Schmankerlreise mit der Transsibirischen

Die Tischdekoration war dem Thema angepasst. RS-Fotos: Claus

Wenn einer eine Reise tut, dann kann er was erzählen

Das Team der Reuttener Bücherei hatte sich wieder viel Mühe gemacht, um die literarische und kulinarische Schmankerlreise für seine Gäste abwechslungsreich zu gestalten.

Von Uwe Claus

„Reiseleiterin“ Sonja Kofelenz nahm ihr Publikum mit auf eine Reise im Luxuszug „Zarengold“ – von der russischen Metropole Moskau bis zur chinesischen Hauptstadt Peking. Unterstützt wurde sie dabei von „Andrej“ Schretter, der als Schaffner die Gäste betreute und mit einem Wodka als Begrüßungstrunk auf die Reise mit der „Transsibirischen Eisenbahn“ einstimmte.
Mit Dmitry Alexejewitsch Gluchovsys Buch „Text“, einem außergewöhnlichen Werk, das an die große russische Erzähltradition mit ihrer immer wiederkehrenden Frage nach Schuld und Sühne anschließt, wurde die interessante Gegenwartsliteratur aus Russland von Sonja Kofelenz eröffnet. Es folgte eine Stadtführung durch Moskau mit dem Roten Platz, dem Lenin Mausoleum sowie dem Luxuskaufhaus GUM. Dann ging es auf die 9288 km lange Reise durch sieben Zeitzonen nach Osten. Immer wieder unterbrochen von Auszügen aus Büchern, gestaltete sich die Fahrt kurzweilig und interessant. Stationen waren unter anderem Nischni Nowgorod, Jekaterinburg und Omsk. Reiseleiterin Sonja wies immer wieder auf besondere Sehenswürdigkeiten in diesen Städten hin. Die russische Küche, einfach und sättigend, stand im Fokus des Autoren Wladimir Kaminer mit dem Titel „Küche totalitär“, vorgetragen von Andreas Schretter, der dazu bemerkte „Nachkochen ist mit einem Augenzwinkern erlaubt“ – bereits im Vorwort könne man erkennen, was einen erwartet. Weiter ging es über Novosibirsk nach Irkutsk (Baikalsee), vorbei am „Sterbenden (Aral)see“, von dem Abdishamil Nurpeissow schreibt. Und so wechselten sich auf der weiteren Fahrt nach Wladiwostok und zuletzt in Peking die Begegnungen zwischen den verschiedenen Kulturen – vor und nach dem Ural eindrucksvoll geschildert und mit der dementsprechenden Literatur untermalt – ab. Mit einer kurzen Stippvisite durch Peking endete nach eineinhalb Stunden die eindrucksvolle literarische Reise.
Auch das Kulinarische ließ keine Wünsche offen: ob Borschtsch, der berühmte russische Eintopf mit Rote Bete, Plov(Pilaw) – ein Reisgericht mit Fleisch, Möhren, Zwiebeln und Knoblauch, gefüllte Piroggen, Russische Eier oder der berühmte „Russischen Zupfkuchen“ – der Tisch war reich gedeckt. Die literarisch/kulinarischen Reisen der Reuttener Bücherei haben mittlerweile einen gewissen Kult und man darf schon gespannt sein, was sich das Team um Sonja Kofelenz im nächsten Jahr als Ziel aussuchen wird.

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