Solo für Angelika Polak-Pollhammer

„Wortraum“-Autorin Angelika Polak-Pollhammer veröffentlicht mit einer Lesung in der Tyrolia Imst ihren ersten Lyrikband im „Alleingang“: „fiarn wind gnuag platz dazwischen“. RS-Foto: Bundschuh

„Wortraum“-Autorin veröffentlicht den Lyrikband „fiarn wind gnuag platz dazwischen“

Es ist ihr erstes Buch als Einzelautorin, das Angelika Polak-Pollhammer kürzlich in der Tyrolia Imst vorstellte und aus dem sie im Rahmen ihrer Lesung facettenreiche Lyrik vortrug. Bekannt wurde Polak als Mitautorin unter anderem von „Eppes Tuet Sig – Neue Tiroler Dialektgedichte“ – Annemarie Regensburger (Hg.)

Von Peter Bundschuh

Die Lesung war so gut besucht, dass nach Ausbeute sämtlicher Sitzgelegenheiten noch zwei hellgrüne Gartenklappsessel herhalten mussten, ein erfreulicher Anblick. Stadträtin Martina Frischmann übergab nach ihrer Begrüßung das Wort an „Wortraum“-Mitbegründerin, Schriftstellerin und Mentorin Annemarie Regensburger. Man durfte also gespannt sein. Regensburger bediente sich jedes einzelnen Wortes des Buchtitels „fiarn wind gnuag platz dazwischen“, um auf Angelika Polak-Pollhammer und ihren literarischen Werdegang einzugehen. Beispielsweise sei „dazwischen“ ein „Frauenwort“, denn im Leben von Frauen müsste so vieles eben dazwischen geschehen, zwischen Beruf, Haushalt, Kindererziehung, Angehörigenpflege und unterschiedlichsten Hilfestellungen. So passiert also oft auch das Schreiben als ein „Dazwischen“. Angelika Polak-Pollhammer schrieb vorerst allein für sich und in Schriftsprache, ging dann nach der Teilnahme an einem Workshop der Textwerkstatt an die Öffentlichkeit und fand über Annemarie Regensburger und Maria Koch zum Dialekt, einer Ausdrucksform, in der sie sich mittlerweile beheimatet fühlt und deren Akzente sie auch in Nuancen beherrscht. 2017 wurde Angelika Polak-Pollhammer mit dem erstmals ausgeschriebenen Karl-Pömer-Preis für neue Mundart (Stelzhammerbund) ausgezeichnet. Die Kriterien für den Preis sind unter anderem kritische, thematisch mutige Arbeiten, kantige Ausdrucksweise und Abkehr von Reimdichtung. Über ihre Arbeit als Lyrikerin hinaus ist Polak auch als Obfrau der Literaturplattform „Wortraum“ organisatorisch tätig.

Nische, aber mit Format.

Schon Literatur an sich ist nicht gerade ein „Massenmagnet“, dazu Lyrik, dazu Dialekt, dazu Sozialkritik, Kratzbürstigkeit und Thematisierung einer Frauenwelt weit ab von Glanz und Glamour, das bringt nicht die Quote eines Fußball-WM-Finalspieles. Trotzdem, das klare Bekenntnis zum Dialekt und zur neuen Dialektdichtung ist kultureller Auftrag nicht nur in Tirol, hier aber besonders. Denn im Unterschied zu Dialektdialogen, wie sie in epischen Werken wie Döblins „Berlin Alexanderplatz“ oder auch in urbaner Mundartlyrik, beispielsweise in Hellers „Die Sprache der Salamander“ gestalterisch eingesetzt werden, muss hierzulande erst einmal „ausgekehrt“ werden. Gemeint ist die Sprache des Volkes vom Nachgeschmack des Blut-und -Boden-Genres oder im leichteren Fall von „in Muaters Stübele Behaglichkeit“ zu entstauben. Auskehren und Staubwischen, beides übrigens „klassische“ Frauenarbeiten. Dem Dialektgebrauch in der Literatur der heimischen Moderne (und Postmoderne) ist eine unverkrampfte Selbstverständlichkeit (wieder) zu geben und Dialekt auf Augenhöhe mit dem Hochdeutschen zu heben. Im Beackern dieses recht steinigen Bodens haben sich die Oberländer „Wortraum“-Literatinnen schon einiges an Verdiensten aus dem harten Fels kratzen können.

Sunnwend.

Weil Abschied in der Gedankenwelt der Autorin eine wesentliche Rolle spielt und weil das Gedicht haargenau in die Jahreszeit passt: Wieder um // drahnt der tag // iaz // brauchsch d winterjackn // nimmer verramen // weil // s werd wieder finschter // und kalt // hoffentlig hasch // gnuag holz // vor der hittn

Mehr als Umrahmung.

Das musikalische Programm zur Buchpräsentation von „Auditory Message Unplugged“ fügte sich nahtlos in den Leseabend ein. Für die junge Viererformation war es ein gelungenes Band-Debut-auf hohem Niveau: Lorenz Polak (Gesang), Marius Haid (Cajon) sowie Simon Lerchbaumer und Jakob Ruetz an den Gitarren.

Mehr von Angelika Polak-Pollhammer.

Zusammen mit Annemarie Regensburger schrieb die Autorin das zeitgeschichtlich thematisierende Buch „Ehe der letzte Schornstein fällt. Südtiroler Familien und ihr fremdes Zuhause“. 2016 folgte „Eppes Tuet Sig – neue Tiroler Dialektgedichte“, gemeinsam mit Maria Koch und Ingeborg Schmid-Mummert (siehe oben). Der Band „Reifes Korn keimt aufs Neue. Psalmen neu interpretiert“ wurde von den „Wortraum“-Autorinnen gemeinsam veröffentlicht. Dazu kommen zahlreiche Beiträge in namhaften Literaturzeitschriften.

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Die Oberländer Rundschau ist die regionale Wochenzeitung für die Bezirke Imst, Landeck, Reutte und Telfs im Tiroler Oberland.