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Reutte | Kultur | 23. Dezember 2020 | Jürgen Gerrmann

„Offene Augen und ein bissel Glück“

„Offene Augen und ein bissel Glück“
Eine Liebeserklärung an die Natur im Außerfern war für wenige Tage im Felixe Minas Haus in Tannheim zu sehen: Auch Sarah Lechleitner, die die Ausstellung mit Naturfotografien von Dieter Fürrutter organisiert hat, war fasziniert. Sobald die Corona-Berschränkungen es zu lassen, kann man die Aufnahmen wieder bewundern. RS-Foto: Gerrmann
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Dieter Fürrutters Naturfotografien im Felixe Minas Haus in Tannheim

Der Lech ist seine große Leidenschaft: Wann immer es geht, taucht Dieter Fürrutter aus Forchach mit seiner Kamera in eine Wunderwelt ein, die ihm sichtlich ans Herz gewachsen ist. Davon erzählt auch eine Ausstellung in der Tennengalerie im Felixe Minas Haus in Tannheim.
Von Jürgen Gerrmann.
Mit seinen fantastischen Naturfotografien porträtiert Dieter Fürrutter dabei auch seine Außerferner Heimat, die ihm Kraft schenkt: „Dort finde ich Ruhe, obwohl es auch nicht mehr so ist wie früher.“ Wer seine Bilder betrachtet, findet dennoch unverfälschte und unbeeinträchtigte Idylle in den farbenfrohen Aufnahmen des ambitionierten Hobbyfotografen, der sich diesem Steckenpferd seit 40 Jahren verschrieben hat: „Ich habe mich immer schon für Wildtiere und Landschaften interessiert. Menschen fotografiere ich nur selten“, erzählt er. Vom 4. Advent bis Weihnachten konnte man seine Werke bewundern.

Motive vor der Haustür.
Alle seine Motive findet er dabei fast vor der eigenen Haustür. Und was braucht man dazu? „Offene Augen und ein bissel Glück“, sagt der gelernte Schriftsetzer, der im Ruhestand die zusätzliche Zeit für seine große Passion genießt. Außer dem Wildfluss Lech ist ihm auf seinen Foto-Touren der Forchacher Baggersee besonders ans Herz gewachsen. Dass dessen letztes Stündlein wegen der Renaturierungsmaßnahmen wohl schon bald geschlagen hat, tut ihm sichtlich weh.
Schlechtes Wetter ist für ihn kein Grund, nicht zu fotografieren: Ob die Sonne scheint, ob’s regnet oder schneit – ihn zieht es einfach nach draußen. Und die Kamera hat er dann immer dabei. Manchmal klappt es dann ganz schnell mit einem Schnappschuss: „Aber es kommt auch vor, dass ich den ganzen Nachmittag da sitze und sich kaum was tut. Wenn Du Glück hast, dann hast Du es – wenn nicht, dann hast Du halt Pech. Ohne Glück geht nix.“ Ja, die meisten Tiere, die ihm vor die Kamera laufen, schwimmen oder fliegen, kenne er: „Und ich weiß auch, wo ich sie suchen muss.“ Und es ist schlichtweg faszinierend, was er in all den Jahren so entdeckt hat: zum Beispiel die Blaubauch-Libelle mit ihren azurenen Hinterteil und knallgelben Seiten. Oder den Eisvogel, der sich am Lech sichtlich ebenso wohl fühlt wie die Rotflügelige Schnarrschrecke. Heimatgefühle löst der Alpensalamander (das „Tattermandl“) aus. Auf die Bedrohung der Natur macht wiederum der Flussregenpfeifer aufmerksam, der eines seiner letzten Brutgebiete in Österreich im Außerfern hat. Bei den Erklärungen zu diesen Fotografieren zeigt es sich zudem, dass Fürrutters Einschätzung, seine Motive zu „kennen“, eher untertrieben ist. Er vertieft sich offensichtlich in deren Lebensweise, und daraus schöpfen vermutlich auch seine Fotos ihre Kraft.

Der Habicht und der Rabe.
Regelrecht unter die Haut gehend ist dabei eine geradezu archaische Szene: Ein Rothabicht tötet einen Raben. Auf die beiden aufmerksam wurde der Forchacher, als er in der Nähe ein gewaltiges Streit-Getöse hörte und dann zur letzten Phase des Kampfes auf Leben und Tod dazukam. Der Blickwechsel der beiden berührt zutiefst und lässt einen geradezu körperlich spüren, dass Natur eben nicht nur Idylle ist, sondern es auch dort Kampf, Mord und Totschlag gibt. Aber gerade deswegen handelt es sich um ein solch grandioses Naturfoto. Beeindruckend sind auch der Zaunkönig, der Höckerschwan und die Biene, die kurz vor der Landung auf eine hellgelbe Blüte auf „ihrer“ Bienenwiese ist. Auch die Zwerg-Glockenblume hat der Forchacher meisterhaft mit der Kamera in Szene gesetzt. Natur: Das sind für ihn allerdings nicht nur Tiere und Pflanzen. So hat er zum Beispiel auch eine Wolkenstimmung festgehalten, die an die Landung eines Ufo erinnert. Das einzige Foto in der Ausstellung, das nicht aus dem Außerfern stammt, ist ein Sonnenuntergang am Hopfensee. Ein Sonnenaufgang wiederum wurde vor rund einem Jahrzehnt zum Siegerbild des Fotowettbewerbs der österreichischen Naturparke. Eine wichtige Quelle der Inspiration ist für Fürrutter sicher auch der Kameraclub Reutte/Breitenwang. Den Gedankenaustausch dort schätzt er sehr: „Von dort bringe ich immer was heim.“ Auch Sarah Lechleitner, die Leiterin des Felixe Minas Hauses, ist begeistert von dieser Ausstellung, die für sie der Auftakt dazu ist, dieses Museum noch fester als Ort der Kultur zu etablieren. Sie denkt dabei auch an Musik, Lesungen und Workshops. Aber bevor ihre Träume zur Wirklichkeit werden können, muss sich erst einmal die Corona-Krise verabschiedet haben. 

Info.
Sobald die Corona-Einschränkungen beendet sind, werden die faszinierenden Naturfotografien wieder zu sehen sein – das Felixe Minas Haus öffnet dann montags bis freitags von 9 bis 13 Uhr seine Türen. 
 
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