Stolzes Alter

Bürgermeister Luis Oberer und das Kommando der Freiwilligen Feuerwehr Reutte sind stolz auf den runden Geburtstag. Fotos: Feuerwehr Reutte

Freiwillige Feuerwehr Reutte feiert 150. Geburtstag

Feuer lehrte die Menschen von je her das Fürchten. Da Gebäude früher meist aus Holz und enganeinander errichtet waren, breiteten sich Brände mit Windeseile aus. Haushalte waren in früheren Zeiten verpflichtet, einen Feuereimer vorrätig zu haben. Im alten Reutte waren diese Feuereimer aus Leder gefertigt und mit dem Wappen der Gemeinde gekennzeichnet. Mit diesen Eimern wurde im Brandfall Wasser aus der „Ritsche”– einem natürlichen durch den Markt laufenden Gerinne – entnommen und über eine Menschenkette zum Brandherd gereicht.

1867 war es ein Großbrand beim Anwesen Schlux in der Kög, der die Erkenntnis brachte, dass es eine ausgebildete Einheit braucht, um solchen Katastrophen Herr zu werden.e
Am 3. Februar 1867 wurde der erste Feuerwehrverein in Reutte gegründet. Beitreten durfte jeder, der sich bereit erklärte, für mindestens drei Jahre beim Verein zu bleiben und die Statuten zu befolgen. Der Feuerwehrverein unterstand der Gemeinde, der Bürgermeister hatte im Brandfall das oberste Kommando. Der  Verein bestand aus einer Dienstmannschaft, die vom Mitgliedsbeitrag befreit war und einem Kassa-Verein. Drei mit Signalhörnern ausgerüstete „Signalisten” mussten im Brandfall sofort zur Verfügung stehen. Einer arbeitete dann direkt mit dem Vereinsvorstand zusammen, die beiden anderen gaben im Ober- und im Untermarkt Feuersignale und meldeten den Brand dem Bürgermeister. Bald kam es jedoch zu Unstimmigkeiten mit der Gemeindeführung und bereits ein Jahr nach Gründung wurde der Feuerwehrverein aufgelöst.

Turner auf, es brennt, es brennt! 1868 wurde die Turner-Feuerwehr ins Leben gerufen. Allerdings entzündete sich  schon bald wieder ein Konflikt zwischen dem neuen liberalen Gedankengut des Turnwesens und der konservativen Marktführung. Die Turnerfeuerwehr war um eine vierte Abteilung – die der Werkleute (Einreißer, Aufräumer und Leiterträger) erweitert worden. Auch die heute noch erhaltene Vereinsfahne aus dem Jahr 1869 geht auf eine Initiative der Turner-Feuerwehr zurück. Die Meinungsverschiedenheiten mit der Gemeindeführung konnten jedoch nicht beigelegt werden und auch dieser Verein wurde schon 1871 wieder aufgelöst.

Neue Statuten. 1872 wurden abermals neue Statuten mit dem Zweck erlassen, theoretisch und praktisch gut geschulte Feuerwehrmänner heranzubilden. Schnelle und erfolgreiche Hilfeleistung bei Brandgefahr sollte damit gewährleis-tet sein. Die Ausbildung war straff, um nicht zu sagen militärisch organisiert: „Die ordentlichen Mitglieder unterziehen sich einer militärischen Organisation und einer einfachen Uniformierung; diese besteht aus einer Blouse von dunklem Tuche oder Loden ohne Aufschlag, einem Helm als Kopfbedeckung für die Steiger und einer schwarzen Schildkappe mit dem Marktwappen versehen für die übrige Mannschaft”, war schriftlich und für jedermann lesbar festgehalten. Erstmals durften nicht nur Bürgersöhne, sondern auch Zugezogene mit gutem Ruf zur Feuerwehr beitreten. Um tüchtige Steiger auszubilden wurde 1873 ein eigener Turnverein gegründet. Als Steiger musste man körperliche Belastungen aushalten und sich auf schwankenden und hohen Leitern bewegen können. Zum Wahlspruch der „vier F” – frisch, fromm, fröhlich, frei” – gesellte sich die christliche Gesinnung „Gott zur Ehr’, dem Nächsten zur Wehr!” Bei der Feuerwehr fanden Männer über alle gesellschaftlichen und weltanschaulichen Grenzen hinweg zusammen.
Die Neuorganisation von 1872 hatte bis 1939 Bestand, dann wurde diese Feuerwehr von den Nationalsozialisten aufgelöst und erhielt die Stellung einer Hilfspolizeitruppe.
Neugründung und Jubiläum. Nach den Kriegsjahren folgte die Neugründung des Vereines und 2017 kann schließlich mit Stolz der 150. Geburtstag der Freiwilligen Feuerwehr Reutte gefeiert werden.

Heiteres aus vergangenen Tagen. Am 13. März 1873 berichtete der „Tiroler Bothe” über eine Heldentat aus Reutte. Zwei Feuerwehrmänner – ein Liberaler und ein Klerikaler – waren nach einer durchzechten Nacht am Unsinnigen Donnerstag in Streit geraten. Heftig diskutierend traten sie zu später Stunde den Heimweg an, stritten auf der Straße laut weiter und hörten plötzlich die Glocke am Turm der Klosterkirche läuten. Das konnte nur Feueralarm bedeuten! Plötzlich wieder einig und voller Pflichtbewusstsein stürmten beide die Stufen des Gemeindeamtes empor, um dort mit der Magistratsglocke Alarm zu schlagen.
Was beide nicht bedachten, war die Uhrzeit: die Kirchturmglocke hatte nämlich nicht zum Feueralarm geläutet, sondern lediglich um vier Uhr morgens die Franziskanerpatres zum  „Ave Maria”  gerufen.

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Die Oberländer Rundschau ist die regionale Wochenzeitung für die Bezirke Imst, Landeck, Reutte und Telfs im Tiroler Oberland.