabei längst im Visier der Gestapo standen, war ihnen dabei nicht bewusst. Nach einer spektakulären Abwurfaktion von hunderten Flugzetteln in der Uni München wurden sie im Februar 1943 verhaftet, vor ein Schnellgericht gestellt und zusammen mit ihren Freunden zum Tod verurteilt.
VON DER GESCHICHTE ZUM MUSICAL. Alex Melcher, für den als junger Deutscher die Widerstandsgruppe „Weiße Rose“ eine ganz besondere Bedeutung hat, schuf Melodien, die emotional berühren und zeitlos sind. Sie sollen für das Publikum nachvollziehbar sein und eine Beziehung zu den Protagonisten aufbauen. Eine teilweise sichtbare Live-Band erzeugt dabei eine besondere Dynamik und den Eindruck des Gemeinsam-Erzählens. Das Bühnenbild (Jens Hahn) ist in seinen großteils schwarz-weiß gehaltenen Visuals sehr zurückhaltend. Es unterstützt die Handlung und greift die Stimmung der 30er und 40er Jahre auf. Die teilweise animierten „Kritzel“-Zeichnungen schaffen eine direkte Verbindung zur künstlerisch begabten Protagonistin. Die Bühnenrequisiten und Kostüme sind ebenfalls äußerst reduziert. Nichts stört oder überfrachtet die Botschaft dieses Stücks, das ohne Übertreibung als besonderes Gesamtkunstwerk bezeichnet werden darf und vom Premierepublikum mit langen Standing Ovations bedacht wurde. Als unvergessliches Mahnmal gegen Vergessen, als Mutmacher für Widerstand und Einsatz für Menschlichkeit – Werte, die gerade jetzt wieder besondere Aktualität haben – verdient das neue Musical „Die Weiße Rose“ ganz besondere Beachtung. Das Festspielhaus Füssen bietet zwischen dem 10. und 13. sowie dem 14. bis 27. Juli Vorstellungen an. Außerdem stehen Aufführungen für Schulklassen auf dem Programm, die bereits ausverkauft sind.







