Rundschau - Oberländer Wochenzeitung
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Hämmern, bohren, schrauben, verlegen ...

Vor Kurzem wurde die Wirtschaftskammer Reutte zur Erlebniswelt Baustelle für 400 Schüler aus dem Bezirk

Gerade in der Sparte Baugewerbe und Baunebengewerbe ist jeder Beruf ein Mangelberuf. Christian Strigl, Obmann der Wirtschaftskammer Reutte, bezeichnet die Sparte gar als größtes Sorgenkind. Umso wichtiger ist es, mit Aktionen – wie der „Erlebniswelt Baustelle“ – schon Kindern Berufe am und um den Bau näherzubringen und ihr Interesse für das Bauhandwerk in all seinen Facetten zu wecken.
20. Mai 2024 | von Sabine Schretter
Begeisterte Schüler eroberten im Hof der Wirtschaftskammer Reutte die Erlebniswelt Baustelle. RS-Foto: Schretter

Am 16. und 17. Mai machte die „Erlebniswelt Baustelle“ Station bei der Wirtschaftskammer Reutte. 400 Schüler der Volksschulen Reutte, Forchach, Vorderhornbach, Pflach, Lechaschau und Vils sowie der Mittelschule Untermarkt schnupperten in verschiedenen Berufen aus dem Bau- und Baunebengewerbe. Was macht ein Maurer genau? Worauf müssen Maler bei ihrer Arbeit achten? Wie wird ein Ofen gesetzt? Welche Holzarten gibt es und wie werden sie verarbeitet? Diese und viele weitere Fragen wurden gemeinsam mit den Schülern an vielen Stationen praktisch gelöst. Die Kinder im Alter zwischen sechs und 12 Jahren erfuhren Interessantes über die Berufe Maurer, Maler, Dachdecker, Tischler, Zimmermann, Installateur, Boden- und Fliesenleger, Spengler, Metallbautechniker, Tiefbautechniker, Elektriker und Glaser. Mädchen wie Buben waren mit Feuereifer dabei, Berührungsängste gab es keine. Da wurde zum Beispiel ein Boden mit Einlegearbeiten gestaltet, eine Rohrleitung wurde verlegt und geschickt am heißen Draht entlanggefahren. Ginge es nach den 400 Schülern, müsste man sich um den Nachwuchs im Bau- und Baunebengewerbe keine so großen Sorgen machen. BERUFSORIENTIERUNG. Sich den Herausforderungen stellen heißt auch, früh damit anzufangen. Berufsorientierung beginnt schon bei den Jüngsten. Bei ihnen soll die Freude am Handwerk geweckt, ihre Talente und Neigungen sollen entdeckt werden. Einen handwerklichen Beruf zu erlernen und später auszuüben ist eine Investition in die Zukunft. Handwerk hat goldenen Boden und beweist sich gerade derzeit als am krisenresistentesten, sagt Christian Strigl. Handwerker seien gut ausgelastet, die Lehrlingszahlen in der Sparte leicht steigend bis steigend. „Hier im Bezirk Reutte kannibalisieren wir uns nicht. Wir freuen uns hier über ein sehr vielfältiges und gutes Ausbildungsangebot. Unsere Kinder bleiben im Bezirk. Die Schülerzahlen sind konstant, die Lehrlingszahlen steigen bzw. steigen leicht. Wir unterstützen die Schulen im Bezirk bei den Fahrtkosten, um allen Schülern die gleiche Chance zu bieten, an Aktionen wie der ,Erlebniswelt Baustelle‘ teilnehmen zu können“, ergänzt WK-Geschäftsführer Wolfgang Winkler. Es sei gerade für die Schulen der peripheren Bezirke wichtig, dass diese Angebote nicht zentralisiert sind, sondern auf die Bezirke ausgerollt werden. Nadja Elmer von der veranstaltenden Agentur erklärt, dass man sich immer wieder Neues einfallen lasse, zum einen weil sich die Stationen mit der Zeit verbrauchen, zum anderen, weil man damit auf die vielschichtigen Herausforderungen eingeht. „Wir setzen auf Funktionalität und Nachhaltigkeit. Es muss nicht immer kompliziert sein, meist genügen ganz einfache Dinge. Das zeigt sich, wenn man sieht, wie begeistert sich die Kinder an den Stationen beschäftigen, wie kreativ sie sind und wie sie ganz selbstverständlich als Teams zusammenarbeiten“, zeigt sich Nadja Elmer begeistert. Eine Vorbereitung im Schulunterricht ist für die Erlebniswelt Baustelle nicht notwendig. Wohl erhalten die Schüler aber eine Broschüre zur Nachbearbeitung. Die Betreuer an den Stationen sind Studenten, die projektbezogen bei der Agentur mitarbeiten und für die verschiedenen Aktionen gebrieft werden.
Dass diese Form der Berufsorientierung nachhaltig ist, beweist die „Talent-Card“, die quasi am Ende all dieser Aktionen steht. Mit der Talent-Card werden Eltern und Jugendliche im Alter ab 14 Jahren bei der ersten beruflichen Entscheidung unterstützt. Die Talent-Card versteht sich als Potenzialanalyse, die zeigen soll, wo die Talente und Neigungen von Schülern liegen. Diese Bildungs- und Berufsberatung besteht aus zwei Teilen: Beim ersten Termin beantworten die Jugendlichen Fragen zu Interessen, ihrer Persönlichkeit und lösen Aufgaben aus unterschiedlichen Bereichen. Anhand dieser wissenschaftlichen Instrumente werden konkrete Ausbildungswege und Berufe vorgeschlagen und beim zweiten Termin detailliert mit Jugendlichen und Eltern besprochen. Die Ergebnisse fassen die Berater in Form eines Abschlussberichts zusammen.
Hämmern, bohren, schrauben, verlegen ...
Fliesen legen oder einen Ofen setzen. Rohre zusammenfügen oder ein Dach decken. Eine Wand streichen oder ein Pflaster legen. Bei der „Erlebniswelt Baustelle“ konnten Schüler verschieden Berufe des Bau- und Baunebengewerbes kennenlernen. RS-Foto: Schretter

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