Sensationeller Fund beim Hornwerk auf Ehrenberg

Armin Walch zeigt Joachim Zeune (v.l.) stolz den Überraschungsfund auf Ehrenberg. Fotos: Architektur Walch und Partner

Neue Rekonstruktionsmöglichkeiten des barocken Portals eröffnen sich

1996 begannen die Sanierungsarbeiten am Festungsensemble Ehrenberg mit der Erneuerung des Dachstuhls der Ehrenberger Klause. Damit ist es nicht nur gelungen, dieses Kulturdenkmal zu erhalten, sondern es auch zu einem äußerst beliebten Ausflugsziel zu entwickeln. Als weiterer Schritt wird derzeit das Hornwerk am Schlossanger saniert. Der Sensationsfund hilft, wieder eine Lücke in der Historie des Festungsensembles Ehrenberg zu schließen.

Armin Walch, dem Geschäftsführer der Burgenwelt Ehrenberg, ist es gelungen, Fördermittel für die Sanierung und Inszenierung des 1730 erbauten Hornwerks zu lukrieren. In Zusammenarbeit mit der Regionalentwicklung Außerfern und dank der Mithilfe der EU, des Landes Tirol, der Marktgemeinde Reutte, des TVB Naturparkregion Reutte, der highline 179 und der Burgenwelt Ehrenberg konnte ein Leader-Projekt finanziert und mit der Umsetzung bereits gestartet werden.

Erkenntnisse und eine Überraschung. Bei Grabungen im  Zuge der Sanierungsarbeiten wurden Teile des originalen barocken Haupteingangsportals gefunden. Es ist geglückt, das untere Drittel des Eingangsportals freizulegen. Dank dieser Portalelemente wird es möglich sein, das barocke Eingangsportal zu rekonstruieren. Dr. Joachim Zeune, Burgenforscher aus dem Allgäu, war bei seinem Baustellenbesuch begeistert und sieht in der Idee, das Portal zu rekonstruieren einen absoluten Zugewinn für das gesamte Burgenensemble. Mit neuen Erkenntnissen konnte auch Historiker, Marktarchivar und Ortschronist Dr. Richard Lipp aufwarten. Schon zuvor war versucht worden, über einen Medienaufruf an alte Fotos zu gelangen, die eventuell  dieses alte Portal zeigen. Unter den Rückmeldungen war leider kein entsprechendes Bild dabei.
„Ich habe mich auch an der ,Portalsuche’ beteiligt und bin im Gemeindeamt im Trauungszimmer fündig geworden. Dort hängt nämlich ein Ölgemälde des Tiroler Malers Edmund von Wörndle, der um 1900 das Hornwerk mit der Ruine Ehrenberg bildlich festgehalten hat“, freut sich Richard Lipp, der Lösung des „Falles Portal“ nähergekommen zu sein. Er führt weiter aus, dass auf dem Bild wohl noch ein Teil des Gewölbebogens zu sehen sei, das barocke Portal aber damals bereits verschwunden war. Daraus kann geschlossen werden, dass es wohl keine Originalaufnahme des bestehenden Portals geben wird.
Da die Festung am Schlosskopf aus derselben Bauzeit (1730) stammt, können aus diesem Bestand Rückschlüsse auf die Typologie des Hornwerks gezogen werden.  Rekonstruktionsstudien werden in enger Kooperation mit dem Bundesdenkmalamt, DI Walter Hauser und DI Alexander Oberlechner angefertigt. Dabei soll eine größtmögliche Übereinstimmung mit dem ehemaligen Erscheinungsbild erreicht werden.
Armin Walch sieht in dieser Rekonstruktion eine gewaltige Aufwertung für das gesamte Hornwerk. Die Signalwirkung für die Besucher, dass hier einst die größte und wichtigste Grenzfestung im nördlichen Alpenraum bestanden hat, wird eindrucksvoll verstärkt werden. Wenn alles planmäßig läuft, die Genehmigungen des Denkmalamtes vorliegen und die Finanzierung über den Winter fixiert wird, kann bereits im Frühsommer 2018 das „neue, alte“ barocke Portal durchschritten werden.  In Zukunft sollen die Besucher in Form einer frei zugänglichen Ausstellung die Geschichte der Wehrtechnik im Wandel der Zeit näher  erfahren können. Ebenso bleiben die historischen Kanonenstellungen der Nachwelt erhalten.