Strenger Winter bittet Jägerschaft zur Kasse

Heuer liegt in den Bergen weit mehr Schnee, als das Symbolbild zeigt. Das Leben vieler Gämsen und Rehe hat der strenge Winter bisher gefordert. Foto: pixabay.com

Viele Wildtiere durch extreme Schneefälle qualvoll verendet – BJM Messner: „Jäger sind an ihre Grenzen gestoßen!“

Die extremen Schneefälle im Jänner dürften der Jägerschaft große Verluste gebracht haben. Viele Gämsen, Rehe und Geweihträger dürften von den Schneemassen begraben worden oder verhungert sein.  „Wir befürchten das Schlimmste“, bringt es Bezirksjägermeister Thomas Messner zum Ausdruck. Bei den Gämsen werden im Jagdbezirk Innsbruck-Land jetzt schon 145 Stück Fallwild gezählt, beim Rehwild (ohne Verkehrsunfälle mit Wildbeteiligung) liegt die Zahl bereits bei rund 500 Stück. Messner ist sich sicher, dass der Plafond noch längst nicht erreicht ist. „Genauere Zahlen wird es erst im Juni nach der Schneeschmelze geben!“

„So extrem, wie die Natur heuer im Jänner gespielt hat, wird das ein heftiger Schlag, der die Jägerschaft hart treffen wird“, prophezeit Bezirksjägermeister Thomas Messner beim RUNDSCHAU-Gespräch. Meterhoch ist in den Bergen und höheren alpinen Lagen die Schneedecke. „Das Wild steckte während der extremen Schneefälle im Tiefschnee fest, insbesondere für Gämsen und Rehe gab es kein Durchkommen in sichere Waldgebiete oder zu den Futterstellen. Wir müssen auf das Schlimmste gefasst sein. Bei der Erstellung des Abschussplanes für das  kommende Jagdjahr muss die Behörde besonders bei der Vorschreibung von Abschüssen beim Gamswild rücksichtsvoll umgehen. Denn erst im Mai oder Juni wird man wissen, wie die Situation tatsächlich ist“, so Messner. Für den Abschussplan an der BH Innsbruck wird ab jetzt die neue Referentin Sarah Köpfle zuständig sein. „BH-Stellvertreter Wolfgang Nairz ist ins Landhaus gewechselt. Das tut mir sehr leid. Er hat Handschlagqualität und unter seiner Amtszeit waren die Behördenwege kurz. Ich hoffe, dass das auch bei seiner Nachfolgerin so sein wird.“

ZU UNRECHT AM PRANGER. Den Jagdpächtern, Berufsjägern und anderen Jagdausübenden zollt er großen Respekt. „Die Fütterung der Wildtiere kostete in den vergangenen Wochen nicht nur  viel Geld, die Jäger waren auch zeitlich und körperlich bis an ihre Grenzen gefordert. Manchmal erfolgte die Wildfütterung sogar unter Lebensgefahr“, weiß der Bezirksjägermeister. In einem Jagdgebiet im Karwendelgebirge gibt es sogar einen Berufsjäger, der sich während der Extremschneefälle in der Jagdhütte des Jagdreviers einschneien ließ, um das Wild schnellstmöglich  füttern zu können. „Die Jägerschaft wird immer wieder an den Pranger gestellt. Der Idealismus und die Leidenschaft, mit denen die Jäger das Waidwerk ausüben, werden ignoriert. Ich würde mir mehr Anerkennung für die Jägerschaft wünschen“, richtet Messner an die Adresse der ständigen Nörgler aus den Reihen der Land- und Forstwirtschaft.

NASSSCHNEELAWINEN NICHT UNTERSCHÄTZEN. Die Situation in den hochalpinen Lagen ist für Mensch und Tier immer noch gefährlich. „Die Nassschneelawinen dürfen nicht unterschätzt werden. Es werden auch im Frühjahr noch Gämsen ums Leben kommen. Die Jägerschaft muss nicht nur diesen Schaden aus der eigenen Tasche bezahlen, auch  die Reperatur von Hochsitzen, die vergangenen Herbst durch Sturmböen schwer beschädigt wurden, und die Fütterung kosten viel Geld. Die Jägerschaft musste in diesem Winter viel für Heu und Silage ausgeben, und auch das Kraftfutter für das Rehwild hat enorme Summen gekostet. Es ist gar nicht mehr so einfach, in Tirol hochqualitatives Heu zu erhalten. Dieses muss vielfach im benachbarten Bayern oder Vorarlberg besorgt werden“, schildert Messner. Er betont auch, dass die Jägerschaft gemeinsam mit dem Maschinenring eine Initiative plante, um die Wildfütterungen mit hochwertigem Heu aus Tirol versorgen zu können. „Schade, diese Kooperation ist bisher leider nicht zustande gekommen!“

VIELE GÄMSEN UND REHR TOT. Bis dato wurden im Jagdbezirk Innsbruck-Land 145 Stück Fallwild bei den Gämsen und 500 Stück Fallwild bei den Rehen gemeldet. „Beim Rehwild sind die im Straßenverkehr getöteten Tiere noch nicht mit eingerechnet. Im Schnitt sind das 200 Stück pro Jagdjahr“, erläutert Messner.

BJM Messner: „Jäger stoßen in den Revieren an ihre Grenzen!“ Foto: Archiv/privat