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Reutte | Kultur | 9. Mai 2022 | Michaela Färber

Sagenhaft spannende Lesung in der Bücherei Reutte

Sagenhaft spannende Lesung in der Bücherei Reutte
Bei seiner spannenden Lesung in der Reuttener Bücherei hielt Autor Christian Kössler das Publikum in Atem. RS-Foto: Färber
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Christian Kössler stellte Kurzgeschichtenband vor

Schon der mit Kerzen liebevoll geschmückte Stiegenaufgang zur Bücherei Reutte, die hölzerne Teufelsmaske am Lesetisch und eine mannshohe Teufelsfigur im Hintergrund stimmten die Zuhörer auf diesen Abend ein. Nach einer kurzen und herzlichen Willkommensrede durch Sonja Kofelenz bedankte sich der Autor für die Einladung und vor allem für die musikalische Untermalung durch die Landesmusikschule Außerfern, „da sie diese Veranstaltung enorm aufwerte“.
Von Michaela Färber.
Das Unheimliche und das Übernatürliche ziehen uns in den Bann und lassen uns manchmal nicht mehr los. Schon als Kind begeisterte sich Kössler für Sagen, vor allem auch deswegen, da diese im Gegensatz zum Märchen konkreten geographischen Orten zugeordnet werden können. So hat er mit seinem „Tiroler Teufelstanz“ einen „sagenhaften Querschnitt“ (Zitat Kössler) geschaffen, in dem er Sagengestalten und -motive aus Nord-, Ost- und Südtirol in die Gegenwart verlegt.

Im Taxi von Vils nach Reutte.
Zum Einstieg las Kössler eine Vampirgeschichte, die unter dem Titel „Grenzgänger“ 2007 im Kurzgeschichten-Band „Bestialisches Innsbruck“ erschienen ist und 2017 erfolgreich verfilmt wurde. Allerdings verlegte Kössler den Schauplatz der Handlung für die Lesung in Reutte kurzerhand ins Außerfern. So kommt es, dass am Unsinnigen Donnerstag ein unheimlicher, vampirähnlicher Fahrgast mit einem Taxifahrer über eine Reihe von ungeklärten Morden und deren mysteriöse Ursache zu philosophieren beginnt. Die Taxifahrt endet in Reutte nahe der Bücherei und … mit einer unerwarteten Pointe. Spätestens nach diesem ersten Text wurde klar, was das Publikum an diesem Abend erwarten würde: Gänsehautstimmung pur! Mit seiner unheimlich lebendigen Vortragsweise, seiner Sprachgewalt, durchaus spannenden, teilweise auch recht blutrünstigen Handlungselementen, die allerdings immer wieder durch feine Ironie und unerwartete „Twists“ abgefedert werden, gelang es Kössler, sein Publikum vollkommen zu fesseln. Seine Kunst, alte traditionelle Sagenmotive in die Gegenwart zu transferieren, ohne dass sie dadurch ihre ursprüngliche Faszination des Übernatürlichen verlieren, dürfte einzigartig sein.

Von Tod und Teufel.
Insgesamt vier sagenhafte Kurzgeschichten aus dem „Tiroler Teufelstanz“ gab Kössler an diesem Abend in Reutte zum Besten. Da ist zum Beispiel die Geschichte „Verfolgt“, die von einer nächtlichen Wanderung von Pinswang über den Kniepass nach Pflach erzählt, die zu einer exzessiven Angstattacke mit tödlichem Ausgang für den Protagonisten führt. Oder die Erzählung von einem Paznauner Hotelier, der einen bekannten Maler bittet, seine Bilder in der Hotellobby auszustellen. Die Vernissage wird von einem einzigen Gesprächsthema beherrscht: eine uralte Sage, die Macht des Teufels und des Bösen, die den Menschen ewig verfolgen. Nachdem der – auch äußerlich unheimlich wirkende – Künstler das Hotel verlassen hat, nimmt der Abend eine verstörende Wende … Die Sage aus dem Unterland hatte es ebenfalls in sich: Eine junge Frau namens Magdalena wird im Beisein ihrer Freunde von einem geheimnisvollen Stalker auf ebenso mysteriöse wie grausame Weise getötet. Der letzte Text dieses Abends führte an den Kalterer See in Südtirol. Ein bekannter Fernsehmoderator wird dort an einer Tankstelle von einem Unbekannten angesprochen, der ihm hartnäckig glaubhaft machen möchte, dass er in jeder Vollmondnacht von einem „Untoten“ aus dem nahen Friedhof heimgesucht werde. Um diesen möglichst schnell loszuwerden, beteuert er – sehr zu dessen offensichtlicher Freude – ihm zu glauben. Er ahnt jedoch nicht, dass …
Aber lesen Sie doch selbst, wie diese Sage endet und entdecken Sie auch die weiteren in Kösslers Erzählband. Spannung und intelligentes Lesevergnügen sind garantiert.
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