Sieg ohne Stimme

Liebe Freunde von Großparteien!

Es geschehen noch Zeichen und Wunder. Eben noch lag die SPÖ in Österreich darnieder. Bundesweit rutschten die Roten laut Umfragen sogar hinter die Grünen zurück. Und genau in dieser Phase schaffte ein gewisser Hans Peter Doskozil, Landeshauptmann im Burgenland, bei den Landtagswahlen die absolute Mandatsmehrheit. Der ehemalige Polizeipräsident und Verteidigungsminister liegt damit auf Augenhöhe mit Johanna Mikl-Leitner, die in Niederösterreich ebenfalls alleine regieren darf. Was vereint die beiden? Die schwarze Hanni war einst Innenministerin, der rote Hans Peter Chef der Landesverteidigung. Beide also für Sicherheit im Staat zuständig, was den Wählern scheinbar wichtig ist. Doskozil fuhr im Burgenland einen klar Kurs. Beim Thema Migration weit rechts, in der sozialen Frage für Einheimische deutlich links. Was vielen Anhängern von SPÖ-Chefin Pamela Rendi-Wagner missfiel, wurde inhaltlich im Süden unseres Landes zum Erfolgsfaktor. Letztlich war es eine Persönlichkeitswahl. Die Burgenländer wollten einen starken Mann. Mit Ecken und Kanten. Da war es egal, dass „Dosko“ erst kürzlich Frau und Töchter verließ und sich eine weit jüngere attraktive Deutsche anlachte. Was er sogar öffentlich inszeniert hat. Außerdem konnte der Landesvater nach zwei Stimmband-Operationen nur sehr eingeschränkt reden. Dass ein Politiker, der kaum ein Wort herausbringt, so viele Stimmen erhält, kommt einer Sensation gleich. Bei allen Nachteilen seiner Person. Doskozil war der richtige Mann zur richtigen Zeit am richtigen Ort. Und der 1,90-Meter-Bär zeigte auch nach der Wahl Emotionen. Mit nassen Augen kommentierte er, der jetzt das alleinige Sagen hat, seinen Sieg mit bemerkenswerter Selbstironie: „Ich bin sprachlos!“


Meinhard Eiter