Seit 20 Jahren eine Erfolgsgeschichte

Bürgermeister Jakob Wolf, Dr. Karl Gabl und Landesgeologe Dr. Gunter Heißel im Lärchensaal Niederthai beim öffentlichen Abendvortrag RS-Foto: Hirsch

Geoforum Umhausen: Fachübergreifende Vorträge und gangbare Lösungsvorschläge

Niederthai war auch dieses Jahr wieder „Pilgerstätte“ von Geologen, Hydrologen und Geowissenschaftern. Zum 20. Mal fand das herbstliche Treffen „Geoforum“ mit den unterschiedlichsten internationalen Experten in Niederthai statt. Drei Tage lang beschäftigte sich die interdisziplinäre Fachtagung vor allem mit den Themen Trinkwasser und Naturgefahren. Höhepunkt für alle Interessierten war der launige Abendvortrag von Dr. Karl Gabel „Gewitter, die atmosphärische Lawine des Sommers“.

Von Friederike Hirsch

Der Saal war randvoll, als Bürgermeister Jakob Wolf und Landesgeologe Gunter Heißel den öffentlichen Vortrag von Karl Gabel ankündigten. In seiner bewährt, launigen Art sprach Karl Gabl über die Entstehung von Gewittern, den Gefahren die dabei lauern und wie man sich bei solch einem Naturereignis verhalten sollte. 30 bis 35 Tage mit Gewittern gibt es pro Jahr in Nordtirol, die meisten davon im Juli. Blitzschlag, Donner, Starkregen, Muren und Gewitterböen sind nicht nur ein faszinierendes Naturschauspiel sondern eine ernste Bedrohung für Siedlungen und Alpinisten im Alpenraum. Noch heute steckt den Ötztalern das Hochwasser von 1987 in den Knochen. Es wundert daher nicht, dass der Lärchensaal in Niederthai zum Thema Gewitter mehr als voll war. Vor mehr als 30 Jahren forderte das Hochwasser 13 Menschenleben. Heute ist das Tal gut verbaut, dennoch „Wir werden nervös, wenn es länger regnet und wir beobachten die Ache genau“, sagt ein Teilnehmer der Abendveranstaltung. „So um den 20. August kommt es häufig zu einem Wettersturz und das sogenannte Frontgewitter bringt Starkregen, der zumeist länger andauert“, erklärt Karl Gabl. So geschah es auch am 24. August 1987 im Ötztal. Als nach heißen Sommertagen der Dauerregen einsetzte und die Ötztaler Ache rasend schnell anstiegen ließ.

Hauptfragen.

Für Landesgeologe Gunter Heißel stellt besonders die Hydrologie ein wichtiges Thema in der heutigen Zeit dar. Unser Trinkwasser ist abhängig von Niederschlag und Gestein, von aktuellen Felsbewegungen und von der Bedeutung von Blockgletschern für die Wasserversorgung. „Die Idee zum diesjährigen Forum war, zu untersuchen, wie sich die Klimaänderungen auf die Quellen und Brunnen auswirken“, erläutert Gunter Heißel. Durch die Erwärmung bleibt der Landregen zunehmend aus. Es kommt zwar zu mehr Gewittern, aber der Niederschlag ist nur kurzfristig. Mehr Muren und Überschwemmungen werden die Folge sein. „Schon in diesem heißen Sommer konnten man das beobachten“, resümiert Heißel. „Schneefallgrenzen steigen, da sich die Erwärmung vor allem in der Höhe auswirkt. Je weniger Schnee wir haben, desto mehr sinkt der Grundwasserspiegel. Dadurch kann es zu Krisen von festen Quellen kommen. Das ist sicher zu untersuchen und dafür sind Lösungen zu finden“, ist sich Gunter Heißel sicher.

Wie alles begann.

Mitbegründer der Tagung Geoforum Umhausen Gunter Heißel erinnert sich an die Anfänge: „Vor 20 Jahren, als die Idee konkrete Formen annahm, sind wir an mehrere Gemeinden in Tirol herangetreten. So wirklich begeistert zeigte sich keine Gemeinde. Bürgermeister Jakob Wolf machte dann Nägel mit Köpfen. Damals war das Thema „Radonstrahlung“ in Umhausen vakant. Die Bevölkerung war verunsichert. Für uns stellte sich die Frage, wie wir die Radonstrahlung positiv nützen können. Entfernen können wir die Strahlung nicht, also suchten wir Lösungen. Der erste Ausfluss der ersten Tagung war dann die Bau des Kurzentrums. Umhausen bot sich zudem als Tagungsort an, da es 1999 zu besonders vielen Felsstürzen in Tirol kam.“

Geoforum heute.

Was 1999 als Versuchsballon begonnen hat, hat sich zu einer anerkannten Tagungsreihe entwickelt. Das Geoforum lebt von der Themenvielfalt und von dem interdisziplinären Erfahrungsaustausch. Die Organisation der Veranstaltung reagiert kurzfristig auf wichtige Ereignisse und Entwicklungen. Aktualität wird großgeschrieben und die Bevölkerung wird durch die öffentliche Abendveranstaltung in die Tagung eingebunden. Gunter Heißel: „Das Geoforum Umhausen ist ein schöner Beweis, dass nur Teamarbeit zu einem nachhaltigen Erfolg führen kann.“

30 Jahre Landesgeologie.

Dieses Jahr feiert nicht nur das Geoforum in Umhausen Jubiläum, sondern auch die Landesgeologie in Tirol. Landesgeologe Gunter Heißel wird nach 30 Jahren in den Ruhestand gehen. Als erster Landesgeologe in Tirol war Heißel ein Einzelkämpfer. Tirol war damals mit Abstand das letzte Bundesland mit einem Landesgeologen. „Ich war immer bemüht, nicht als Einzelkämpfer auftreten zu müssen. Teamarbeit ist in unserer Arbeit besonders wichtig“, meint Heißel. Heute ist die Tiroler Landesgeologie die größte einheitliche Landesgeologie in Österreich. „Ich kann beruhigt das Haus übergeben“, sagt Heißel. Gunter Heißel wird dem Geoforum Umhausen als Präsident des Vereins Geoforum Tirol erhalten bleiben. „Ich hoffe, dass der Weg des Geoforums Umhausen noch lange nicht zu Ende ist. Mein Wunsch ist, dass das herbstliche Treffen in Umhausen nicht nur 2019 ein Fixpunkt im Kalender sein wird.“

Über Oberländer Rundschau

Die Oberländer Rundschau ist die regionale Wochenzeitung für die Bezirke Imst, Landeck, Reutte und Telfs im Tiroler Oberland.