Rosshütte sorgt mit „Snowmax“ für Debatte

Bürgermeister Werner Frießer: „Debatte über Snowmax zu früh geführt!" Foto: Archiv

25 Prozent Mehrkosten beim Jochlift begründet Bgm. Frießer mit Statik und Geologie der 60 Jahre alten Anlage

Bis zu 25 Prozent Mehrkosten beim Umbau der Seefelder Jochbahn und eine heftige mediale Kampagne gegen einen wissenschaftlich begleiteten Feldversuch, den Zusatzstoff „Snowmax“ bei der Schneeerzeugung  zu testen, brachte kürzlich Seefelds Bürgermeister Werner Frießer, der zugleich auch Chef der Bergbahnen Rosshütte ist, ins Schwitzen. Vor allem Seilbahner-Chef Franz Hörl attackierte Frießer scharf und forderte einen Stopp der Landessubventionen für die Ski-WM. Um die Sache nicht eskalieren zu lassen, lenkte der Seefelder Ortschef ein und versprach trotz der Entscheidung des Landesverwaltungsgerichts, auf künstliche Zusatzstoffe beim Kunstschnee zu verzichten.

Bei der Schneeerzeugung aus reinem Wasser braucht man Temperaturen von weniger als vier Grad Celsius, eine möglichst geringe Luftfeuchtigkeit und eine Wassertemperatur von maximal zwei Grad. Effizient werden solche Beschneiungsanlagen erst bei echten Minusgraden. Bei einer Methode, die aus den USA kommt und unter dem Namen „Snowmax“ bekannt ist, kommen abgetötete Pseudomonas-syringae-Bakterien zum Einsatz. Ihr Eiweiß lässt Wasser auch bei plus fünf Grad Celsius zu schneeähnlichem Pulver werden. Die Methode spart Wasser und Energie. Deshalb ist sie auch in der Schweiz, in Norwegen und Schweden zugelassen. In Deutschland und Österreich hingegen nicht.

EINSPRUCH. Auf Grund eines Einspruchs durch die Bergbahnen Rosshütte wurde dieses Verbot nunmehr vom Landesverwaltungsgericht entgegen des politischen Willens der schwarz-grünen Landesregierung gekippt. Bgm. Frießer kündigte einen wissenschaftlich begleiteten Feldversuch an, um die Auswirkungen von „Snowmax“ zu prüfen. „In der Sache konnte mich zwar niemand überzeugen. Aber vielleicht haben wir die Diskussion über ‚Snowmax’ um 15 Jahre zu früh geführt“, meint er gegenüber der RUNDSCHAU. „Es handelt sich um ein Produkt, das bei der Maisproduktion gewonnen wird und das laut Wasserrechtsbehörde des Landes keine negativen Auswirkungen auf Menschen, Tiere, Pflanzen und die Umwelt hat. Da die mediale Debatte derart emotional geführt wurde, haben wir in einer gemeinsamen Erklärung mit LH Günther Platter und dessen Stellvertreter Josef Geisler auf die Beimischung von Zusatzmitteln bei der Schneeerzeugung bis auf weiteres verzichtet!“ Frießer ist dennoch überzeugt: „Schneesicher-heit wird in Zukunft ein entscheidendes Kriterium für die Olympia-region Seefeld sein.“ Auch bei der jüngsten Gemeinderatssitzung gab es heftige Debatten über die Bergbahnen Rosshütte. GR Sepp Kneissl: „Die Bestellung von Amtsleiter Edi Hiltpolt als Vertreter des Aktienpakets der BIG für die Vollversammlung ist nötig, um einen Kredit in der Höhe von 1,8 Mio. Euro aufzunehmen. So viel Information brauchen die Gemeinderäte, wenn sie über diesen Punkt abstimmen müssen!“ „Jeder Private würde bei einer ähnlichen Kostenexplosion wie bei der Jochbahn in Konkurs gehen“, legte GR Theres Schmid nach. Bgm. Frießer konterte: „Jeder hätte bei mir nachfragen können und eine Antwort auf Heller und Cent erhalten. Außerdem ist mit GR Markus Hiltpolt auch ein Vertreter eurer Gemeinderatsfraktion im Aufsichtsrat der Bergbahnen Rosshütte vertreten und er könnte euch ebenfalls über alle Vorgänge informieren!“

SACHLICH. Nachdem sich die Debatte wieder versachlicht hatte, klärte Frießer auf: „Sowohl die Statik des 1958 erbauten Gebäudes als auch die Geologie am Berg wichen deutlich von dem ab, was man sich anhand der Pläne und des Bauzustands erwarten konnte. So waren zum Beispiel in sechs Meter Tiefe immer noch weiche Ölschieferschichten, die ein Fundament nicht tragen hätten können. Die große Liftstütze hätte der neuen Gondel nicht standgehalten. Das war alles nicht vorherzusehen!“ Auf die Frage, ob kein Gutachten erstellt wurde, antwortete Frießer: „Da es keinen Weg auf die Rosshütte gibt, der einen Schwer-Lkw zur Erkundung der Bodenbeschaffenheit tragen hätte können, war man auf Einschätzung angewiesen. Leider lagen auch die Kostenschätzungen zum Teil massiv daneben. Diverse  Zusatzausgaben konnten wir aber durch Einfrieren des Bauaufsichtshonorars und durch andere Einsparungen zum Beispiel bei den Fliesen in Grenzen halten.“ Bei der Bank wird die Hauptversammlung daher einen Zusatzkredit in Höhe von 1,8 Mio. Euro beantragen. 1 Mio. hätte der Aufsichtsrat beantragen können. Frießer: „Nach derzeitigem Stand rechne ich mit 1,2 Mio Euro Mehrkosten. Wir haben aber hoch genug angesetzt, damit wir im Falle einer neuerlichen Kostensteigerung nicht nochmals in die Hauptversammlung und zur Bank müssen.“ Er versicherte: „Es wird auch nicht zu einer Qualitätsreduktion kommen. Insbesondere bei der Bergstation hätten wir einsparen können. Dann hätte man dort später aber kein Bergrestaurant errichten können!“ Langfristig rechnet Frießer jedenfalls mit einer sehr positiven Entwicklung der Bergbahnen Rosshütte: „In den dreizehn Jahren, in denen ich Geschäftsführer bin, konnten wir den Umsatz von 4,5 Mio. Euro auf über 11 Mio. Euro steigern. Österreichweit zählen wir inzwischen zu den erfolgreichsten Bergbahnen und das hatte auch Auswirkungen auf die Konditionen, die wir von den Banken erhalten!“

LÖSUNG. So werde man die Gesamtschulden in der Höhe von 17 Mio. Euro in Bälde so umschulden, dass die Zinslast um ca. 135.000 Euro pro Jahr sinke. 2029 laufe die Konzession für die Standseilbahn aus. Auf Grund der guten Jahresergebnisse könne man bis dahin einen Gutteil der Schulden zurückzahlen. Wegen der zu starken Seitenwinde am Seefelder Joch wurde die Jochbahn übrigens nicht durch eine moderne Umlaufbahn ersetzt, die in der Folge auf alle drei Sektionen ausgebaut hätte werden können. Diese Lösung werde in zehn Jahren im Bereich der Standseilbahn errichtet, wofür neuerlich ein Kredit nötig sei. Ansonsten sollen aber überhaupt keine Schulden mehr aufgenommen werden. Frießer: „Wir haben ein langfristiges Finanzierungskonzept bis 2050, wonach wir die notwendigen Erneuerungen dann ohne Kredite bewältigen können!“

Von Bernhard Rangger

Über Oberländer Rundschau

Die Oberländer Rundschau ist die regionale Wochenzeitung für die Bezirke Imst, Landeck, Reutte und Telfs im Tiroler Oberland.