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Das Fernpass-Paket ist ein Sicherheitspaket

Klaus Gspan, GF der Fernpass-Straßengesellschaft, über Tunnelbau, Verkehrsentlastung und die Zukunft der B179

Klaus Gspan verfügt über langjährige Expertise in der Straßenverwaltung. Der 46-Jährige hat die HTL in Innsbruck besucht und nach einigen Jahren Berufserfahrung an der Hochschule für Technik, Wirtschaft und Kultur ein postgraduales Bauingenieurstudium absolviert. 2006 nahm Gspan seine Tätigkeit bei der ASFINAG auf und war dort in verschiedenen führenden Funktionen tätig. Zuletzt war Gspan im Unternehmen Prokurist und Leiter der betrieblichen Erhaltung für Tirol und Vorarlberg. Die RUNDSCHAU fragte nach.
31. März 2025 | von Johannes Pirchner
Das Fernpass-Paket ist ein Sicherheitspaket<br />
Klaus Gspan sieht im Fernpass-Paket ein Sicherheitspaket und kein Ausbaupaket. Während der Bauarbeiten soll die B179 durchgänig befahrbar sein. Foto: Land Tirol
RUNDSCHAU: Herr Gspan, Sie sind Geschäftsführer der Fernpass-Straßengesellschaft – was motiviert Sie persönlich, an diesem Großprojekt zu arbeiten?
Klaus Gspan: Für mich ist das die Möglichkeit, ein neues Unternehmen aufzubauen und meine bisherigen Erfahrungen im Bereich der Planung und dem Betrieb von Straßeninfrastruktur einbringen zu können. In meiner beruflichen Laufbahn durfte ich unter anderem die Verkehrskonzepte für die Sperren des Arlbergtunnels entwickeln. Auch die Verkehrsmaßnahmen im Zusammenhang mit der Einspurigkeit der Luegbrücke haben mich die vergangenen beiden Jahre intensiv beschäftigt. Am Arlberg blieb mir die Aussage vor der ersten Sperre „Das kann nicht funktionieren!“ in Erinnerung. Mit Unterstützung der Behörden, den politischen Verantwortlichen der Region und der Wirtschaft hat das Konzept im Rückblick jedoch sehr gut funktioniert.

RUNDSCHAU: Wie oft sind Sie selbst bereits über die B179 gefahren, und wie erleben Sie die aktuelle Verkehrssituation aus persönlicher Sicht?
Klaus Gspan: Die Route über den Fernpass habe ich in den vergangenen Jahren mehrfach genutzt. Aktuell ist die Situation vor allem in Bezug auf den Reiseverkehr zeitweise mit langen Verzögerungen und Staus verbunden. Kritisch wird die Situation, wenn die Strecke etwa wegen eines Unfalls gesperrt werden muss oder auch bei herausfordernden Witterungsverhältnissen. Es muss uns auch bewusst sein, dass gerade der Passabschnitt sehr neuralgisch ist und jederzeit Ereignisse eintreten können, die zu massiven Verkehrsbehinderungen bis hin zu längeren Sperren führen können.

RUNDSCHAU: Bringt das Fernpass-Paket, etwa der Bau der beiden Tunnel bzw. das Mautsystem, wirtschaftliche Vorteile für die Region, beispielsweise durch neue Arbeitsplätze oder Aufträge an regionale Firmen?
Klaus Gspan: Das Fernpass-Paket wird jedenfalls positive Auswirkungen auf die Versorgungssicherheit des Außerferns und die Verlässlichkeit der Anbindung haben. Die Bauvorhaben wirken sich zudem positiv auf die regionale Bruttowertschöpfung und die Beschäftigung aus. Durch die künftig laufenden Mauteinnahmen und deren Zweckbindung auf der B179 können zukünftig erforderliche Erhaltungsmaßnahmen langfristig mit einem jährlichen Budget geplant und auch für die regionale Bauwirtschaft interessante Aufträge ausgeschrieben werden.

RUNDSCHAU: Gibt es bereits einen realistischen Zeitplan für den Bau und die Fertigstellung des Fernpass-Pakets (Tunnel, Mautstationen usw.)?
Klaus Gspan: Die Planungen sind höchst komplex – so können der Lermooser Tunnel, der Fernpasstunnel und die Mautinfrastruktur auf Höhe des Blindsees nicht isoliert voneinander betrachtet werden. Sie fließen in einem Gesamtplan zusammen, bei dem jedes Glied der Kette auf das andere abgestimmt sein muss. Das ist für den künftigen ganzheitlichen Betrieb notwendig. Einen konkreten Baustart zu nennen, ist auch aufgrund der Behördenverfahren schwierig. Wir wollen 2026 mit dem Bau der zweiten Röhre Lermooser Tunnel beginnen. Die beiden Tunnelprojekte und die Errichtung der Mautstation können parallel durchgeführt werden. Die Umsetzung wird so geplant, dass Verkehrsbeeinträchtigungen möglichst gering sein werden.

RUNDSCHAU: Mit welchen konkreten Verkehrsbehinderungen ist während der Bauzeit des Fernpass-projekts zu rechnen (längere Wartezeiten, Staugefahr, Sperren usw.)?
Klaus Gspan: Im Wesentlichen ist nach derzeitigem Planungsstand bei allen Bauvorhaben vorgesehen, dass in den Hauptbauphasen kein Fahrstreifen gesperrt und eine wechselseitige Verkehrsanhaltung nicht notwendig sein wird. Die Belastung entlang der Fernpassroute ist bereits ohnehin sehr groß. Kurzfristige Behinderungen können zwar nicht ausgeschlossen werden, aber im Wesentlichen gilt: Die Verfügbarkeit der Strecke bleibt durchgängig aufrecht.

RUNDSCHAU: Welche langfristigen Verbesserungen wird die Umsetzung des Fernpass-Pakets für die Außerferner Bevölkerung bringen?
Klaus Gspan: Die B179 hat mit ihren 75 Brücken, sechs Galerien, drei Tunnels und zahlreichen Stützmauern und Steinschlagnetze einen besonders hohen Erhaltungsaufwand – das ist nicht mit anderen Landesstraßen in Tirol vergleichbar. Hinzu kommt noch die Anfälligkeit für Naturereignisse – etwa Murenabgänge – und vor allem im Winter hängengebliebene Fahrzeuge. Fakt ist, dass mit dem Fernpasstunnel das Risiko für solche Ereignisse auf einem neuralgischen Abschnitt von 3,8 Kilometern verringert wird. Der Fernpasstunnel ist also ein wichtiger Schritt, um die Verbindung langfristig sicherer zu machen. Mit der zweiten Röhre des Lermooser Tunnels wird nicht nur das erforderliche Sicherheitsniveau erreicht, auch Umweg- und Ausweichverkehr aufgrund von Bau- und Wartungsarbeiten durch das Ehrwalder Becken werden der Geschichte angehören.

RUNDSCHAU: Gibt es Aspekte des Projekts, die Sie selbst kritisch sehen?
Klaus Gspan: Etwas kritisch nehmen, sollte nicht immer nur negativ gewertet werden. Dinge zu hinterfragen ist auch wichtig. Meine Erfahrung hat gezeigt: Nur wer kritisch hinterfragt, wird achtsam gegenüber Details sein und so das Bestmögliche aus einem Projekt holen können. Das ist auch beim Fernpass-Paket mein Ziel. Wichtig ist mir, den direkten Kontakt mit den Verantwortlichen in den Regionen zu suchen und sich regelmäßig auszutauschen. Das Ziel ist klar, Lösungen zu finden, mit welchen die negativen Auswirkungen des Verkehrs auf die Siedlungsgebiete verhindert werden können.

RUNDSCHAU: Gibt es ein Thema oder einen Punkt, den Sie der Bevölkerung besonders mitgeben möchten?
Klaus Gspan: In den vergangenen Jahren habe ich bereits viele Infrastrukturprojekte begleitet. Ich habe Verständnis dafür, dass manche Menschen Sorgen und Fragen haben. Für mich als Geschäftsführer der GmbH ist aber ganz klar: Das Fernpass-Paket ist ein Sicherheitspaket, kein Ausbaupaket. Es gibt keine Kapazitätserhöhung und auch das unbedingt erforderliche Lkw-Fahrverbot ist rechtlich sowie verkehrstechnisch abgesichert.

RUNDSCHAU: Herr Gspan, die RUNDSCHAU dankt für das Gespräch.
Klaus Gspan: Vielen Dank.

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