Rot, Grün und Blau

Liebe FreundInnen der politischen Farbenlehre!

Viele von uns ärgern sich über unsere PolitikerInnen grün und blau. Der Dauerstreit unserer VolksvertreterInnen lässt immer mehr WählerInnen schwarz sehen. Rot vor Zorn meiden manche die Wahlurne und entscheiden sich für Weiß. Orange hat ausgedient. Pink kommt nicht in die Gänge. Und so wünscht sich manch einer über kurz oder lang andere Farben im Spiel. Sebastian Kurz, der neue, selbst inszenierte Heiland am heimischen Polithimmel, hat schon darauf reagiert. Er setzt im bevorstehenden Wahlkampf auf Türkis.

Die Sache ist schlau – und von der Tierwelt abgekupfert. So manches Lebewesen verwendet zum Überleben Tarnfarben. Statt zu kämpfen oder zu flüchten, wechseln einige Geschöpfe die Farbe, um unerkannt davonzukommen. Bekanntester Vertreter dieses Phänomens ist das Chamäleon. Es gebärt sich bunt und damit unsichtbar – im Gegensatz zum Pfau und anderen Balztieren, die sich durch überschwängliche Farbenpracht in Szene setzen. Was bei Politikern neuerdings eher vermieden wird, da die Lebensdauer von Gockeln stark gesunken ist.

Drei der aktuellen Parteien haben zuletzt das Verblassen ihres Glanzes bereits leidvoll miterlebt. Grün schützte uns Natur und Umwelt so stark, dass wir weitere Verordnungen vielfach bereits als Bedrohung sehen. Rot schuf uns einen Sozialstaat, den viele für übertrieben halten. Statt Dankbarkeit machen sich eher Neid und Geiz breit. Wer Benachteiligten hilft, beleidigt die Fleißigen – und die zitieren Niki Lauda: „Wir haben nichts zu verschenken!“

Ähnliches könnte jetzt der FPÖ blühen. Geht die Zahl der AusländerInnen, die in unser Paradies drängen, tatsächlich spürbar zurück, haben die Blauen ihren Job erledigt. Viel Feind, viel Ehr’ verliert dann stark an Wirkung.

So gesehen hat Türkis eine evolutionäre Chance. Dort, wo der Lebensraum für Füchse, Hähne und Grünspechte eng wird, könnte der „Ohrwaschelbär“ auf fruchtbaren Boden stoßen!

Meinhard Eiter


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