Studienzentrale bringt therapeutische Vorteile

Von der Studienzentrale des Krankenhauses St. Vinzenz wurden in den letzten 13 Jahren mehr als 50 Studien betreut. RS-Foto: Archiv

Krankenhaus St. Vinzenz: Überlebensrate der Oberländer Krebspatienten steigt kontinuierlich an

 

Das Oberland hebt sich in puncto Krebserkrankungen nicht vom Rest Tirols ab. Von Vorteil ist aber die Studienzentrale am Krankenhaus St. Vinzenz in Zams, wo in den letzten Jahren 50 Studien betreut wurden. Davon profitieren auch die Patienten.

 

Von Daniel Haueis

 

Der Jahresbericht des Turmorregisters Tirol liegt vor, in dem alle Krebsfälle in Tirol im Jahr 2015 dokumentiert und ausgewertet wurden. Im Oberland ist wie in ganz Tirol Prostatakrebs die häufigste Neuerkrankung, gefolgt von Brustkrebs, Lungenkrebs, Melanom und Darmkrebs, weiß Prim. Univ.-Prof. Dr. Ewald Wöll, ärztlicher Direktor des Krankenhauses St. Vinzenz in Zams und Leiter der Internen Abteilung. Die Bezirke Landeck und Imst sind im Tumorregister weder in puncto Häufigkeit noch in Sachen Sterblichkeit auffällig. Vom Team des Tumorregisters Tirol selbst werden im Oberland die Lungenkarzinomrate bei Frauen in Imst (+50%) und beim Prostatakarzinom im Bezirk Landeck die erhöhte Mortalität als relevante Abweichung eingestuft. Prim. Wöll wertet diese als statis-tisch signifikant, die klinische Relevanz sei hier jedoch nicht eindeutig. Aber: „Grundsätzlich ist Vorsorge und Nicht-Rauchen jedoch für jeden Menschen empfehlenswert“ (s. auch „Wie kann man vorbeugen?“).

 

FÜNFJAHRESÜBERLEBENSRATE 65 PROZENT. „Die ‚Fünfjahres-Überlebensrate‘ nach Diagnosestellung hat sich mittlerweile auf 65 Prozent gesteigert“, stellte Gesundheitslandesrat Bernhard Tilg anlässlich des Weltkrebstages am 4. Februar erfreut fest – mit anderen Worten: Fünf Jahre nach einer Krebsdiagnose leben im Schnitt noch rund zwei Drittel der Patienten. Diese Rate gilt auch für die Bezirke Landeck und Imst. „Bemerkenswert ist, dass wir in den jährlichen Ergebnissen eine Verbesserung der Fünfjahres-Überlebensrate um 1–2% pro Jahr feststellen. Dies gilt auch für die Bezirke Imst und Landeck“, hebt Wöll den weiteren Anstieg der Überlebensrate hervor. Das hat wohl auch mit den verbesserten therapeutischen Möglichkeiten zu tun: Jeden Mittwoch findet das interdisziplinäre Tumorboard entsprechend den Vorgaben der österreichischen Gesellschaft für Hämatologie und Onkologie statt. „Dieses Tumorboard funktioniert seit 2005 perfekt, besonders die Kooperation im Sinne einer Telekonferenz mit der Strahlentherapie in Innsbruck ist hier hervorzuheben“, sagt Wöll – die Zammer Fachleute besprechen via Konferenzschaltung mit Bild die aktuellen Fälle.

 

STUDIENZENTRALE. Was die medikamentöse Therapie betrifft, gibt’s eine rasante Entwicklung: Es werden fast monatlich neue therapeutische Optionen angeboten. Die Studienzentrale des Krankenhauses St. Vinzenz tut ihr Übriges dazu: Seit 2005 wird durch den Verein für Tumorforschung eine Stelle finanziert, die sich komplett der Studienadministration widmet (s. „Verein für Tumorforschung“). „Nur dadurch ist die Durchführung von nationalen und internationalen Studien sowie frühen Zugangsprogrammen und Registern möglich. In den letzten 13 Jahren wurden hier mehr als 50 Studien auf diese Art und Weise betreut“, kann Ewald Wöll verkünden. Derzeit werden in „St. Vinzenz“ klinische Studien u.a. zu Brustkrebs, Lungenkrebs, Dickdarmkrebs, Magenkrebs und Knochenmarkskrebs durchgeführt. Durch die Teilnahme an (inter-)nationalen Studienprojekten wird Patienten die Möglichkeit geboten, modernste therapeutische Anwendungen bereits vor der Zulassung zu erhalten. Sie profitieren zudem, weil Patienten, die im Rahmen von Studien behandelt werden, in puncto Nebenwirkungen und Wirkungen noch exakter kontrolliert werden.

 

NEUE BRUST-OP-METHODE. Aber nicht nur medikamentös, sondern auch chirurgisch sind Neuerungen zu berichten: Besonders bemerkenswert ist die von Primar Univ.-Doz. Dr. Peter Sandbichler weiterentwickelte Methode der Brustkrebsoperation mit gleichzeitigem Aufbau mit körpereigenem Gewebe. Bei dieser Technik wird der gesamte oder ein Großteil des Brustdrüsenkörpers samt bösartigem Tumor unter der Haut entfernt. Der Defekt wird mit dem sogenannten „großen Netz“, einem gut durchbluteten Fettlappen, der am Magen hängt, aufgefüllt. „Der Vorteil im Vergleich zu anderen Rekonstruktionsmethoden ist, dass die Brust samt Brustwarze in ihrer Form wiederhergestellt wird, sodass in den meisten Fällen kein Unterschied zu erkennen ist. Auch die Konsistenz ist meist völlig natürlich“, sagt Sandbichler. Bisher wurden am Krankenhaus Zams 65 Patientinnen mit dieser Methode operiert.

 

 

Verein für Tumorforschung

Der Verein für Tumorforschung betreibt neben klinischer Forschung, Fortbildung und Lehre auch qualitätssichernde Maßnahmen sowie Maßnahmen zur Unterstützung der Lebensqualität von Krebspatienten. Ewald Wöll weist besonders auf die Mitunterstützung der Donatori-Konzerte in der Tagesklinik oder auf das einjährige Pilotprogramm für intensivierte diätologische Beratung für Krebspatienten im Rahmen der onkologischen Tagesklinik hin.

 

 

Wie kann man vorbeugen?

Die Bundesregierung weiß es vielleicht nicht, Prim. Wöll schon: „Nicht nur für den Lungenkrebs, sondern auch für viele andere Krebsarten ist Nicht-Rauchen die beste Vorbeugung. Patienten, die rauchen, profitieren, wenn sie zu rauchen aufhören.“ Darüber hinaus empfiehlt der Internist regelmäßige Bewegung im Sinne eines Ausdauertrainings und ausgewogene Ernährung sowie Normalgewicht als hilfreiche Vorbeugemaßnahme. Und: „Vorsorgemaßnahmen sollten angenommen werden.“ Dazu zählen die Brustkrebsfrüherkennung durch regelmäßige Mammographie, die regelmäßige hautärztliche Kontrolle und die gynäkologische Untersuchung sowie die Darmspiegelung ab dem 50. Lebensjahr für nicht Risikopopulation. Durch letztere kann nicht nur eine Früherkennung, sondern auch die Verhinderung einer Krebserkrankung erreicht werden (durch Entfernung von Vorstufen – Polypen). „Nicht zuletzt dadurch ist der deutliche Rückgang der Dickdarmkrebserkrankung zu erklären“, weiß Wöll.

Primar Univ.-Prof. Dr. Ewald Wöll: Die Fünfjahres-Überlebensrate beträgt im Oberland wie tirolweit 65 Prozent und verbessert sich jährlich um 1 bis 2 Prozentpunkte. RS-Foto: Archiv
Primar Univ.-Doz. Dr. Peter Sandbichler: Brust samt Brustwarze in ihrer Form wiederherstellen, sodass in den meis-ten Fällen kein Unterschied zu erkennen ist. RS-Foto: Archiv