„Telfer Lebensebenen“ im Behördenvisier

Die „Telfer Lebensebenen GmbH“ und ein Restaurant sind im ehemaligen „Tirolerhof“ untergebracht. RS-Foto: Schnöll

LVwG muss entscheiden, ob die „Senioren-WG“ ein Altersheim ist oder nicht – Wenn ja, droht eventuell das Aus

Seit Oktober vergangenen Jahres werden im ehemaligen „Tirolerhof“ in der Bahnhofsstraße in Telfs vom Personal der „Telfer Lebensebenen GmbH“ ältere Menschen mit Demenz betreut, zudem wurde ein Gastronomiebetrieb eingerichtet. Über dem Haus sind jetzt allerdings dunkle Wolken aufgezogen. Beim Land Tirol glaubt man nämlich, dass es sich bei der „Senioren-WG“ um ein Heim im Sinne des Tiroler Heimgesetzes handelt, bei der „Telfer Lebensebenen GmbH“ ist man da anderer Ansicht. Die beiden Geschäftsführerinnen Dorothee Wagner und Petra Perkmann fühlen sich schikaniert und gingen jetzt, begleitet vom Telfer Anwalt Stephan Opperer, auf Konfrontationskurs über. 

Eine E-Mail mit drei „Aufforderungen zur Überprüfung“, die an die Adresse vom Telfer Bürgermeister Christian Härting gerichtet sind, wurde vergangenen Mittwoch von RA Stephan Oppperer auch mehreren Redaktionen übermittelt. Die beiden „Telfer Lebensebenen GmbH“-Geschäftsführerinnen Petra Perkmann und Dorothee Wagner deklarieren sich in den drei Schreiben an den Maktgemeindechef als besorgte Bürgerinnen. In einem Schreiben heißt es, „dass in den Altersheimen der Gemeinde Telfs mehrfach das Medikament ‚Seroquel‘ verabreicht wird“. Dieses Medikament stelle in den meisten Fällen einen ungerechtfertigten Freiheitsentzug dar. Darum die Aufforderung an Bürgermeister Christian Härting, „als Verantwortlicher Überprüfungen zu veranlassen und gegebenenfalls Maßnahmen zu ergreifen“. In einem weiteren Schreiben an Härting zeigen sich Perkmann und Wagner darüber besorgt, weil in den meisten Telfer Gasthöfen die Brandschutzbestimmungen nicht eingehalten werden sollen. Zitat: „Fluchtüren gehen nach innen auf, bzw. sind nicht zertifiziert…“ Im dritten Schreiben an  den Marktgemeindechef äußern die beiden Damen Bedenken über einen Gemeinderatsbeschluss vom 4. Mai 2017. Ein ehemaliger Gastronomiebetrieb in Telfs-Mösern soll nämlich trotz des Gemeinderatsbeschlusses nicht für touristische Zwecke genutzt werden.

STELLUNGNAHME. Bürgermeister Christian Härting hält in einer Stellungsnahme fest, dass die drei Altenwohnheime in Telfs und Seefeld durch den „Altenwohnheimverband Telfs und Umgebung“, dem zehn Gemeinden angehören, betrieben werden. „Die Medikamentenverschreibung gehört nicht zu den Aufgaben der Heimverwaltung bzw. des Pflegedienstes. Sie obliegt ausschließlich dem jeweiligen behandelnden (Fach-)Arzt. Viele Bewohner konsultieren nach wie vor ihren langjährigen Hausarzt. Es gilt die freie Arztwahl, und man geht davon aus, dass die Ärzteschaft richtige und wohlüberlegte Entscheidungen trifft“, so Härting. Verwaltungsdirektor Matthias Kaufmann betont, dass alle Heime durch mehrere Organe bzw. Behörden, wie zum Beispiel die Bewohnervertretung und die Heimanwaltschaft, unangekündigt und in regelmäßigen Abständen überprüft werden. „Es werden auch immer wieder Heimeinschauen gemäß Tiroler Heimgesetz durchgeführt!“ Hinsichtlich der beiden anderen „besorgten Schreiben“ erklärt Härting: „Was die beiden genannten bau- und raumordnungsrechtlichen sowie feuerpolizeilichen Agenden betrifft: Die bau- und raumordnungsrechtlich relevanten Angelegenheiten werden verwaltungstechnisch überprüft und abgearbeitet!“  Bauamtsleiter DI Andreas Kluibenschedl stellt fest: „Jeder Gastbetrieb benötigt eine baurechtliche und gewerberechtlich Genehmigung, bei der die gesetzlichen Brandschutzbestimmungen eingefordert werden. Diese Brandschutzbestimmungen, sowie auch die bautechnischen Bestimmungen, werden im Rahmen der gewerberechtlichen Überprüfung durch die Bezirkshauptmannschaft kontrolliert!“

DROHT DAS AUS?  Bei näherer Betrachtung der Sachlage kommt man zum Schluss, dass die drei Schreiben an Bürgermeister Christian Härting eher ein Rundumschlag als Besorgnis sind. Die „Telfer Lebensebenen GmbH“ ist nämlich mit einer Anzeige „wegen Freiheitsentzugs“ konfrontiert, weil man einem Klienten das Medikament „Seroquel“ verabreicht habe. Geschäftsführerin Dorothee Wagner stellt dazu fest, dass dieses Medikament von einem Arzt aus therapeutischen Gründen verordnet wurde. „Bei uns im Haus werden nur ärztliche Anweisungen durchgeführt. Wir sind kein klassisches Altersheim, sondern eine Einrichtung mit Personenbetreuung, die sich speziell an Menschen mit Demenz richtet“, führt Wagner dazu an. Ob die „Telfer Lebensebenen GmbH“ ein Altersheim betreiben oder nicht, muss nun das Landesverwaltungsgericht (LVwG} entscheiden. Inzwischen müssen im Haus etliche brandschutztechnische Mängel behoben und Gefahrenquellen beseitigt werden. „Etliche Sachverständige haben kürzlich das ganze Haus inspiziert. Es wurden Mängel festgestellt, die früher, als der ‚Tirolerhof‘ noch offen hatte, keine Mängel waren“, ärgert sich Dorothee Wagner. Sollte das LVwG zur Ansicht gelangen, dass es sich bei der „Senioren-WG“ um ein Altersheim handelt, könnte das für die „Telfer Lebensebenen GmbH“ eventuell das Aus bedeuten.

 

GF Dorothee Wagner fühlt sich schikaniert. RS-Foto: Schnöll