Rietz nun endgültig aus „Park & Ride“-Boot

Diskussionen im Telfer Gemeinderat. Bürgermeister Christian Härting (Mitte) brachte den Beschluss über die Mehrkosten schließlich doch durch. RS-Foto: Schnell

Mehrkosten für die Gemeinden übernehmen das Land Tirol aus dem GAF-Topf und die Marktgemeinde Telfs

Die „Park & Ride“-Anlage beim Bahnhof Telfs/Pfaffenhofen wird nun ohne eine Kostenbeteiligung der Gemeinde Rietz gebaut. Dadurch verändert sich nun der Finanzierungsschlüssel. Das Land Tirol wird an die am Projekt beteiligten Gemeinden aus dem GAF-Topf anstatt 530.000 Euro nun 656.000 Euro überweisen, die Marktgemeinde Telfs muss Mehrkosten in Höhe von 14.163 Euro tragen. Dahingehend ist am Donnerstag im Gemeinderat ein Beschluss gefasst worden, dem heftige Debatten vorangingen.

Geplant sind beim Bahnhof Telfs/Pfaffenhofen bekanntlich eine „Park & Ride“-Anlage und ein Parkdeck mit mit 289 Pkw-Stellplätzen. Die Gesamtbaukosten wurden mit 4,9 Millionen berechnet, davon entfallen 50 Prozent auf die ÖBB sowie je 25 Prozent auf das Land Tirol (VVT) und auf die am Projekt beteiligten Gemeinden Telfs, Obsteig, Mieming, Wildermieming, Mötz, Stams, Pfaffenhofen, Oberhofen und Flaurling. Im Boot sollte eigentlich auch Rietz sitzen, denn auch aus diesem Ort pendeln an den Werktagen viele Menschen mit den Nahverkehrszügen zur Arbeit. Im Schnitt sind es an die 40 Pkw, die täglich beim Bahnhof Telfs/Pfaffenhofen abgestellt werden. Der Rietzer Gemeinderat will von einer Kostenbeteiligung allerdings nichts wissen. Bürgermeister Gerhard Krug geht es dabei nicht so sehr ums Geld, sondern um die Vetragsbedingungen mit den ÖBB. Laut dem Finanzierungsschlüssel trifft es die Gemeinden 1,2 Millionen Euro. Weil Rietz nicht mitzieht, erhöhen sich nun für einige der oben angeführten Gemeinden die Kosten. Für Obsteig und Flaurling geringfügig, Telfs muss 14.163 Euro mehr hinblättern.

Im Telfer Gemeinderat wurde eine Kostenbeteiligung in Höhe von 386.000 Euro zwar schon am 19. Feber 2015 einstimmig abgesegnet, wegen dem Absprung von Rietz musste bei der jüngsten Sitzung am vergangenen Donnerstag wegen der Mehrkosten in Höhe von 14.163 Euro über eine Anpassung zum bereits gefassten Beschluss abgestimmt werden. Aus der Opposition wurde heftige Kritik laut. „Warum muss Telfs die Mehrkosten tragen“, wollten VP-Gemeindevorständin Angelika Mader und Sepp Köll (Telfs Neu) wissen. „Der ursprüngliche Beschluss ist meiner Ansicht ungültig. Rietz ist weg, da müsste logischerweise ein neuer Beschluss gefasst werden. Außerdem: Wenn es um 14.000 Euro Mehrkosten geht, haben wir auf die Telfer Bürger zu schauen“, warf PZT/SP-Gemeinderat Norbert Tanzer ein und Gemeinderat Herbert Klieber (Bürgerliste) kritisierte, „dass die Parkplätze umgelegt auf die Baukosten deutlich zu teuer seien.“ Bürgermeister Christian Härting reichte das Oppositionsgezerre schließlich: „Ich bin es leid, noch länger zum Land, zu den ÖBB und auf die BH zu rennen. Steht ihr hinter dem Projekt oder nicht? Wir können den Kaugummi noch einige Jahre dahinziehen!“ Das Abstimmungsergebnis: 16 Ja- zu fünf Nein-Stimmen. Die „Nein-Sager“: Ersatzgemeinderat Manfred Lerch (VP), GV Angelika Mader (VP), GR Herbert Klieber (BL), GR Norbert Tanzer (PZT/SPÖ) und Sepp Köll (Telfs Neu).

Härting rechnet mit einem Baubeginn für die „Park & Ride“-Anlage im nächsten Jahr. Die Bürger aus den neun Projektgemeinden werden nach Fertigstellung vergünstigt parken können. Für die Rietzer wird es keine Vergünstigung geben. In welcher Form es vergünstigte Parktickets geben wird, steht noch nicht fest. „Es gab in dieser Hinsicht bereits ausführliche Gespräche mit den zuständigen Stellen der BH Innsbruck-Land und des Landes Tirol. Und es gibt ein System, das funktioniert“, so Härting. Ob da nicht eine Gleichheitswidrigkeit zu sehen sei, wenn die Rietzer mehr zahlen müssen, wollten die Oppositionare wissen. „Nein, Vergünstigungen gibt es zum Beispiel auch bei den Müllgebühren“, erklärte Vize-Bürgermeisterin Cornalia Hagele (Wir für Telfs).