Seilakt?

Frauenleben kann ein Seilakt sein. Frauen sind geschickt, können improvisieren und nehmen ihr Seil an – aber nicht ohne Netz. Foto: Hörmann

Aber nur mit Netz!

Ein volles Haus, gespannte Erwartung, angeregte Gespräche und … Dehnübungen bei der Künstlerin vor dem Auftritt mit anschließend fulminanten Performances – der „Seilakt“ des Frauenlebens in der Region macht Furore.

Wängle, ein sonst eher ruhiger und beschaulicher Ort im Außerfern, begrüßte am Freitag, dem 6. Oktober,  ganz besondere Gäste im Pfarrsaal.
„Frauen.Forum.Zukunft“ lud zum Auftakt und machte gemeinsam mit den Frauen der Basis-Frauenservicestelle im Außerfern auf den Beginn einer wirkungsvollen Kooperation aufmerksam. Im bayerisch-österreichischen Projekt, gefördert aus Mitteln des EU-Programms Interreg  Österreich-Bayern 2014-2020 und aus Mitteln des Landes Tirol, geht es um genau die Fragen, die Frauen und ihre Angehörigen bewegen. Was bestimmt das Leben der Frauen im Außerfern und im Landkreis Garmisch-Partenkirchen? Wie sind ihre Arbeits- und Verdienstmöglichkeiten, wie ihre Chancen für eine berufliche Weiterentwicklung? Wie sind sie an den Entscheidungen über die wirtschaftliche Entwicklung in ihren Regionen beteiligt?

Wie steht es um die Region? Den bewegenden und stärkenden Worten der Landesrätin Christine Baur folgten die  Ausführungen der Projektleiterin Christine Nusshart, Garmisch-Partenkirchen/München.  Sie stellte die Angelpunkte des Lebens in den Regionen, die aufgrund ihrer Lage, Infrastruktur und tradierten Lebensformen von Absiedlung bedroht sind, ins Zentrum ihrer Erläuterungen. Für die zahlreichen Teilnehmerinnen die Aufforderung, sich vehement in die folgende Faktensammlung einzubringen. Erstaunliches, vermeintlich Selbstverständliches und sehr Bekanntes kam dabei zutage. Wo bleiben qualifizierte Arbeitsplätze für die vielen gut ausgebildeten Frauen? Warum wird für Pflegeleistungen innerhalb der Familie nichts bezahlt oder zumindest angerechnet? Um ein bisschen unabhängig zu sein, braucht man Arbeit. Für Schüler muss es Talentschmieden geben. Pendelzeiten erschweren Vereinbarkeiten.  Die „Wahlfreiheit (Kinder/Beruf“ ist in Wirklichkeit keine. Ohne Auto geht gar nichts. Der fromme Wunsch, dass Töchter die gleichen Chancen haben wie Söhne. Frauen wählen keine schlechtere Bezahlung, sie bekommen sie.
Diesem vehementen „Aufbegehren“ der Frauen folgte die künstlerisch-akrobatische und auch clowneske Herangehensweise an das Thema. Der Seilakt am Vertikalseil der quirligen Künstlerin Sarah Pfeiffer geriet zu einer heiter-melancholischen, mitunter auch atemlosen Spiegelung der „Knackpunkte“ im Leben einer Frau. Und das ist nicht immer lustig.  Der Abend hinterließ Spuren. Diese fließen in die konkrete Arbeit der Projektgruppe ein. Schließlich soll zum Projektende etwas erreicht sein. Frauen in der Region finden Mittel und Wege, gemeinsam mit den regionalen und überregionalen EntscheidungsträgerInnen ihre Situation so weit zu verbessern, dass das Weggehen nicht mehr die zwangsweise oder angestrebte „Lösung“ sein muss.