Schlüssel zum Erfolg

Liebe Freunde attraktiver Jobs

Am Wochenende lese ich gerne die Stellenanzeigen in den Zeitungen. Obwohl ich selbst keine Arbeit suche. Die Sache ist trotzdem interessant. Bei so manchem Inserat wüsste ich gar nicht, was der Arbeitgeber so von mir möchte. Viele der feilgebotenen Positionen stehen da auf Englisch. Der Klassiker ist der sogenannte Key Account Manager. Ich glaubte immer, es handle sich dabei um eine Tätigkeit bei einer Schlüsseldienstfirma. Und man suche dort einen Schlosser. Weit gefehlt. Ins Deutsche übersetzt ist ein Key Account Manager der Betreuer von Schlüsselkunden, also dem wichtigsten Kundenstock eines Unternehmens. Warum die in der Zeitung nicht schlicht Kundenbetreuer schreiben, was jeder verstünde, weiß ich nicht. Aber vielleicht hat es ja damit zu tun, dass man der Position durch eine ausländische Bezeichnung mehr Attraktivität verleihen will. Und: Als ich unlängst las, dass die Justizwache neue Wärter sucht und diese als Schlüsselfunktion bezeichnete, fühlte ich mich irgendwie beklemmt. So ein bisschen hinter Schloss und Riegel. Mit so einem riesigen Schlüsselbund uniformiert die Gefängnisgänge abschreiten – ich weiß nicht, ob das das Meine wäre. Aber vielleicht geht es an Arbeitsplätzen ohnehin weniger um das, was man tut. Sondern um das, was man kriegt. Laut Internet verdient so ein Key Accounter jährlich cirka 62.000 Euro. Übrigens: Ein Freund von mir stieg einst zum Abteilungschef auf. Und brauchte ein neues Türschild. Mich fragte er, ob er dort „Leiter“ oder „Leitung“ hinschreiben solle. Ich meinte, das sei egal. Das eine klingt nach Maler, das andere nach Installateur. Was dem frisch gebackenen Boss schlüssig erschien. Obwohl er keinen dieser schöne Berufe bekleidet.

Meinhard Eiter