Schafzüchter fordern wolffreie Zonen in Tirol

Thomas Wegscheider steckt viel Arbeit und Herzblut in die Schafzucht. Ein Wolfsangriff könnte die Zucht zunichte machen. Foto: zeitungsfoto.at

Michael Bacher, der Obmann des Tiroler Schafzuchtverbandes: „Ansiedelung des Wolfes wäre die größte Dummheit!“

Wolffreie Zonen in Tirol fordern die heimischen Schafzüchter nach den rund 20 Schafrissen im Bereich der Inzinger Alm. Der Schutzstatus des Wolfs müsse von der Politik gesenkt werden. Michael Bacher, der Obmann des Tiroler Schafzuchtverbandes, rechnet heuer landesweit mit bis zu 50 gerissenen oder nach Angriffen durch  Beutegreifer abgestürzten Schafen. „Wenn der Wolf bei uns heimisch wird, leidet die Landwirtschaft darunter massiv“, prophezeit Bacher. 

Der Almsommer neigt sich dem Ende zu, das Vieh wird zu Tal getrieben, einigen Schafzüchtern wird dieser Sommer wohl in schlechter Erinnerung bleiben. Im Pitztal hat ein Bär mehrere Schafe gerissen, im Bereich der Inzinger Alm kamen 20 Schafe um, bestialisch zugerichtet von einem Wolf, der später im Sellraintal erschossen und enthauptet wurde. 11.000 Euro (!) Ergreiferprämie setzten der WWF und der Naturschutzbund Österreich inzwischen für Hinweise aus, die zur rechtskräftigen Verurteilung des bis dato unbekannten Wildschützen führen. Michael Bacher, der Obmann des Tiroler Schafzuchtverbandes, traf sich am vergangenen Mittwoch gemeinsam mit VP-Nationalrat Hermann Gahr mit dem Oberperfer Schafzüchter Thomas Wegscheider, der viel Arbeit und Herzblut in seine Tiere investiert. Bacher stellt sich klar hinter die Schafbauern und spricht sich gegen eine Ansiedelung des Wolfes aus: „Das wäre eine der größten Dummheiten!“ Auch Wegscheiders Schafe grasten heuer im Sommer auf den Weiden in der Nähe des Inzinger Almgebiets. Als ein Wolf in dem Gebiet etwa 20 Schafe gerissen hat, trieb er vorsorglich seine Tiere ins Tal ab, einige Schafe brachte er später wieder auf die Almweiden zurück, einige mussten im Stall bleiben. „Durch einen Wolfsangriff kann man die Hälfte der Zucht verlieren, Entschädigungszahlungen können diesen Verlust nicht ersetzen“, erklärt der Schafzüchter. 

HERDENSCHUTZ ZU TEUER. Herdenschutzmaßnahmen wie sie von der Politik und dem WWF vorgeschlagen werden, seien aus wirtschaftlicher Sicht überhaupt nicht möglich. „Würde man die Schutzmaßnahmen umsetzen, würde man pro Schaf mit Kosten zwischen 150 und 550 Euro rechnen müssen. Wenn man bedenkt, dass im Sommer in Tirol 80.000 Schafe auf den Bergweiden grasen, wäre das eine enorme finazielle Belastung“, erteilt Werner Leitner, der Hirte und Pächter der Inzinger Alm, den Herdenschutzmaßnahmen eine klare Absage. VP-NR Hermann Gahr brachte im Nationalrat bereits zwei Petitionen zum Thema Wolf und Schutz der Haus- und Nutztiere ein. Er fordert einmal mehr die Ausweisung von wolffreien Zonen in Tirol. „Ein absoluter Schutz für die Tiere auf der Alm ist nur dann gegeben, wenn die Rückkehr der Wölfe verhindert wird“, so Gahr. Schafzuchtverband-Obmann Bacher warnt vor französischen und italienischen Zuständen. In Frankreich sei die Schafzucht in den vergangenen zehn Jahren halbiert worden, in Italien und dabei auch in Südtirol sei der Zuchtmarkt praktisch tot. Wie viele Schafe heuer auf den Almen umgekommen sind, wird erst feststehen, wenn alle Schafe von den Almen abgetrieben wurden.

Kommentar

11.000 Euro gibt es für den- oder diejenigen, die den entscheidenden Hinweis zur rechtskräftigen Verurteilung jenes „Killers“ geben können, der im Sellraintal einen Wolf erschossen und enthauptet hat. Die Höhe der Ergreiferprämie regt zum Nachdenken an: Es gibt in Österreich viele Menschen, deren Angehörige durch Mörderhand umgekommen sind, und die sich eine Ergreiferprämie kaum bis gar nicht leisten können. Offenbar auch nicht der Staat Österreich: Auf der Homepage des BMI wird zum Beispiel nach Friedrich Felzmann gefahndet, der am 29. Oktober 2017 im steirischen Stiwoll zwei Personen mit einem Gewehr erschossen haben soll und seither flüchtig ist. Für den entscheidenden Hinweis gibt es 2.000 Euro. 

Ich kann jedenfalls alle Tiroler verstehen, die hinter vorgehaltener Hand tuscheln: „Hoffentlich wird der Sellrainer Wildschütze nie entlarvt, weil er sonst auch noch öffentlich an den Pranger gestellt wird!“ Der WWF macht mit den „Wolfspatenschaften“ gutes Geld, prassen sollte dieser Umweltverband damit aber nicht, meint Gebi G. Schnöll