Selbsthilfegruppe im Oberland

Birgit Wildenhain gründet Selbsthilfegruppe im Oberland. RS-Foto: Wagner

Birgit Wildenhain möchte Gruppe zum Thema „Depression und Burnout” einrichten

Depressionen und Burnout haben viele Ursachen, mindestens so vielfältig wie ihre Erscheinungsformen und Ausprägungen sind, so vielfältig sind die belastenden Lebensereignisse, die dahinterstehen. Hilfe zur Selbsthilfe ist ein Teil zur Krankheitsbewältigung und ein Schritt auf dem Weg zurück in ein Leben ohne Depression. Birgit Wildenhain möchte eine neue Selbsthilfegruppe im Oberland (Nassereith/Imst) starten. In einem Interview mit der RUNDSCHAU erklärte sie ihre Ambitionen und Ziele.

Von Bianca Wagner

RUNDSCHAU: Erklären Sie unseren Lesern in ein paar Sätzen, wer Sie sind und was ihre Aufgabe in der Selbsthilfegruppe „Depressionen und Burnout überwinden“ ist?

Birgitt Wildenhain: Ich arbeite als Psychologische Beraterin & Personal Coach und mein Anliegen ist es, betroffenen Personen zu helfen, einen Anlaufpunkt zu geben, ohne zu bewerten. Betroffene merken, da ist noch jemand.

 

RS: Was ist eine „Depression“ oder ein „Burnout“ und wie äußert sich dies?

Wildenhain: Burnout ist eine Erschöpfungsdepression, ausgelöst durch viel Stress, hohen Leistungsdruck, chronischen Krankheiten oder Sorgen. Besonders anfällig für ein Burnout sind Menschen mit einem sehr hohen Anspruch an die eigene Leistung.

Eine Depression hat oft etwas mit Erlebtem in der Vergangenheit zu tun, wie etwa ein Trauma. Es gibt verschiedene Erscheinungsformen einer Depression.

RS: Gibt es Warnzeichen oder Symptome für Menschen aus dem Umfeld eines Betroffenen?

Birgit Wildenhain: Die Anzeichen sind unterschiedlich. Oft leiden Betroffene an gedrückter Stimmung, Interesse- und Freudlosigkeit bei sonst angenehmen Tätigkeiten, Antriebslosigkeit, Ängsten, geringem Selbstwertgefühl, Schlafstörungen, Konzentrationsstörungen bis hin zu Suizidgedanken.

 

RS: Was leistet Ihre Selbsthilfegruppe? Was genau wird bei Ihnen angeboten?

Wildenhain: Wichtig hierbei ist die Hilfe zur Selbsthilfe sowie der Austausch mit Mitbetroffenen, um somit neue Wege zurück ins Leben zu finden. Die Wege verkürzen wie z.B. Anlaufstellen vermitteln, Hilfestellung bei Anträgen, Ärzte und Therapeuten finden. Wir möchten das Kreative mit einbringen und auf die Interessen der Betroffenen eingehen.

 

RS: Gibt es ein Netzwerk mit Profis mit dem Sie zusammenarbeiten und wie erfolgt diese Zusammenarbeit?

Wildenhain: Man sollte im besten Fall mit Familie, Ärzten, Klinik und Therapeuten zusammenarbeiten.

RS: Zur Zeit sind Sie ja in einer Gruppe in Innsbruck tätig. Sie werden in naher Zukunft auch die Selbsthilfegruppe Imst/Nassereith betreuen. Ab wann kann man diese besuchen und wo findet man sie?

Wildenhain: Ich möchte gerne zusätzlich zu der Gruppe in Innsbruck in einer Gruppe in Nassereith/Imst arbeiten. Diese wird bis spätestens April oder Mai in Nassereith zu finden sein. Gerne kann man mich bei Fragen unter der Tel. 0526520061 oder 06769303786 kontaktieren.

 

RS: Wie viele Plätze sind geplant und wie oft werden sich interessierte Menschen treffen können?

Wildenhain: Wir sind eine offene Gruppe. Jeder ist willkommen und kann zum Gruppentermin kommen.

 

RS: Welche Erfahrungen konnten Sie in Innsbruck sammeln bzw. wie haben diese Ihre Anschauungen verändert?

Wildenhain: Positiv ist, wenn viele Betroffene in die Selbsthilfegruppe kommen und die Gruppe ihnen weiterhilft. Jeder hat seine eigene Geschichte und es kann auch jeden treffen. Wenn Menschen gestärkt und mit neuem Selbstbewusstsein ihre Krankheit überwinden, haben wir viel gewonnen.

 

RS: Was raten Sie unseren Lesern, wie man Depressionen und Burnout vorbeugen kann?

Wildenhain: Man sollte mit Achtsamkeit arbeiten und leben, die eigenen Bedürfnisse spüren und auch einmal „Nein!“ sagen.

 

RS: Sie sind ehrenamtlich in dieser Position. Wie lange machen Sie dies schon und wie sind Sie dazu gekommen?

Wildenhain: Seit November arbeite ich in Innsbruck in einer Selbsthilfegruppe. Vorher absolvierte ich drei Jahre ein Studium als Psychologische Beraterin. Ich habe durch eigene Erfahrungen gemerkt, wie wichtig Hilfe zur Selbsthilfe ist.

 

RS: Was ist Ihr Motor für das Engagement in der Selbsthilfegruppe?

Wildenhain: Diese Erkrankung wird von der Gesellschaft nur schwer als Krankheit anerkannt. Es kann jeden in jeder Lebenslage treffen. Ich möchte den Menschen die Augen öffnen und sagen, dass sie nicht alleine sind.

 

RS: Wie wird die Diagnose erstellt? Wer erstellt sie? Wann sollten Betroffene Hilfe suchen?

Wildenhain: Die Diagnose kann der Hausarzt oder der Facharzt stellen. Auch wenn es viele Menschen eine große Überwindung kostet, sollte man nicht zu lange warten. Je früher eine Depression behandelt wird, desto glimpflicher verläuft sie in der Regel.

 

RS: Betroffene haben oft Angst, die Öffentlichkeit könnte von Ihren Problemen erfahren. Wie kann man jemandem helfen, seine Hemmschwellen zu überwinden und sich der Diagnose zu stellen?

Wildenhain: Man muß in der Öffentlichkeit, in Schulen etc. die Menschen sensibilisieren. Denn je aufgeklärter die Gesellschaft ist, desto leichter ist die Überwindung. Man kann betroffene Menschen begleiten und ihnen vorsichtig, auf gleicher Augenhöhe, Wege zeigen.

 

RS: Ist das Auftreten von Depressionen und Burnout im Vormarsch?

Wildenhain: Depressionen hat es immer schon gegeben. Durch die Anforderungen in der heutigen Gesellschaft mit Stress und Zeitdruck kann es schon sein, dass Depressionen und Burnout vermehrt auftreten.

 

RS: Welche Rolle spielen die veränderte, oft digitale Kommunikation und das Social Networking dabei?

Wildenhain: Es wäre schon wichtig, den Computer oder das Handy mal auszuschalten. Reale Treffen oder Aktivitäten fördern soziale Kontakte und verhindern, dass man irgendwann alleine ist. Echte Kontakte bringen sowieso mehr Freude ins Leben.

 

RS: Wie gehen Betroffene mit Ihrer Krankheit um?

Wildenhain: Eine Depression hat neben seelischen und körperlichen auch psychosoziale Auswirkungen. Es ist oft ein langer und schwerer Weg bis zur Genesung. Wenn Betroffene ihre Krankheit erkennen – Freunde und Familie an einem Strang ziehen – ist hier schon viel gewonnen.

 

RS: Welche Anlaufstellen außer der Selbsthilfegruppe gibt es?

Wildenhain: Es gibt Beratungsstellen für Angehörige und Betroffene, Fachärzte und Psychotherapeuten, Selbsthilfegruppen, Sozialverbände oder auch Organisationen rund um Depression.

 

RS: Was wünschen Sie sich für die Zukunft und was möchten Sie den betroffenen Menschen mit auf den Weg geben?

Wildenhain: Es ist mir ein großes Anliegen, dass alle betroffenen Menschen an sich glauben. Jeder hat seine Stärken und Talente. In der Selbsthilfegruppe können sie ihren Selbstwert wiederfinden, neue Kontakte und neue Wege finden und gestärkt die Krankheit überwinden. Die Gesellschaft sollte offen auf die betroffenen Menschen zugehen und ihnen auf gleicher Augenhöhe helfen. Ich wünsche mir mehr Unterstützung vom Land Tirol, weil wir mehr Anlaufstellen für Betroffene in ganz Tirol brauchen.

 

Anmeldung und Kontakt:

Birgit Wildenhain, 06769303786, birgit.wildenhain@gmx.net oder Selbsthilfe Tirol, 0512577198,
dachverband@selbsthilfe-tirol.at.

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Die Oberländer Rundschau ist die regionale Wochenzeitung für die Bezirke Imst, Landeck, Reutte und Telfs im Tiroler Oberland.