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Erstbesteigung im Karakorum

Lukas Wörle erreicht mit Team unbestiegenen Gipfel in Pakistan

Der Wängler Alpinist Lukas Wörle hat gemeinsam mit seinem Bruder Vincent, der die Expedition als Kameramann begleitete, sowie dem slowenischen Bergsteiger Aleš Česen eine bemerkenswerte alpinistische Leistung vollbracht. Die drei erreichten den Gipfel des Cherireen Sar im pakistanischen Karakorum, ein bisher unbestiegener, 6.224 Meter hoher Berg im abgelegenen Shimshal-Tal. Die pakistanische Agentur Summit Experts bestätigte den Erfolg offiziell. Details zur Route, zu den Bedingungen und zur Gipfelzeit liegen bislang allerdings nur sehr eingeschränkt vor.
4. August 2025 | von Johannes Pirchner
Erstbesteigung im Karakorum<br />
Lukas Wörle hat den 6.224 Meter hohen Cherireen Sar bestiegen.
Foto: Wörle/Instagram
Der Cherireen Sar ist ein technisch anspruchsvoller Kletterberg abseits gängiger Expeditionsrouten. Die Region nahe der chinesischen Grenze ist nur über einen mehrtägigen Anmarsch zu Fuß erreichbar. Nach bisherigem Stand verzichtete das Team auf Träger im Aufstieg. Der Materialtransport erfolgte mit lokaler Hilfe lediglich während des Zustiegs. Die Besteigung selbst wurde ohne zusätzlichen Sauerstoff durchgeführt. „Nach allem, was wir wissen, haben sie den Gipfel erreicht. Es war das große Ziel dieser Reise“, sagt Bea Wörle, Mutter der beiden Brüder, im Gespräch mit der RUNDSCHAU. Ihre Informationen beruhen auf einem knappen Kontakt über ein Satellitengerät. „Ob Vincent ganz oben war, ist noch nicht sicher.“ Die Dauer der Besteigung wurde mit rund 17 Stunden für Auf- und Abstieg angegeben. Über die genaue Route oder etwaige Biwaknächte ist bisher nichts bekannt.

KURZER KONTAKT – KAUM BESTÄTIGUNGEN. Die Expedition befindet sich in einer Region ohne reguläre Kommunikation. Der Kontakt mit Angehörigen erfolgt ausschließlich über ein satellitengestütztes System – und nur bei Bedarf. „Wir bekommen kaum etwas mit. Aber solange man nichts hört, ist das oft ein gutes Zeichen. Man kann sich dies vorstellen wie früher mit einem Telegrafen“, erklärt Bea Wörle.

RÜCKKEHR ZUM KERNGEDANKEN DES ALPINISMUS. Die Erstbesteigung des Cherireen Sar reiht sich ein in eine Serie von Expeditionen, bei denen Lukas Wörle konsequent auf unnötige Logistik, mediale Inszenierung und technische Hilfsmittel verzichtet. Sein Zugang ist geprägt von Eigenverantwortung, Teamarbeit und Reduktion auf das Wesentliche, ein Stil, der in der heutigen Welt des kommerzialisierten Höhenbergsteigens nur noch selten zu finden ist. Bereits 2023 machte Wörle international von sich reden, als er während einer Expedition zum Broad Peak (8.047 m) einen schwerverletzten pakistanischen Höhenträger oberhalb der Todeszone entdeckte – und eigenhändig rettete. In einer über mehrere Stunden andauernden Aktion transportierte er den bewusstlosen Mann allein von über 8.000 auf etwa 7.800 Meter hinab, wo schließlich Hilfe eintraf. Wörle verzichtete dabei bewusst auf den eigenen Gipfelversuch. Diese Rettung wurde weltweit gewürdigt. Die pakistanische Regierung verlieh ihm den Tamgha-i-Pakistan, eine der höchs-ten zivilen Auszeichnungen des Landes. Wenige Tage nach der Rettung verwirklichte Wörle dennoch einen langjährigen Traum: Den Abstieg mit dem Gleitschirm vom Hochlager des Broad Peak. Bei stabilen Wetterbedingungen startete er auf rund 7.000 Metern Höhe und erreichte innerhalb weniger Minuten das Basislager – ein seltenes, technisch anspruchsvolles Manöver im Hochgebirge.

AGENTUR BESTÄTIGT. „Wir freuen uns sehr, mitteilen zu können, dass einem internationalen Team die erfolgreiche Erstbesteigung des Cherireen Sar gelungen ist“, teilte Summit Experts Pakistan auf Facebook am 29. Juli mit. Genannt werden: Lukas und Vincent Wörle sowie Aleš Česen. Die endgültige Bewertung dieser Leistung wird wohl erst nach Rückkehr des Teams möglich sein. Doch schon jetzt lässt sich sagen: Im Zeitalter überfüllter Normalrouten und medial inszenierter Höhenjagden stellt diese Expedition ein leises, aber starkes Signal dar – zurück zu Ursprünglichkeit, Verantwortung und technischer Klasse. Hinweis: Alle Angaben basieren auf dem Stand 3. August 2025 und beruhen größtenteils auf Erstinformationen der Familie sowie Mitteilungen der Agentur Summit Experts.
Erstbesteigung im Karakorum<br />
Vincent Wörle begleitete die Expediton und dokumentierte den Aufstieg auf den Berg. Foto: w8less consulting/ Wörle

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