SP-Dornauer: „Habe nie an Rücktritt gedacht!“

LA Georg Dornauer ist durch den Rücktritt von Elisabeth Blanik als SP-Landesparteivorsitzende an der Spitze der neuen SPÖ Tirol angekommen. Ein „sexistischer Sager“ hat allerdings den SPÖ-Chefsessel ordentlich ins Wackeln gebracht .Foto: zeitungsfoto.at

LA Dornauer ist designierter Vorsitzender der neuen SPÖ Tirol – Seine Politwelt ist allerdings in Schräglage geraten

Montag vergangener Woche zog sich Elisabeth Blanik als Vorsitzende der neuen SPÖ Tirol zurück und übergab ihr Amt interimsmäßig an ihren Stellvertreter und Sellrainer Bürgermeister, LA Georg Dornauer. Kurz darauf tauchte in Sozialen Netzwerken ein Video auf, mit dem Dornauer Sexsismus angekreidet wird. Bei SPÖ-Bundeschefin Pamela Rendi-Wagner und noch anderen SP-Politikerinnen ist Dornauer in Ungnade gefallen. Ob er beim nächsten SPÖ-Landesparteitag zum Landesparteivorsitzenden gekürt wird, ist fraglich. Dornauer stellt am kommenden Montag im Parteivorstand die Vertrauensfrage. Trotz seiner in Schräglage geratenen parteipolitischen Situation stellte sich Dornauer einigen Fragen von RUNDSCHAU-Redakteur Gebi G. Schnöll

RUNDSCHAU: Vor einigen Tagen von Elisabeth Blanik interimsmäßig die Landesparteiführung übernommen, kurz darauf wegen eines Ihnen angekreideten sexistischen Sagers bei Bundes-SPÖ-Chefin Pamela Rendi-Wagner in Ungnade gefallen. Kritische Stimmen aus der Bundes-SPÖ und Rücktrittsforderungen auch aus dem ÖVP-Lager. Sind Sie an der Spitze der neuen SPÖ Tirol schon angezählt?

SPÖ-Landesparteivorsitzender Georg Dornauer: Nein. Ich habe eine missverständliche Aussage getätigt, die mir so nicht mehr passieren wird. Meine Entschuldigung folgte umgehend. Das habe ich auch innerhalb der Landespartei erklärt. Die Genossinnen und Genossen stehen hinter mir!

RS: Hegen bzw. hegten Sie Rücktrittsgedanken?

Dornauer: Auf meinen Fehler und die folgende ÖVP-Hetzjagd hin kamen hunderte Unterstützungserklärungen: An mich und die Partei. Ich habe nie an einen Rücktritt gedacht!

RS: Auf Facebook schreiben Sie von drei spannenden Tagen: „Meine politische Ziehmutter Elisabeth Blanik ist zurückgetreten, und der Landesparteivorstand hat mich auf ihren Vorschlag hin zum geschäftsführenden Vorsitzenden gewählt. Und auch mein Vater hat völlig selbstlos einen Schritt zur Seite gemacht!“ Mit dem Schritt zur Seite ist der Rückzug von Georg Dornauer sen. als SP-Landesgeschäftsführer gemeint. Meine Frage: War der Abgang von Elisabeth Blanik als Vorsitzende der neuen SPÖ Tirol intern schon länger geplant oder kam er für Sie überraschend?

Dornauer: Elisabeths Rückzug war ebenso geplant, wie überraschend. Sie hat nie ein Geheimnis daraus gemacht, dass sie keine Langzeitvorsitzende sein möchte. Trotzdem war ich überrascht, als ich vor rund drei Wochen als Erster von ihrem Vorhaben erfahren habe. Wir haben dann rasch und konsequent die notwendigen Schritte vorbereitet und die Vorsitzendenrochade umsichtig, schnell und fehlerfrei durchgeführt.

RS: Hat der Schachzug, Elisabeth
Blanik als Nachfolgerin von Ingo Mayr zu bestellen, der neuen SPÖ Tirol heuer nach der Landtagswahl eventuell die Chance auf eine Regierungsbeteiligung geraubt?

Dornauer: Nein. Mit Elisabeth Blanik an der Spitze hat die neue SPÖ Tirol eine Wahl gewonnen. Das ist die Grundvoraussetzung, um überhaupt regierungsfähig zu sein: Man muss die Tirolerinnen und Tiroler überzeugen!

RS: Die SPÖ befindet sich derzeit auf Bundes- und Landesebene nicht gerade in einem Hoch. Was ist da in den vergangenen Jahren Ihrer Ansicht nach schiefgelaufen?

Dornauer: Ich bin kein Mensch, der sich zu lange mit der Vergangenheit beschäftigt. Wir haben am Wochenende einen fulminanten Bundesparteitag absolviert, ein neues Grundsatzprogramm beschlossen und die erste weibliche Parteivorsitzende in 130 Jahren SPÖ gewählt. Wir gehen jetzt nur noch in eine Richtung: Nach vorn…!

RS: Vorausgesetzt, Sie werden zum Landesvorsitzenden der neuen SPÖ Tirol bestellt, was wollen Sie in Tirol verändern?

Dornauer: Ich will das Leben der Tirolerinnen und Tiroler verbessern. Da braucht es verschiedene Maßnahmen: Die SPÖ kämpft Seite an Seite mit der Gewerkschaft für höhere Löhne im Land und faire Arbeitsbedingungen. Eine funktionierende Kinderbetreuung ist wiederum Grundvoraussetzung für gute Arbeit, deshalb wollen wir in diesem Bereich deutlich mehr investieren. Das Grundrecht Wohnen muss in Tirol wieder leistbar werden und die Pflege ausfinanziert werden – das hat sich unsere ältere Generation einfach verdient. Wir haben als SPÖ die Lösungen schon parat, doch unter Schwarz-Grün verändert sich im Land nichts!

RS: Welche Strategien verfolgen Sie bis zur Landtagswahl 2023?

Dornauer: Politik ist kein Schachspiel, sondern ein Dienst an der Bevölkerung. Meine „Strategie“, wenn man so will, ist, dass ich landesweit jedem Tiroler und jeder Tirolerin so offen und ehrlich begegne, wie ich das bisher in einem kleineren Rahmen getan habe. Ich nehme die Hoffnungen, Wünsche und Sorgen der Bevölkerung ernst, und versuche ihr Leben zu verbessern.

RS: Vor den Landtagswahlen 2013 hat der damalige Tiroler SP-Chef Gerhard Reheis lauthals angekündigt, dass er Landeshauptmann werden will. Wollen Sie das 2023 auch werden?

Dornauer: Mit Verlaub: Ich habe vor gerade zehn Tagen den Parteivorsitz der neuen SPÖ Tirol übernommen. Da bleibt keine Zeit für Hirngespinste, jetzt geht’s an die Arbeit!

RS: Im Oberland gibt es brisante Themen bzw. Projekte, die von der Politik in nächster Zeit aufzuarbeiten bzw. zu realisieren sind. Zum Beispiel: Fernpass- und Tschirgant-Tunnel sowie der doppelgleisige Bahnausbau von Ötztal-Bahnhof bis Landeck. Wie stehen Sie dazu?

Dornauer: Volle Unterstützung für den doppelgleisigen Ausbau von Ötztal-Bahnhof bis Landeck! Am Fernpass sieht es so aus: Wir wollen keine zweite Transitroute in Tirol. Durch einen Scheiteltunnel würden hunderte LKW mehr rauschen. Wir wollen dieses Verkehrsproblem umweltverträglich mit einem Bahntunnel lösen.

RS: Derzeit wird heftig über den Zusammenschluss der Skigebiete Hoch-Oetz und Kühtai über die Feldringerböden diskutiert. Auch der geplante Zusammenschluss der Skigebiete Ötztal-Pitztal sowie die Skischaukel St. Anton-Kappl werden noch zu mehreren Diskussionen führen. Sind diese Projekte aus Ihrer Sicht sinnvoll oder nicht?

Dornauer: Diese Projekte muss man sich einzeln und im Detail anschauen. Für den Zusammenschluss von Ötztaler und Pitztaler Gletscher gibt es seitens der SPÖ Tirol ein klares „Ja!“, er ist umweltverträglich, wirtschaftlich sinnvoll und wirkt verkehrsentlastend. Andere Projektwerber haben teils noch keine genauen Konzepte vorgelegt, das kann man noch nicht beurteilen. Sinnvolle und umweltverträgliche Skigebietszusammenschlüsse müssen jedenfalls möglich sein.

RS: Wie stehen Sie zum Thema „Ausbau der Wasserkraft“?

Dornauer: Von der neuen SPÖ Tirol und Georg Dornauer gibt es ein klares „Ja“ zum Ausbau der Wasserkraft. Unter Schwarz-Grün wurde dahingehend leider in sechs Jahren kein Projekt umgesetzt – es gibt nur Werbekonzepte. Ich habe mich in diesem Sommer in Zürich vom Energieträger Wasserstoff überzeugen lassen – so kann Strom auch gespeichert werden. Voraussetzung zur Gewinnung von grünem Wasserstoff ist die Wasserkraft. Ein kombinierter Ausbau ist da ganz im Sinne der Tiroler Bevölkerung!

RS: Danke für das nette Gespräch!.