Rundschau - Oberländer Wochenzeitung
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Was bringen Tunnel und Maut tatsächlich?

Informationsveranstaltung zum Fernpass-Paket in Ehrwald erhitzte die Gemüter

Kaum hatte die Tiroler Landesregierung am 24. Jänner ihr Fernpass-Paket offiziell vorgestellt, zog es schon zahlreiche Kritik von allen Seiten auf sich. Eine Woche später führte LR Zumtobel Beruhigungsgespräche mit Bayern und in Ehrwald gab es die erste Informationsveranstaltung für die Bürger. Der neue Tunnel bringe nichts, sagen die Kritiker. Endlich passiert etwas, sagen die Befürworter.
1. Feber 2024 | von Juliane Wimmer
Ca. 400 Interessierte besuchten die erste Informationsveranstaltung für die Bürger zum Fernpass-Paket im Ehrwalder Zugspitzsaal. RS-Foto: Wimmer
Obwohl kurzfristig angekündigt, besuchten ca. 400 Interessierte die erste Informationsveranstaltung für die Bürger zum Fernpass-Paket am Mittwoch, dem 31. Jänner, im Ehrwalder Zugspitzsaal. Auch zahlreiche Lokal-Politiker und LH-Stv. Josef Geisler waren vertreten.

DAS IST GEPLANT. An vier Info-Punkten wurde die Strategie der schwarz-roten Landesregierung zur Verkehrsentlastung über den Fernpass bzw. die staugeplagte B179 erklärt. Ab 2028 soll eine Maut eingeführt werden, um die zweite Röhre des Lermooser Tunnels und den Fernpasstunnel zu finanzieren. Bereits ab 2026 sollen die Außerferner Haushalte Regionalwährungsgutscheine von 150 bis 290 Euro erhalten, da eine Mautbefreiung nach EU-Recht nicht möglich ist. Die Mautgesellschaft soll ein Landesunternehmen mit Niederlassung im Bezirk Reutte sein. Somit bleibt die Kommunalsteuer im Bezirk. Die sechsspurigen Mautstationen sollen in Fahrrichtung Süden am Blindsee und für Fahrrichtung Norden in Nassereith sein.

ERSTE REAKTIONEN. Bereits am Wochenende vor der Bürgerveranstaltung warnte Bayern vor einer Diskriminierung und Wettbewerbsnachteilen für die Wirtschaft in der Grenzregion. Ein erstes Arbeitsgespräch am 31. Jänner zwischen LR Zumtobel und Staatsminister Bernreiter in München konnte diese Sorgen nehmen. Neben einem klaren Bekenntnis zum digitalem Verkehrsmanagement wurde auch für die Zukunft ein laufender Austausch in Verkehrsfragen wie beim Thema Fernpass und auch Fernpassbahn vereinbart. Ebenso in den Bezirken Reutte und Imst äußern die regionalen Unternehmer Bedenken, sodass weitere Gespräche vonnöten sein werden. Zugleich droht durch Mautflüchtlinge Ausweichverkehr über Mittenwald bzw. über das Hahntennjoch im Sommer. Deshalb hat Landeshauptmann Anton Mattle einen Prüfauftrag erteilt, um die Hahntennjochstraße ebenfalls zu bemauten und in die Fernpass-Mautgesellschaft mitaufzunehmen.

DIE ARGUMENTE DER LANDESREGIERUNG. Laut Landesregierung ist die 250 Mio. teure zweite Tunnelröhre in Lermoos und die Sanierung der 40 Jahre alten ersten  Röhre aus Sicherheitsgründen unabdingbar. Langfristig laufe der Verkehr flüssiger und bei zwei Röhren gäbe es bei Sperrren kein Ausweichverkehr mehr durch die Ortsgebiete. Auch der 160 Mio. teure Fernpasstunnel erhöhe die Sicherheit und garantiere eine wetterunabhängige und lawinensichere Anbindung. Weniger Staurisiko durch flüssigeren Verkehr bringe mehr Versorgungssicherheit. Bewährte Abfahrverbote und Dosierampeln sollen bleiben oder bei Heiterwang (L335 Richtung Norden) neu hinzukommen. Ein weiteres Maßnahmenbündel an der B179 sieht die Aufrechterhaltung des 7,5-Tonnen-Fahrverbots für LKW, eine bauliche Anbindung für die Burgenwelt Ehrenberg (am Katzenberg), Lärmschutzmaßnahmen (Lermoos-Lähn) sowie Fußgängerüber- bzw. -unterführungen am Fernsteinsee vor.

BEFÜRCHTUNGEN. Wer über den Fernpass in Richtung Innsbruck bzw. Italien fahren will, muss künftig dafür bezahlen. Das schmeckte vielen Bürgern auf der Infoveranstaltung in Ehrwald nicht. Das Gutschein-System überzeugt die Kritiker nicht. Auch wenn für diesen 1,4 Kilometer langen Tunnel-Streckenabschnitt die Fahrsicherheit erhöht wird, an den Stauproblemen werde sich nicht viel ändern, meinen die Skeptiker. Bessere Straßen haben bislang noch immer mehr Verkehr angelockt, ist man überzeugt. Neue Blockabfertigungen bzw. Rückstau von den Mautstationen sei zu erwarten. Viele fürchten auch durch den Ausbau der B179 samt Abfahrverboten allen Verspechen der Landesregierung zum Trotz den Fall der 7,5 Tonnen-Beschränkung für LKWs.

DAS SAGEN DIE BÜRGERMEISTER. Auch für die Bürgermeister des Zwischentorens kam das von der Landesregierung geschnürte Fernpass-Paket völlig überraschend. Der Ehrwalder Bürgermeister Markus Köck erklärte im Gespräch mit der RUNDSCHAU: „Die Bürgermeister des Planungsverbandes Zwischentoren stehen nun in regem Austausch und erarbeiten ein Maßnahmenpaket, das unserem Landeshauptmann am 7. März überreicht wird. In weiterer Folge wird es eine Presseaussendung geben. Für uns im Ehrwalder Becken fordern wir den sofortigen Planungsbeginn mit anschließender Realisierung einer Talkesselumfahrung.“

WEITERER DIALOG & BAUBEGINN. Landeshauptmann Stv. Geisler erklärte in Ehrwald, dass die gesetzlichen Grundlagen für das Fernpass-Paket im März-Landtag beschlossen werden sollen. Dann erfolge der Start der nötigen Behördenverfahren. Der Baubeginn wäre in zwei Jahren geplant. Zudem versicherte er, dass die ersten Folgetermine mit Bürgermeistern bereits vereinbart wurden und der Dialog mit Gemeinden und Wirtschaftsvertretern in den kommenden Monaten fortgesetzt wird. Die Bürger können Anregungen zum Fernpass-Paket jederzeit unter fernpass@tirol.gv.at einbringen. Fragen und Antworten gibt es auch auf der Website: www.tirol.gv.at/fernpass.

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