Rote Laborantinnen

Liebe Freunde der Sozialdemokratie!

Die einstige Großpartei SPÖ gehörte auch bei den jüngsten Wahlen zu den Verlieren. Die Roten erleiden eine Schlappe nach der anderen. Das soll sich jetzt ändern. In Windeseile wurde nach der Niederlage ein Erneuerungsprozess der Partei eingeleitet. Zuerst legte der bisherige Geschäftsführer sein Amt nieder. Statt ihm wurde der Wahlkampfmanager als Trost für sein Versagen zum neuen einzigen starken Mann bestellt. Und zudem ein neues Gremium eingerichtet. Das sogenannte Zukunftslabor. Mit dem Ziel, den Menschen Geschichten zu erzählen, die mehr das Herz als das Hirn ansprechen. Man wolle eine neue Sprache entwickeln, die auch der kleine Mann versteht. Dafür wurden drei Chefinnen nominiert, die das jetzt richten sollen. Das ist mehrfach interessant. Zum einen ist ein „Labor“ eine ziemlich technische Einrichtung. Eine Art Anstalt für Versuch und Irrtum. Ein Institut, in dem mitunter sogar chemische Substanzen erprobt werden. Auch Medikamente werden in derartigen Werkstätten gemixt. Da stellt sich die Frage: Brauchen die potentiellen Wähler Tabletten? Und werden die vorwiegend den Männern verabreicht? Die haben jedenfalls im Labor weder Sitz noch Stimme. Was eine ziemlich schiefe Optik macht. Der Arbeiter, der am Abend mit ölverschmierten Händen aus der Werkstattgrube steigt, dürfte längst der Emanzipation zum Opfer gefallen sein. Und wird als Wähler offenbar gar nicht mehr in Betracht gezogen. Da muss irgendetwas neu gebastelt werden. Zum Beispiel ein Zwei-Geschlechter-Programm. Wenn die Roten mit einer eigenen Frauen- und einer eigenen Männerliste antreten und danach koppeln, dann könnte das Gegeneinander über ein Nebeneinander wieder zu einem Miteinander geführt werden.

Meinhard Eiter