Speck der Zukunft statt Nostalgieproduktion

Die stattlichen Dimensionen des neuen Handl-Baus wirken von außen, durch die ästhetische Gebäudeplanung, gar nicht so enorm. Befindet man sich jedoch im Inneren der Gebäudehülle, werden die Ausmaße erst so richtig deutlich. RS-Foto: Parth

Karl Christian Handl präsentierte mit seinem Team das neue High-Tech-Gebäude in Haiming

„Wir schaffen jetzt tragfähige Strukturen für die nächsten Generationen“, hebt Karl Christian Handl hervor: „Es geht darum, dem internationalen Wettbewerb standhalten zu können, leistungsfähig zu sein und den Speck der Zukunft zu produzieren!“ Eine Betriebsführung durch die Hallen des Handl-Areals in Haiming ließ tief blicken.

Von Thomas Parth

GF Karl Christian Handl macht das Tiroler Speckunternehmen zukunftsfit. RS-Foto: Parth

Die Standorte von „Handl Tyrol“ in Südtirol, Pians und Schönwies würden kaum mehr Spielräume bieten und anstatt ein Flickwerk zu fabrizieren entschied sich die Firmenleitung für einen Neubau in Haiming. Die Standortwahl war bekanntlich „knackig“ und die Jahrhundertchance wurde hier genutzt. Die nötige Verlegung einer Hochspannungsleitung war nur dadurch möglich, weil die Tiwag nach 45 Jahren eine Turbine des Kaunertalkraftwerks tauschte und das ganze Kraftwerk „abdrehte“, gibt sich Karl Christian Handl mit dem aktuellen „Platzl“ sehr zufrieden, da hier noch Erweiterungsmöglichkeiten für Verpackung oder Logistik bestehen. Zunächst wolle sich das Unternehmen erst einmal konsolidieren. „Kaufmännisch muss man das erst einmal verschnaufen“, so Handl: „Auch die Mitarbeiter sind in Wahrheit seit vier Jahren Tag und Nacht erreichbar, bis das Ding endlich steht.“

60 Arbeitsplätze – vorerst.
Die Personen am Ende des Ganges scheinen zu verschwinden. RS-Foto: Parth

In der ersten Phase, wenn die Produktion im April startet, werden rund 60 Arbeitskräfte bei Handl-Haiming im Ein-Schicht-Betrieb tätig sein. „Die Kantine ist auf 350 bis 400 Personen ausgelegt“, gibt der Tiroler Speckproduzent gerne Auskunft über die weiteren Entwicklungsmöglichkeiten. Die Job-Bewerbungsphase ist bereits abgeschlossen. Rund zwei Drittel der Belegschaft ist neu und ein Drittel kommt kurzfristig aus den Standorten Pians oder Schönwies verstärkend hinzu.

Speck passt ins Ernährungskonzept.

Handl setzt auf ein Umdenken, welches speziell im Ernährungsbereich bereits bei weiten Bevölkerungsschichten eingesetzt hat: „Die Margarine-Lobby hat den Kampf verloren.“ Gemeint ist die Verteufelung der tierischen Fette. „Eine Extrawurst weist doppelt so viel Fett auf wie Tiroler Speck. Speck ist fettärmer als Salami. Unser Produkt ist am Stück gewachsen und nur durch Salz, Gewürz, Rauch, Luft und Zeit veredelt. Auch können wir eine Jahrhunderte andauernde Geschichte mitliefern“, bricht Handl eine Lanze für sein Qualitätsprodukt: „Wir benötigen keine Farbstoffe, kein Glutamat oder andere Geschmacksverstärker und wir kommen ohne Flüssigrauch in der Produktion aus.“

Erfinderisch.
Im Bild: GF Josef Wechner mit GF Karl Christian Handl und Projektleiter Matthias Salner (v.l.). Foto: Handl

In der aktuell modernsten Speckproduktion Europas halten künftig miteinander kommunizierende Roboter Einzug. Die sogenannten FTS (fahrerlosen Transportsysteme) sehen aus wie die Hulkbuster-Version eines Staubsaugroboters. „Das sind Spezialentwicklungen, die unsere Speckregale von einer Station zur nächsten transportieren“, plaudert Handl gern aus dem Nähkästchen seines Entwickler-Teams. So wurden Regale aus der Fischverarbeitung adaptiert, Anleihen aus der Fliesen-Produktion genommen und das Ganze so energiesparend wie möglich umgesetzt. Obendrein erfüllt der Standort Haiming internationale Hygienevorschriften, was auf neuen Exportmärkten gern gesehen wird.

Eckdaten zum Handl-Standort in Haiming

Der neue Produktionsstandort in Haiming bildet die Basis für ein gesundes und generationenübergreifendes Unternehmenswachstum. Der Unternehmenshauptsitz wird auch in Zukunft in Pians beheimatet sein. Dort wird in Zukunft die Rohwurstproduktion ausgebaut sowie die Kleinserien- und Manufaktur-Spezialitätenproduktion stattfinden. Am Logistikstandort in Schönwies werden sämtliche Verpackungsdienstleistungen inklusive Logistik durchgeführt. In Schönwies befindet sich das zentrale Lager. Am Südtiroler Standort in Naturns wird weiterhin der Südtiroler Markenspeck (Südtiroler Speck g.g.A.) hergestellt. Gebäudedaten – Gesamtfläche des Areals: 8,8 Hektar. Umbauter Raum: ca. 230000 m3. Nutzfläche des Gebäudes: ca. 20000 m2. Summe an Plänen: ca. 1000 (ohne Werk- und Montagepläne). Aushub gesamt: 100000 m3 oder 210000 t. Verarbeiteter Stahl: 1000 t. Verbaute Holzmenge: 2850 m3.