Scharnitz braucht einen Tourismusschub

Der Durchzugsverkehr rollt seit einem halben Jahr über die Umfahrungsstraße an Scharnitz vorbei. Dadurch ist die Lebensqualität angestiegen. RS-Foto: Schnöll

Seit der Eröffnung der Umfahrungsstraße ist es ruhig geworden – Nun soll neues Gästeleben ins Dorf kommen

Seit fast genau einem halben Jahr rollt der Verkehr durch den Umfahrungstunnel an Scharnitz vorbei. Viele Gemeinden sind wegen einer Umfahrungsstraße wirtschaftlich und touristisch in ein Tief geschlittert. Wie sieht es nach einem halben Jahr Verkehrsberuhigung in Scharnitz aus? Diese Frage versuchte die RUNDSCHAU bei einem Gespräch mit Bürgermeisterin Isabella Blaha zu klären. 

Seit Anfang November vergangenen Jahres ist es in Scharnitz verkehrsmäßig deutlich ruhiger geworden. Die damals eröffnete Umfahrungsstraße schluckt seither den Durchzugsverkehr. „Ja es stimmt, es ist wirklich ruhig geworden, ich bin aber glücklich, dass die Lebensqualität nun eine andere, eine bessere ist“, sagt Bürgermeisterin Isabella Blaha. Wie sich die Umfahrung bisher wirtschaftlich und touristisch auf die Gemeinde an der Staatsgrenze zu Deutschland ausgewirkt hat, kann man noch nicht beurteilen. „Im Winter wurde in unserer Re-gion die Nordische Weltmeisterschaft ausgetragen. Viele Gäste, die ansonsten im Winter am Seefelder Plateau urlauben, sind dem Rummel ferngeblieben. Zudem herrschte ein strenger Winter mit elf Tagen Bahn- und Straßensperren zwischen Scharnitz und Mittenwald. Und da waren auch noch die Negativmeldungen in der Auslandspresse von einer Schneehölle, die es real überhaupt nicht gegeben hat. Das Plateau war über Umwege zu jeder Zeit erreichbar. Das wurde damals den Gästen bei Anfragen auch so vermittelt“, erinnert sich die Bürgermeisterin an die schneereiche Zeit zurück.

EIGENDYNAMIC. Seit der Durchzugsverkehr aus dem Dorf verbannt ist, laufen Überlegungen, wie man Scharnitz mit seinem Naturjuwel touristisch vermarkten kann. „In den 70er-Jahren erlebte unser Dorf wirtschaftlich und touristisch gute Zeiten. In diese Richtung soll es nun wieder gehen. So denkt man auch beim Tourismusverband. Mit dem Karwendelgebirge haben wir einen Schatz, den wir nun heben müssen. Das Wandern und Klettern boomt, da müssen wir ansetzen. Auch der Freestylepark mit Campingplatz, wo jetzt schon mehrere Nationalteams trainieren, trägt zur touristischen Wiederbelebung bei“, sagt Isabella Blaha. Um den sanften Tourismus anzukurbeln, braucht es aber auch eine entsprechende Gastronomie und Fremdenbetten. „Es muss für eine gute Zukunft im Dorf viel Eigendynamik entwickelt werden. Wir müssen den Gästen Ferienwohnungen und Einzelzimmer anbieten können. Gefragt wäre auch ein Hotel der gehobenen Kategorie“, so die Dorfchefin, die seit Monaten auch um die Ansiedlung eines Nahversorgers bemüht ist. „Es sieht gut aus, dass die M-Preis-Handelskette einen Mini-M-Preis eröffnet. Wo genau, steht noch nicht fest. Ein gemeinnütziger Wohnbauträger hält derzeit Ausschau nach einem Grundstück, auf dem ein Wohn- und Geschäftsgebäude errichtet werden kann. In dieses Gebäude soll auch der Mini-M-Preis einziehen!“

Nur vereinzelt biegen ausländische Fahrzeuge nach Scharnitz ab, was für die Wirtschaft nicht optimal ist. Nun wird überlegt, wie man verstärkt Feriengäste anziehen kann. RS-Foto: Schnöll
Bürgermeisterin Isabell Blaha will den sanften Tourismus ankurbeln. RS-Foto: Archiv/Schnöll