Streit um Kostenexplosion

Alt-Bgm. Helmut Kofler (l.) wehrt sich gegen die Vorwürfe seines Nachfolgers. Bgm. Bernhard Achenrainer: Helmut Kofler hat aber die zweite Quellfassung auf eigene Faust weitergebaut. RS-Fotos: Tiefenbacher, Haueis

376.000 Euro Mehrkosten bei Trinkwasserprojekt in Tösens – Schuldfrage wurde heftig diskutiert

Das Trinkwasserprojekt in Tösens war ursprünglich mit 457.000 Euro veranschlagt, kostet jetzt aber fast doppelt so viel. Die Schuldfrage wurde in der jüngsten Gemeinderatssitzung heftigst diskutiert.

Ein zu hoher Arsengehalt im Tösner Trinkwasser zwang die Gemeinde Tösens aktiv zu werden. Ursprünglich war die Idee, die Quellfassungen mit einem Trinkwasserkleinkraftwerk zu verbinden. Es wurden sieben Projektvarianten ausgearbeitet. Der Tösner Gemeinderat konnte sich für diese Idee nicht erwärmen und ließ sie fallen. Die Gemeindeparlamentarier entschieden sich, die Arsenbelastung mit einem Quellfassungsprojekt, bei dem die Vorderen Schlantenquellen erschlossen werden, zu beheben. Daraus wurde nun die Problembaustelle „Tösner Trinkwasserprojekt“. Die Errichtung des Bauwerks wurde deutlich teurer als gedacht, die Kos-ten liegen nun bei 833.000 Euro, dabei hat man der ausführenden Firma einen Betrag von 149.000 Euro bereits weggestrichen. Also liegt unterm Strich eine Kostenüberschreitung von 376.000 Euro vor.

 

RECHTFERTIGUNG. Der Gemeinderat war sich schnell darüber einig, dass diese Kostenüberschreitung mit neuen Darlehen finanziert wird. Ausgiebiger wurde über die Schuldfrage diskutiert. Dabei zeigte sich, wie verkorkst momentan das Klima im Tösner Gemeinderat ist. Der Hauptgrund für die davongelaufenen Kosten stellt sich aus Sicht von Alt-Bgm. Helmut Kofler so dar: Dass es aufgrund der geologischen Verhältnisse schwierig sei, habe man gewusst. Weil das ausführende Unternehmen nicht sorgfältig und wie ausgeschrieben gearbeitet habe, sei es zu Schäden gekommen. „Es wurden Sofortmaßnahmen notwendig. Es ging auch darum, die Wasserversorgung sicher zu stellen. Das ist alles dokumentiert“, sagte Kofler. Er habe damals dem ausführenden Unternehmen gegenüber gesagt, dass diese Arbeiten von der Gemeinde nicht abgegolten würden, weil diese nicht ausschreibungsgerecht ausgeführt worden seien. „Auch dazu gibt es Protokolle und Aktenvermerke“, betonte Kofler. Man habe von der neuen Gemeindeführung die Mehrkosten ohne sein Wissen zugestanden. „Mich hat niemand kontaktiert. Es geht offensichtlich nur darum, mir die Schuld in die Schuhe zu schieben. Dies ist eine Haftungsfrage und ist mit der Versicherung abzuklären“, so Kofler. Der Alt-Bürgermeister forderte die Einholung der Meinung eines unabhängigen Dritten. „Damit wären die Forderungen abzuwehren“, meinte Kofler. Mit der Vorgangsweise der neuen Gemeindeführung ist Kofler nicht einverstanden. Er werde Beschwerde gegen die Beschlüsse einreichen.

 

SCHULDZUWEISUNG. Die Gründe für die explodierenden Kos-ten liegen für Bgm. Bernhard Achenrainer auf der Hand. Sein Vorgänger, Alt-Bgm. Kofler, habe die Arbeiten nicht eingestellt. „Der Bauleiter hat einen Baustopp angeordnet. Helmut Kofler hat aber die zweite Quellfassung auf eigene Faust weitergebaut. Das geht aus einem Protokoll hervor“, betonte Bgm. Achenrainer und fügte einen Nachsatz hinzu: „Auch die Druckrohrleitung hätte es nicht gebraucht.“ Klar sei, dass die Gemeinde Tösens die Rechnungen zu bezahlen habe. „Dem ist so. Ich habe die Sache juris-tisch prüfen lassen. Und diese Prüfung hat ergeben, dass die Gemeinde Tösens eben bezahlen muss“, erklärte Achenrainer. Und auch die Frage, ob es sich hier um einen Versicherungsfall handle, sei beantwortet: „Mir wurde die Auskunft erteilt, dass es für Schäden, um welche es sich hier handelt, keine Versicherung gibt“, sagte Achenrainer und erhob noch einen Vorwurf gegenüber Kofler: „Er hat den Gemeinderat nie über die Sache informiert.“

 

Von Herbert Tiefenbacher

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