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Reutte | Wirtschaft | 5. September 2022 | Von Sabine Schretter

Wie wird das Außerfern zukunftsfit?

Wie wird das Außerfern zukunftsfit?
Dr. Reinhard Schretter, Christian Strigl und Wolfgang Winkler (v.l.) präsentierten die Prioritäten und Vorschläge der Außerferner Wirtschaft für die kommende Legislaturperiode 2022 bis 2027. RS-Foto: Schretter
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Reutte  Von Sabine Schretter
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Wirtschaft des Bezirkes Reutte präsentierte ihre Vorschläge und Prioritäten für die kommende Legislaturperiode

„Zukunft braucht Strategie.“ Um sich als ländlicher Raum zukunftsfit entwickeln zu können, müssen politische Entscheidungsträger auf nationaler und europäischer Ebene die notwendigen Rahmenbedingungen schaffen. Das umzusetzen, wird eine der großen Herausforderungen für die künftige Landesregierung sein. Christian Strigl, Obmann der WK-Bezirksstelle Reutte, Wolfgang Winkler, Leiter der WK-Bezirksstelle Reutte und Dr. Reinhard Schretter, Mitglied des WK-Bezirksstellenausschusses, stellten die markantesten Eckpunkte der für das Außerfern ausgearbeiteten Wirtschaftsstrategie vor.
Von Sabine Schretter.
Der Bezirk Reutte ist der am höchsten industrialisierte Bezirk Tirols, zeigt gleichzeitig aber eine Vielfalt, in der – wie Dr. Reinhard Schretter überzeugt ist – die Stärke liegt. Junge Menschen können sich ihre Arbeitsplätze im Bezirk aussuchen und auf ein breites Bildungsangebot zurückgreifen. Als Hauptanliegen im Bildungsbereich gilt die Forderung nach der Verselbstständigung der „dislozierten Klasse der HTL Anichstraße am Standort Reutte“, die im Schuljahr 2020/2021 geschaffen wurde. Die Organisation des Schulalltags in Reutte ist durch diese Rechtsform extrem aufwendig. Dass sich die HTL in Reutte bewährt, zeigen die Schülerzahlen: Für das Schuljahr 2022/2023 sind 48 Schüler angemeldet. 2021/2022 waren es 44, 2020/2021 37 Schüler. 2023 selbstständig zu sein, werde daher ebenso mit Nachdruck eingefordert wie die Errichtung eines Schüler- und Lehrlingsheims. Damit könne man dem Fachkräftemangel entgegenwirken und den Schulstandort stärken. Um Frauen wieder vermehrt in den Arbeitsprozess zu holen, soll eine wohnortnahe und ganzjährig ganztägige Kinderbetreuung gesetzlich verankert werden. „Man könnte zum Beispiel auch Tagesmütter für die Kinderbetreuung in die großen Betriebe holen“, erklärt Wolfgang Winkler.

Dauerbrenner Verkehr.
Ein Thema, das Christian Strigl als „heiße Kartoffel“ bezeichnete, ist das des Verkehrs. Im Fokus: Die Fernpassstraße B179. Gefordert wird, die Fernpassstrategie – den Bau der zweiten Tunnelröhre und die Sanierung des Lermooser Tunnels sowie die Realisierung des Fernpassscheiteltunnels und des Tschirganttunnels – voranzutreiben. Um eine wirkliche Entlastung, vor allem des Individualverkehrs zu erreichen, müsse die Außerfernbahn attraktiviert werden. Es braucht eine schnellere und regelmäßige Taktung in den Zentralraum und Richtung Garmisch und München sowie eine Stärkung des Personennahverkehrs. „Der Bezirk Reutte könnte eine ÖPNV-Modellregion werden“, stellt Strigl in den Raum. Hier wären dann aber auch der VVT und die DB gefordert, weil es auch um funktionierende Anschlüsse geht.

Europäisches Thema, internationale Lösung.
Die Energiekosten werden weiter steigen. Und das wird bald auch die Privatkonsumenten treffen. Auch der Strombedarf wird steigen – es wird vermehrt auf E-Mobilität gesetzt, Strom wird für Wärmepumpen und die Wasserstofferzeugung benötigt. Blackoutvorsorge, Versorgungssicherheit und die Erzeugung erneuerbarer Energien – auch der Ausbau der Wasserkraft, die Installierung von Photovoltaikanlagen und die Nutzung von Windkraft sind gefordert. Um dies zu gewährleis-ten, müssen zum einen die entsprechenden Verfahren deutlich verkürzt, zum anderen das Stromnetz im Bezirk Reutte erweitert und modernisiert werden. Auch steht die Frage im Raum, ob es eine zweite Stromleitung aus dem Inntal  in den Bezirk geben soll – um etwa im Fall eines Blackouts besser abgesichert zu sein.
Auf der Agenda des Wirtschaftsprogramms für den Bezirk Reutte steht auch ein weiterer Ausbau der flächendeckenden und guten Digitalisierung aller Regionen. Gerade die Coronakrise hat gezeigt, wie essenziell eine leistungsfähige Grundversorgung ist. Weiters müsse die Nahversorgung gestärkt werden, um einem Abwandern aus den Regionen entgegenzuwirken.

Bayerische Freunde.
Ein explizit außerfernerisches Anliegen ist ein „Freundschaftsvertrag mit dem Freistaat Bayern“. „Eine Grenzschließung, wie wir sie 2021 während der Coronapandemie hatten, darf es nicht mehr geben“, so Schretter, Strigl und Winkler unisono. Die Wirtschaftsrichtung des Bezirks Reutte zeigt ganz eindeutig nach Norden, nach Deutschland. Täglich pendeln 900 Personen aus dem Bezirk Reutte nach Deutschland zum Arbeiten, umgekehrt gehen 873 Personen, die aus Deutschland einpendeln, ihrer Tätigkeit im Bezirk Reutte nach. Eine Grenzschließung trifft den gesamten Bezirk – wirtschaftlich und gesellschaftlich. Das muss verhindert werden.
Das Programm „Weichenstellung für die Zukunft“ ist das Ergebnis eines Diskussionsprozesses aller Branchen, aller Bezirke und aller wahlwerbenden Gruppen innerhalb der Wirtschaftskammer.
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