Sperrstunde für Flüchtlingsheim Oberperfuss?

Das Flüchtlingsheim in Oberperfuss soll geschlossen werden. Eine Pro-Flüchtling-Initiative will die Verlegung der Asylwerber verhindern. RS-Foto: Schnöll

TSD will die 45 Flüchtlinge in anderen Unterkünften unterbringen – Bürgerinitiative fordert den Erhalt des Asylheimes

Das Flüchtlingsheim in Oberperfuss wird vorerst nicht geschlossen. Das bestätigte am vergangenen Donnerstag bei einem Runden Tisch der interimistische Leiter der Tiroler Sozialen Dienste (TSD), Florian Stolz. Auch für die Asylheime in Telfs, Zirl und am Seefelder Plateau soll es derzeit wegen der meist langfristigen Mietverträge mit den TSD keine Schließungspläne geben. 

Seit bekannt wurde, dass das in einem ehemaligen Gasthof untergebrachte Flüchtlingsheim in Oberperfuss geschlossen werden soll, gehen bei einigen Dorfbewohnern die Wogen hoch. Auch bei Elisabeth Schatz, die sich seit 2015 mit noch etlichen anderen Freiwilligen um die in der Flüchtlingsunterkunft untergebrachten Familien und alleinstehenden Männer kümmert. „45 Asylwerber sind es derzeit, die auf einen Bleibestatus hoffen. Obwohl die Flüchtlinge am Dorfleben teilnehmen, Deutsch lernen und die Kinder der asylwerbenden Familien die Schule besuchen, soll das Flüchtlingsheim geschlossen werden. Das darf nicht sein, deshalb setzen wir uns mit aller Vehemenz für den Erhalt der Flüchtlingsunterkunft ein. Es nützt niemandem etwas, wenn diese Menschen, die Schreckliches durchgemacht haben, durch die Verlegung in andere Heime ständig entwurzelt werden“, sagt die Oberperfer Pensionistin, die aber betont, dass man nicht darauf aus sei, mit den TSD und der zuständigen Landesrätin Gabriele Fischer einen Konflikt auszutragen, sondern um eine gemeinsame, konstruktive Lösung bemüht sei. „Gerade das Flüchtlingsheim in Oberperfuss ist von der Größe her ideal. Es braucht kleinstrukturierte Unterbringungsmöglichkeiten und keine Massenlager, in denen durch Lärm und Stress erzeugte Konflikte unter den Asylwerbern geradezu vorprogrammiert sind. Außerdem kostet die Verlegung der Flüchtlinge in andere Unterkünfte auch wieder Geld. Die Leute, die bei uns da sind, müssen einfach anständig behandelt werden“, fordert Schatz.

SCHLICHTE UNTERKUNFT. Die vier Familien und die alleinstehenden Männer im Flüchtlingsheim Oberperfuss leben nicht gerade in Luxus. Die Familien müssen mit einer Wohnküche und einem Zimmer das Auslangen finden, die Männer bewohnen in kleinen Gruppen Einzelzimmer. „Wir haben die Erfahrung gemacht, dass den Dorfbewohnern meistens ein anderes Bild von den Asylwerbern vermittelt wird, wenn man sie bei diversen Veranstaltungen antrifft oder wenn sie für wenig Geld für die Gemeinde gemeinnützige Arbeiten verrichten. Sie halten Wege und Straßen sauber, helfen bei Festen mit und verrichten noch andere Arbeiten, das ist ein Gewinn für alle im Dorf“,  schildert Elisabeth Schatz. Sollte das Flüchtlingsheim in Oberperfuss tatsächlich geschlossen werden, soll das ihrer Ansicht nach erst geschehen, wenn die laufenden Asylverfahren abgeschlossen sind und die Asylantenkinder die Volksschule abgeschlossen haben. Für zwei Familien wurde der Traum, in Österreich zu bleiben, bereits wahr. „Eine Familie lebt bereits in einer Privatwohnung in Oberperfuss, für die andere Familie, die erst kürzlich den positiven Bleibescheid erhalten hat, wurde ebenfalls eine Wohnung gefunden. Das Problem ist allerdings, dass das Angebot an Wohnungen im Dorf nur spärlich ist“, weiß Schatz, und sie spricht auch an, dass es im Dorf viele kritische Stimmen gibt, die gehört werden sollen: „Es ist halt nicht alles lustig!“

RUNDER TISCH. In der Causa Flüchtlingsheim fand am vergangenen Mittwoch im Gemeindeamt ein Runder Tisch statt, an dem neben den Vertretern der freiwilligen Asylantenbetreuer auch VS-Direktor Markus Ostermann, der interimistische TSD-Leiter Florian Stolz, TSD-Heimleiterin Ingrid Jenewein und Bürgermeisterin Johanna Obojes-Rubatscher teilnahmen. „Die Gesprächsrunde war sachlich, alle Beteiligten waren um eine konstruktive Lösung bemüht. „Für mich ist die Situation zwiespältig: Zum einen bin ich um das  Wohl der Flüchtlinge in unserem Dorf bemüht, zum anderen muss ich aber auch für die kritischen Bürger Verständnis aufbringen. Ich hoffe, dass eine für alle Beteiligten zufriedenstellende Lösung gefunden werden kann“, so Dorfchefin Obojes-Rubatscher gegenüber der RUNDSCHAU. Florian Stolz kann nicht sagen, wie lange die Flüchtlingsunterkunft in Oberperfuss noch offen bleibt. „Ich gehe aber davon aus, dass das noch einige  Monate der Fall sein wird!“ Auch für die Flüchtlingsheime in Scharnitz, Reith, Leutasch, Zirl und Telfs gibt es laut Stolz derzeit keine Schließungspläne. Er macht aber keinen Hehl daraus, dass jeden Monat zwei bis drei Unterkünfte geschlossen werden: „Es gibt mehr Abschiebungen und freiwillige Rückkehrer als positive Bescheide und auch die Ankünfte sind rückläufig!“

Elisabeth Schatz kämpft um den Erhalt der Flüchtlingsunterkunft. RS-Foto: Schnöll