Söldener Schutzprojekt

Bei der Spatenstichfeier am Rettenbach gaben Gebietsbauleiter Daniel Kurz, WLV-Sektionsleiter Gebhart Walter, Landeshauptmann-Stellvertreter Josef Geisler und der Söldener Bürgermeister Ernst Schöpf (v.l.) den offiziellen Startschuss für das Schutzprojekt. RS-Foto: Praxmarer

Rettenbach-Verbauung wird um acht Millionen Euro saniert

Nach Angaben von Vertretern der Wildbach- und Lawinenverbauung sei die Schutzwirksamkeit der Rettenbach-Verbauung aufgrund der Belastung der vergangenen Jahre aktuell nicht mehr gewährleistet. Um die Sicherheit des Söldener Siedlungsraumes bei Umweltkatastrophen aufrechtzuerhalten, soll die Verbauung ab Mitte Oktober umfassend saniert werden. Im Rahmen der vergangenen Spatenstich-Feier wurde über die geplanten Sanierungs-, Ergänzungs- und Erweiterungsmaßnahmen ausführlich informiert.

Von Anna Praxmarer

Der Rettenbach mündet direkt im Söldener Ortszentrum in die Ötztaler Ache ein. Er weist ein Einzugsgebiet mit einer Größe von 13,1 Quadratkilometern auf und wurde bereits seit dem frühen 20. Jahrhundert regelmäßig teilverbaut. Ein Blick in die Söldener Ereignischronik reicht, um sich des Gefahrenpotentials des Rettenbaches bewusst zu werden. Vermurungen bis ins Tal hinab, stark beschädigte Wohnhäuser, zerstörte Brücken und eingerissene Straßen zeugten in der Vergangenheit von dem signifikanten Unsicherheitsfaktor bei Naturkatastrophen.

Direkt im Söldener Ortszentrum mündet der Rettenbach in die Ötztaler Ache ein. RS-Foto: Praxmarer
Maßnahmen

Bachaufwärts wolle man nun Schritte für die Sicherung des Söldener Ortszentrums setzen. Geplant sind die Sanierung und Erweiterung der Unterlaufregulierung und der alten Gewölbesperre, die Errichtung einer Geschiebefiltersperre, der Neubau einer Sperrenstaffelung und der Neubau einer Hochwasserretentionsanlage. Das acht Millionen Euro teure Projekt wird zur Hälfte vom Bund und zu 15 Prozent vom Land Tirol kofinanziert. Für die restlichen 35 Prozent kommt die Gemeinde Sölden auf. Im letzten Jahr wurden allein in Tirol rund 31 Millionen Euro in den Schutz vor Wildbächen investiert.

Herausforderung

„Die vergletscherten Regionen haben sich in den letzten Jahrzehnten beträchtlich verändert. Es ist nicht mehr so wie etwa vor 50 Jahren. Zurzeit haben wir sehr viel Schmelzwasser im Frühjahr. Es gilt, die Situationen immer neu einzuschätzen“, gibt Gebhard Walter, Sektionsleiter der Wildbach- und Lawinenverbauung, Auskunft. Laut Bürgermeister Ernst Schöpf wolle man darauf achten, die Belastung der betroffenen Grundeigentümer durch eine rasche Vorgehensweise so kurz wie möglich zu halten. Auch die anstehende Niederwasserperiode erfordert es, noch im Herbst die ersten baulichen Maßnahmen zu ergreifen. „Der Gemeinderat hat einstimmig beschlossen, die saisonal bedingte Bausperre in diesem Fall aufzuheben“, so Schöpf. Die besonders dichte Besiedelung des Ortskerns stelle eine weitere Herausforderung im Ernstfall dar. Das primäre Ziel sei es daher, dass Wasser im oberen Bereich zurückzuhalten. Die Arbeiten werden voraussichtlich mindestens sieben Jahre in Anspruch nehmen.

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