Sommerbilanz: Wieder mehr Bergtote in Tirol

Bilanzierten den Alpinsommer. V.l. Alpinpolizeichef Viktor Horvath, Kuratoriumpräsident Karl Gabl und Tirols Bergrettungsleiter Hermann Spiegl. RS-Foto: Schnöll

61 Bergtote, 2018 waren es um zwölf weniger – Punktgenaue Ortung von Personen mit neuer „SOS-EU-Alp-App“ 

Das „Kuratorium für alpine Sicherheit“, Alpinpolizei und Bergrettung zogen am Dienstag vergangener Woche Sommerbilanz: Und diese ist gar nicht erfreulich ausgefallen. Im Zeitraum vom 1. Mai bis 29. September sind 61 Menschen ums Leben gekommen, das sind um zwölf Todesopfer mehr als im Beobachtungszeitraum des Vorjahres. Auch die Anzahl der Verunglückten und der Unfälle hat stark zugenommen. 

Die Unfallzahlen für den Sommer liegen nun vor. 61 Menschen sind heuer in Tirol bei Unfällen in freier Natur ums Leben gekommen, 1.014 Personen sind verunglückt, die Anzahl der Unfälle liegt bei 983. Zum Vergleich: 2018 waren es 49 Tote, 994 Verunglückte und 970 Unfälle. Das Zehn-Jahres-Mittel weist für unser Bundesland 53 Todesopfer, 789 Verunfallte und 762 Alpinunfälle auf. Die meisten Unfälle gab es heuer beim Bergwandern mit 544 verunfallten, das sind gegen dem Beobachtungszeitraum 2017 um zehn Prozent mehr. „Bei dreißig Prozent der Verunfallten ist ein Sucheinsatz erforderlich, der Wandersport ist salonfähig, wie die Statistik zeigt“, erklärte Karl Gabl, der Präsident des „Österreichischen Kuratoriums für Alpine Sicherheit“, bei der Präsentation der Sommerbilanz 2019. Hauptursache für Unfälle im alpinen Gelände sind Herz-Kreislauf-Probleme, Sturz, Stolpern und Ausrutschen. Aber auch den Witterungsbedingungen nicht angepasste Tourenplanung bzw. das Tourenziel tragen verstärkt zu Einsätzen bei. „Zuletzt wurde das beim Spaltensturz im Bereich der Wildspitze mit einem Toten und fünf verletzten Bergsteigern einmal mehr bestätigt“, so Gabl. Er rät: Wer unerfahren ins hochalpine Gelände will, sollte sich einen Bergführer nehmen, wer öfters ins Gebirge will, sollte sich einem alpinen verein anschließen.

VORZEIGEMODELL SÖLDEN. Viktor Horvath, Chef der Tiroler Alpinpolizei, sieht den Grund für die steigenden Unfallzahlen in den ständig steigenden Nächtigungsziffern. Auf die Unfallbilanz habe sich auch der schneereiche Jänner ausgewirkt. „Der Schnee ist in vielen Gebirgsregionen lange liegen geblieben, in den Monaten Mai und Juni sind bei Bergwanderungen viele Menschen auf Schneefeldern ausgerutscht und teils verunglückt“, weiß Horvath. Bergrettung-Landesleiter Hermann Spiegl spricht von Hotspots wie Sölden, Innsbruck, Mayrhofen und Lienz, wo bis zu vier Einsätzen am Tag mit ehrenamtlichen Bergrettern nur schwer abzuarbeiten sind. Die meisten Einsätze werden laut Tirols Bergrettungschef am Ende einer schönwetterperiode bzw. am ersten Tag nach einer Schlechtwetterperiode registriert. Steigende Tendenz weisen auch die Eisnätze nach Unfällen auf Loipen, in Klettersteigen und in Bikeparks auf. „Diese beliebten Freizeiteinrichtungen werden zwar stark beworben, die Bergrettung wird zum Beispiel bei dichtem Nebel nicht darüber informiert, dass dort jemand unterwegs ist“, sagt Spiegl. Im Bikepark in Sölden mussten heuer zum Beispiel mehr als 70 Einsätze abgearbeitet werden. „Dort funktioniert der Bergrettungsdienst bestens, weil der TVB hauptberufliche Bergretter finanziert und im Bikepark am Morgen und am Abend Sicherheitskontrollen durchgeführt werden!“ 

NEUE NOTFALL-APP. Heuer im Sommer ist auch die Zahl der Sucheinsätze markant angestiegen. Bei Schönwetter wird meistens mit dem Hubschrauber gesucht, bei Schlechtwetter ist die Lage oft dramatisch, weil man nicht weiß, wo mit der Suche überhaupt begonnen werden soll. Mit der neuen „SOS-EU-Alp-App“ kann die Position des bzw. der Vermissten ziemlich punktgenau ausgemacht werden. Die App, die eine Weiterentwicklung der Bergrettungsnotfall-App ist, funktioniert derzeit in Tirol, Südtirol und Bayern. Beim Absetzen eines Notrufs  über die App werden automatisch die Positionsdaten an die zuständige Leitstelle in einem der drei Länder übermittelt. Zudem wird eine Sprachverbindung aufgebaut.  „Eine App für Millionen“, freut sich Kuratorium-Präsident Karl Gabl. Alpinpolizist Viktor Horvath empfiehlt Personen, die alleine zu einer Tour aufbrechen, einen Google- oder Apple-Acount einzurichten und die Zugangsdaten (Mailadresse, Passwort) einer Vetrauensperson zu überlassen. Mithilfe des Accounts kann im Ernstfall die Position des Vermissten bestimmt werden.