Sexualstraftäter nach 18 Jahren verurteilt

Der Imster Anwalt Christopher Fink hat das Opfer vor dem Schöffengericht am Landesgericht Innsbruck vertreten und eine rechtskräftige Verurteilung des Sexualstraftäters erwirkt. RS-Foto: Schnöll

Oberländer (35) verging sich als Jugendlicher an seinem damals achtjährigen Cousin – nun stand er vor Gericht

„Die Mühlen des Gesetzes mahlen langsam, aber stetig“ – dieses Sprichwort trifft auf einen 35-jährigen Oberländer zu, der vor 18 Jahren als Jugendlicher seinen damals acht Jahre alten Cousin mehrfach missbraucht hat. Dienstag letzter Woche musste er sich am Landesgericht Innsbruck vor einem Schöffengericht wegen Unzucht mit Unmündigen und schwerer Nötigung verantworten. Der Angeklagte wurde rechtskräftig zu einer bedingten Freiheitsstrafe verurteilt. Der Verurteilte soll sich auch an seiner Cousine vergangen haben. Dieses Vergehen wird gesondert verfolgt, in diesem Fall gilt die Unschuldsvermutung.

Schnöll

Der Oberländer soll als Jugendlicher seinen damals achtjährigen Cousin im Kinderspielzimmer mehrfach missbraucht haben, während seine Mutter und die gemeinsame Großmutter nichts ahnend im Wohnzimmer bei einem Kaffee saßen. Der damals 17-Jährige verging sich damals nicht nur an dem kleinen Buben, er drohte ihm auch mit dem Umbringen, wenn er jemandem von den Vorfällen im Kinderspielzimmer erzählen sollte. Der Achtjährige vertraute sich aber dennoch den Angehörigen an. Diese sahen aber unter der Bedingung, dass sich der Jugendliche in Therapie begibt, von einer Anzeige ab. „Das Opfer selbst konnte die sexuellen Übergriffe seines Cousins psychisch nie verkraften und musste sich selbst in Therapie begeben. Vor einigen Monaten setzte er dann einen wichtigen und richtigen Schritt. Er suchte unsere Kanzlei auf und ließ sich beraten. Nach 18 Jahren wurde der Sexualstraftäter schließlich zur Anzeige gebracht“, schildert der Imster Anwalt Christopher Fink von der Kanzlei „Fink-Kolb Rechtsanwälte“.

„ER HÄTTE JA SCHREIEN KÖNNEN!“ Dienstag letzter Woche musste sich der heute 35-jährige Sexualstraftäter am Landesgericht Innsbruck vor einem Schöffengericht (Vorsitzender Richter Mag. Gerhard Melichar) verantworten. Der Angeklagte zeigte sich zwar teilgeständig, von Reue war aber nur wenig erkennbar. Mit Aussagen wie „Man ist jung, man ist dumm und versucht Sachen!“, „Er hätte ja schreien können!“ versuchte sich der Oberländer aus der Affäre zu ziehen. Das Schöffengericht verhängte angesichts einer älteren Verurteilung eine bedingt nachgesehene Zusatz-Freiheitsstrafe von neun Monaten Haft. Das Urteil ist rechtskräftig. „Dieser Fall ist aufgrund der seit der Tat verstrichenen Zeitspanne von 18 Jahren bemerkenswert. Die mehrfach novellierten Verjährungsbestimmungen bei Sexualdelikten gegen Minderjährige ermöglichen eine Strafverfolgung auch nach fast zwei Jahrzehnten. Nach der aktuellen Gesetzeslage beginnt die Verjährungsfrist bei minderjährigen Tatopfern sexueller Gewalt erst mit Vollendung von deren 28. Lebensjahr. Dem liegt der Gedanke zugrunde, dass Scham oder familiärer Druck oftmals Opfer von Anzeigen Abstand nehmen lassen. Opfer haben oftmals erst geraume Zeit später das Erlebte verarbeitet und genügend Kraft für eine Verfolgung der Täter“, erklärt RA Christopher Fink und er betont: „Die Verurteilung des Oberländers war wichtig. Wer weiß, was der Täter sonst noch angestellt hätte!“ Der Verurteilte soll übrigens selbst Vater eines Kindes sein.

Von Gebi G.

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