Sonne + Schnee = Freude

Ein großer Trupp Bergretter sucht mit Sonden nach Verschütteten. RS-Fotos: Chauvin

– Doch birgt diese Kombination auch große Gefahren

Reges Interesse beim Vortrag des Alpenvereins – „einer rief und viele kamen“. Mag. Michael Larcher, Leiter der Abteilung Bergsport im Österreichischen Alpenverein, referierte sehr eindrucksvoll über ein äußerst wichtiges Winterthema – Lawinen.

„Sicher am Berg – aus Lawinenunfällen lernen“ war der Titel des fast drei Stunden langen Vortrags und Anschauungsunterrichts. In diesem Lawinen-update 2016 zeigte der versierte Bergführer den weit über 200 Interessierten Verhaltensregeln auf, die vom Alpenverein in seinen vielfältigen Kursen und Ausbildungsangeboten aktuell gelehrt werden. So wie auch Taucher einen Tauchschein oder Paragleiter eine Lizenz erwerben, bevor sie ihren Sport betreiben, ist es für Wintersportler, die Skitouren, Freeride oder Schneeschuhwandern ausüben, ein Muss und kann lebensrettend sein, ein entsprechendes Know-how und Erfahrung im Schnee zu haben. Unterwegs sein im winterlichen Gebirge, abseits gesicherter Pisten, erfordert ein enormes Wissen.
„Ausbildung im Schnee macht Spaß! Du lernst, dich auf eine Tour vorzubereiten, den Lawinenlagebericht zu interpretieren und dein Tourenziel den Verhältnissen anzupassen. Du lernst, auf der Grundlage einfacher Faustregeln, Entscheidungen zu treffen, Hangneigungen abzuschätzen und eine sichere Spur anzulegen. Du lernst, deine Notfall-ausrüstung mit Airbag, LVS, Sonde und Schaufel richtig anzuwenden, um effektiv Hilfe leisten zu können. Dies und noch vieles mehr wird in den Schulungen gelehrt“, so Larcher an diesem Abend.
Er sprach über Prävention und den Notfall, über Lawinengefahren und Lawinenkunde und gab anhand von Diagrammen Auskunft über die Anzahl der Lawinentoten in Österreich, dabei war die Zahl der Verunglückten in Tirol immer am höchsten. Auch eindrucksvolle Bilder und Kurzvideos von Lawinenabgängen zeigte er, wobei besonders die riesige Gewalt der furchtbaren Naturereignisse erschreckte. Durch gute Ausbildung und Ausrüstung, der korrekten Einschätzung von Gefahren und der eigenen Kapazitäten solle die Zahl der Lawinentoten langfristig halbiert werden können. Natürlich liege die Entscheidung, wieviel Risiko er oder sie eingehen will, bei jedem Einzelnen. Ein durchaus zutreffendes Motto sei der Ausspruch des Dalai Lama: „Lerne die Regel, damit du sie richtig brechen kannst.“ Diese Punkte seien für die Wintersportler besonders zu beachten: nur gesund und fit in die Berge, sorgfältige Tourenplanung erarbeiten, nur mit vollständiger Ausrüstung gehen, Lawinenlagebericht beachten, Lawinenrisiko abwägen, Pausen einlegen und auf Orientierung achten, Abstände einhalten, Stürze vermeiden, in kleinen Gruppen fahren und Res-pekt für die Natur haben.
Der Cardfolder, in Scheckkartengröße für den Geldbeutel oder die Innentasche am Skianzug geeignet, „Stop or Go © & Notfall Lawine“, in dem alles Wissenswerte zur Vermeidung von Lawinenunfällen, zur Entscheidungsfindung sowie Standardmaßnahmen für Planung und Gelände zu finden ist, kann unter www.alpenverein.at/shop bestellt werden.
Die aktuellen Notrufnummern und worauf es bei der Meldung ankommt: Europa 112, Alpinnotruf Österreich 140, Italien 118, Schweiz 1414, Frankreich 15 – und: was – wo – wieviele – Wetter – Sicht.

Von Claudia Chauvin

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Die Oberländer Rundschau ist die regionale Wochenzeitung für die Bezirke Imst, Landeck, Reutte und Telfs im Tiroler Oberland.