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Das Vertrauen fehlt

Biberwierer äußerten auf Gemeindeversammlung Ängste & Sorgen bzgl. Fernpassstrategie

Die Fernpassstrecken-Ausbaupläne der Tiroler Landesregierung wühlen derzeit auch die Bürger Biberwiers auf. Denn auf ihrem Gemeindegebiet soll eine der zwei 6-spurigen Mautstationen für den Fernpassscheiteltunnel errichtet werden. Dieser bringe sicher gutes Geld, aber auch mehr Verkehr und Rückstau mit sich. Außerdem traut man der Zusicherung, dass „das 7,5 Tonnen-Limit bestehen bleibt“ nicht. Auf der Gemeindeversammlung, am Donnerstag, dem 25. April stand Bürgermeister Harald Schönherr Rede und Antwort.
29. April 2024 | von Juliane Wimmer
Auch die Biberwierer fühlen sich von den Plänen der Landesregierung überrumpelt und fordern zum Fernpass-Paket weitere Gespräche sowie Mitbestimmung. RS-Foto: Wimmer
Circa 100 Bürgerinnen und Bürger versammelten sich am vergangenen Donnerstag im Gemeindesaal, wo der Bürgermeister über wichtige Aktivitäten und Projekte des vergangenen Jahres berichtete. Rückfragen zu allen Themen sind bei Gemeindevollversammlungen immer möglich bzw. erwünscht. Doch die Biberwierer wollten nur über ein Thema reden: die Fernpasspläne der Tiroler Landesregierung.

FORDERUNGEN GEMEINDE.  Zu Beginn des 4. Tagespunktes zeigte Schönherr die vorläufigen Skizzen und Pläne zur 2. Röhre des Lermooser Tunnels und des Fernpassscheiteltunnels inklusive Mautstation in Höhe Plansee-Zufahrt. Im Anschluss erläuterte er ca. 16 Forderungen, die im Gemeindevorstand und Agrarausschuss diskutiert wurden (detaillierte Liste s. Internet-Galerie auf rundschau.at). Dazu zählen u. a. eine Fußgänger- bzw. Wildbrücke zum Blindsee, Grundablöse-Summen und Ansprüche der Biberwierer an die Mautgesellschaft. Nicht zuletzt auch wegen des steigenden Verkehrs aus Richtung Garmisch nach Fertigstellung des Kramertunnels bestehen die Gemeinden Ehrwald, Lermoos und Biberwier auf eine Talkesselumfahrung und ein Sekundärwegenetz sowie Begegnungszonen in der Mitte aller drei Ortschaften (Tempo-Reduktion wird in Auto-Navis als Hindernis angezeigt.).

ÜBERRUMPELT. Nach der Präsentation startete die Diskussion. Ein Biberwierer beklagte sich, dass man die Bürger glauben lassen wolle, dass „alles fix sei“. Dem sei nicht so, da u.a. noch etliche Wasser-, Naturschutz- und weitere Bewilligungen eingeholt werden müssten. Außerdem fühle man sich total überrumpelt. Eine weitere Rednerin schimpfte „Das müssen wir uns nicht gefallen lassen“. Eine andere merkte an: „Wir geben ihnen einfach unseren Grund nicht“. Ruhig entgegnete Schönherr allen Wortmeldungen und versicherte: „Ich entscheide so ein bedeutendes Projekt ganz sicher nicht allein. Weitere Gespräche mit Euch, auch vonseiten der Landesregierung, werden folgen.“ Doch der Bürgermeister ist auch überzeugt: „Das Fernpass-Paket kommt, ob wir zustimmen oder nicht. Sonst werden wir im Zweifelsfall einfach enteignet und abgefunden. Das ist in Österreich schon passiert. Wir müssen nun unseren Verhandlungsspielraum nutzen und deshalb haben wir eine detaillierte Forderungsliste erarbeitet.“

ÄNGSTE. Karl Kerber zweifelt, dass der Bürgermeister, der kürzlich Bezirksgeschäftsführer der ÖVP geworden ist, bei diesem schwarz-rotem Projekt objektiv sein kann. Außerdem sei „die bisherige Informationspolitik gegenüber der Bevölkerung eine Frechheit ... Unsere Region soll nicht 'das Sparschwein von Tirol' werden.“ Diesem Argument pflichtete Sabine Kerber bei, die anhand Politiker-Aussagen aus der Vergangenheit skizzierte, was passieren könnte, wenn man den Fernpass-Plänen zustimmen würde: mehr Verkehr, weitere Tunnel, Autobahn. Ihre größte Angst ist (wie auch ein Gutachten der AK aussagt), dass das 7,5-Tonnenlimit für LKWs nach EU- bzw. Verfassungsgericht-Urteil fallen und der Verkehr sich verdreifachen wird. „Ist jedem hier das Risiko bewusst, das wir eingehen, wenn wir den Plänen zustimmen?“, fragte sie. „Unsere Region bzw. Lebensqualität könnte 'geopfert' werden, um Schritt für Schritt einen schnellen Zugang zur Inntalfurche zu bekommen.“ Bürgermeister Schönherr teilte diese Sorgen und erwiderte: „Die Einhaltung des 7,5-Limits ist die Grundvoraussetzung für unsere Zustimmung zu den Plänen. Das muss halten!“

WEITERE STIMMEN. Darüber hinaus gaben sich neben dem Bürgermeister selbst weitere „Auto-Nutzer“ zu erkennen. Diese Fraktion betont: Freie Mobilität hat seinen Preis. Man müsse sich den „Realitäten“ eines immer stärkeren Verkehrsaufkommens stellen. Man könne nicht nur den Touristen den „Schwarzen Peter“ zuschieben. An dieser Stelle meldete sich Harald Schennach zu Wort, der glaubt: „Wir werden es nicht aufhalten können, dass zu uns mehr Verkehr kommt und schneller durchfließen wird. Alle Baumaßnahmen rund um uns herum sprechen eine eindeutige Sprache.“ Deshalb befürwortet er eine große Lösung: ein Tunnel von Reutte/Ecke Plansee-Werk bis direkt nach Mötz zum Autobahnanschluss. Das wäre seiner Ansicht nach eine sinnvolle Großinvestition, die man über eine ertragreiche Maut refinanzieren könnte. Und die Gemeinden Zwischentorens wie auch des Gurgltals würden vom Durchzugsverkehr verschont.

FAZIT. Am Ende des Abends war klar: Ähnlich wie in anderen Gemeinden zuvor sind auch in Biberwier große Teile der Bevölkerung nicht einverstanden mit den derzeitigen Plänen der Landesregierung. Man vertraut ihren Zusicherungen nicht. Weitere Informationsveranstaltungen, am besten eine Volksbefragung unter den B179-Anrainer-Gemeinden sind nötig. Bürgermeister Schönherr schloss den Abend mit der Aussicht, dass die Landesregierung plant, sich im Mai noch einmal den Bürgern auf einer Infoveranstaltung stellen zu wollen. Genaue Details sollen folgen.

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