Streit um Schaftauftrieb

Der Streit in Tösens um die Ausübung des Weiderechts mit Schafen und Ziegen auf den Almen könnte vor dem Richter landen (Symbolbild). RS-Foto: Tiefenbacher

Gemeinde Tösens droht Schafbauern mit Anwalt

„Wenn in der Gemeinde jeder tut, was er will, werden wir ein Problem bekommen“, schimpft der Tösner Bürgermeister Bernhard Achenrainer. Er kritisiert jene vier Bauern, die heuer ihre Schafe und Ziegen unerlaubterweise auf Tösner Gemeindealmen aufgetrieben haben.

Der Tösner Gemeinderat ordnete an, dass heuer auf die Tösner Almen keine Schafe und Ziegen aufgetrieben werden dürfen. Weil sich die vier besagten Bauern an die Anweisung nicht hielten, bekamen sie eine Aufforderung, ihre Tiere bis 3. Juli abzutreiben, ansonsten würden rechtliche Schritte gegen sie eingeleitet. Der neue Tösner Dorfchef nannte die Verhaltensweise des Quartetts in der jüngsten Gemeinderatssitzung vergangenen Donnerstag inakzeptabel. Diese hinzunehmen, sei man von Seiten der Gemeinde nicht bereit. Achenrainer betonte, „auf den Almen muss grundsätzlich Platz für jeden sein, aber es muss eine gewisse Ordnung sein“. In diesem Zusammenhang verwies er auf den Almbewirtschaftungsplan, der von der Agrarbehörde ausgearbeitet werde. Bgm. Achenrainer unterstrich dann nochmals, dass nicht jeder tun könne, was er wolle.

RECHTSWEG BESCHREITEN. Angesichts des Nichtreagierens der vier Bauern plädierte Bgm. Bernhard Achenrainer für folgende Vorgangsweise: Zunächst werde man mit den betreffenden Parteien zusammensitzen und dabei im Gespräch einen Vergleich anvisieren. Bleibt dieser Versuch ergebnislos, werde man mit einem Anwalt den Rechtsweg beschreiten. Der Tösner Gemeinderat stimmte dieser Vorgangsweise mit einer Enthaltung und einer Gegenstimme zu.

GELDVERGEUDUNG. Gemeindevorstand Helmut Kofler bezeichnete die Beauftragung eines Rechtsanwaltes mit der Sache als beschämend. „Das ist doch alles reine Geldvergeudung“, kritisierte Kofler. Man müsse sich zunächst fragen, welches Vieh überhaupt das Recht habe, auf der Alm zu sein. „Wenn man das tut, müsste ein Drittel der Rinder wieder heruntergeholt werden und dann haben die Schafe alle Platz“, meinte Kofler und betonte nachdrücklich, dass die Weiderechte ganz klar seien. Bgm. Achenrainer konterte: „Es geht nicht nur um Rechte, es geht auch um den Auftriebszeitpunkt und Gesetze. An diese muss man sich halten, wir leben doch in einem Rechtsstaat.“ Kofler erwiderte: „Auch die Gemeinde hat sich an Gesetze zu halten.“

VERHANDLUNGSBEREIT. Nach der Sitzung signalisierte Thomas Schranz, einer der betroffenen Schafbauern, seine Verhandlungsbereitschaft, stellte aber eines klar. „Früher wurden immer Schafe zu den Almen aufgetrieben“, sagte Schranz und fügte hinzu: „Da waren noch viel mehr Schafe und Rindviecher droben als heute und da kam man auch ganz ohne Zaun aus.“

Von Herbert Tiefenbacher

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