Stadt- und Ortsbildschutz

Wanderausstellung in den Räumlichkeiten der Marktgemeinde Reutte

Die Architekturausstellung „Kontinuität und Wandel“ wurde vergangene Woche in den Räumen der Marktgemeinde Reutte eröffnet. Seit 1976 gibt es in Tirol ein Stadt- und Ortsbildschutzgesetz (SOG), womit die Landesregierung dem dringenden Wunsch der Bürgerschaft nach Erhalt und Pflege ihrer historisch gewachsenen Städte und Dörfer entsprach. 

Die vertraute Umgebung der Straßen, Plätze und Häuser stiftet Identität und Heimat. Mit dem SOG soll neben dem notwendigen Wandel die Kontinuität des Alten gewährleistet werden. Zu diesem Zweck wurde ein sogenannter „Sachverständigenbeirat (SVB)“ als gutachterliches Organ eingesetzt, um bei Sanierung und Erhalt die finanzielle Förderung gesetzlich zu verankern. Diesem Beirat gehört für Reutte Gemeinderat Ernst Hornstein an. Neben Reutte (seit 1985) existieren in Tirol zwanzig sogenannte Schutzzonen, die Altstädte, gründerzeitliche Viertel und dörflich geprägte Ortskerne (u.a. Innsbruck, Kitzbühel, Kufstein, Lienz, Rattenberg) umfassen. Aus der Sicht von Reuttes Bürgermeister Alois Oberer braucht Ortsbildentwicklung Regeln, die eingehalten werden sollten, damit kein „Wildwuchs“ entsteht. „Für unsere Marktgemeinde mit ihren vielen historischen Bauten braucht es aus meiner Sicht Richtlinien, auch wenn ich mir manchmal die Frage nach der Sinnhaftigkeit zu diesem Thema gestellt habe“, sagte er bei der Eröffnung. Besonders Ernst Hornstein als Vertreter im SVB habe sich im Laufe der Zeit diesbezüglich einiges anhören müssen, da sich die Begeisterung der Bevölkerung in Grenzen hielt. Er gab auch zu bedenken, dass nicht die Notwendigkeit der Schutzzone kritisiert wurde, sondern vielmehr die zeitweise unverständliche Vorgangsweise. Gute Kommunikation und Einhaltung der Spielregeln würden immer wieder für alle Seiten verträgliche Lösungen bringen. „Längerfris-tig gesehen sind die „Schutzzonen“ ein gutes und brauchbares Instrument für eine positive und konstante Entwicklung des Ortsbildes“, stellte Oberer fest. Für Landeskonservator Walter Hauser sind „Schutzzonen“ kulturell nachhaltige Dimensionen, die immer schwerer zu vermitteln sind, da sie sich im Spannungsbereich zwischen Wirtschaft und Heimat bewegen. „Es gilt jedoch, einen verträglichen Bogen zu spannen zwischen dem Gestern, dem Heute und Morgen“, betonte Hauser. Ähnlich äußerte sich auch Ernst Hornstein als Mitglied des SOG-Beirats: „Die im Jahre 1985 eingeführte Schutzzone in Reutte hat zwar immer wieder zu Diskussionen geführt, jedoch sind die Ergebnisse der Bemühungen im Beirat heute sehr deutlich im Reuttener Ortsbild abzulesen.“ Zwar hätten sich die Rahmenbedingungen in den letzten Jahrzehnten mehrfach verändert und für ihn sei es nicht immer einfach gewesen, Entscheidungen in der Gemeinde oder gegenüber dem Bauherrn zu vertreten. Jedoch sehe er große Vorteile in dem System SOG, da den Bauherren nicht nur kostenlose Experten zur Seite gestellt werden, sondern auch bestmögliche Lösungsansätze bei anstehenden Gestaltungsfragen, im Kontext mit schützenswerten Bereichen angeboten und meist auch gefunden werden. Die Wanderausstellung unter dem Aspekt Stadt- und Ortsbildschutz im Marktgemeindeamt ist bis 20. Dezember zu den üblichen Amtsstunden zu sehen.

Von Uwe Claus

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