Telfer nach Türkeiurlaub in Izmir verhaftet

Sitzt in Izmir in U-Haft: Kazim B. aus Telfs. Foto: privat

Kazim B. soll laut türkischem Geheimdienst und der Anti-Terrorismusstelle mit der PKK/KCK sympathisiert haben

Das Überwachungsnetzwerk des türkischen Machthabers Recep Tayyip Erdogan überspannt offenbar auch Tirol. Vor drei Wochen wurde am Flughafen der türkischen Stadt Izmir ein in Telfs lebender türkischstämmiger Österreicher festgenommen, der mit seiner Frau und seinen beiden Kindern vom Urlaub nach Österreich zurückkehren wollte. Der türkische Geheimdienst (MIT) und die Anti-Terrorismusstelle verdächtigen den Familienvater, in Österreich Propaganda für die Terrororganisation PKK/KCK betrieben zu haben. Vergangenen Samstag wurde in Izmir auch eine türkischstämmige Mutter Hülya Y. aus Wels  (OÖ) verhaftet. Auch ihr wird vorgeworfen, mit der PKK/KCK zu sympathisieren.

Kazim B., der mit seiner Familie in Telfs lebt, und im Raum Imst in einer Autobahnraststätte arbeitet, sitzt seit seiner Festnahme in einem Gefängnis in Izmir in U-Haft. Seine gesundheitlich angeschlagene Frau und die beiden Kinder durften nach Österreich zurückkehren. Die Frage, wann Kazim aus dem Gefängnis entlassen wird und zu seiner Familie darf, beantwortet derzeit beim zuständigen Gericht in der Türkei niemand. Es gibt nur Vertröstungen, auch die täglichen Anrufe bei der Botschaft in Wien und beim Anwalt  brachten bisher keine Antworten. Über die Verhaftung von Kazim B. hat unter anderem auch die türkische Tageszeitung „Milliyet“ berichtet. Im Bericht heißt es: „Das Regionalbüro des türkischen Geheimdienstes (MIT) in Izmir und die Anti-Terrorismus Stelle haben den Betroffenen schuldig befunden, in Österreich für die Terrororganisation PKK/KCK Propaganda betrieben zu haben. Die Teams, die dieser Person gefolgt sind, sind zur Überzeugung gelangt, dass Kazim B., der im Auftrag dieser Terrororganisationen operiert, vom Flughafen Izmir Adnan Menderes ins Ausland reisen wollte. Die Ermittlerteams, die am Boden gemeinsam gearbeitet haben, handelten und haben den Betroffenen am Flughafen um 2.30 Uhr festgenommen. Es wurde mitgeteilt, dass die Ermittlungen gegen Kazim B., durchgeführt durch die Anti-Terror Abteilung, weitergeführt werden!“

KEIN EINZELFALL. Die Freilassung wird ständig hinausgeschoben. Nun suchen die Angehörigen den Weg in die mediale Öffentlichkeit, um darauf aufmerksam zu machen,  dass sich diese Vorfälle zuletzt häuften. „Seit vier Wochen wartet zum Beispiel auch eine Wiener Familie auf ihren Vater, auch eine Familie in Frankreich ist betroffen, ein anderer Mann wurde nach dem Begräbnis seiner Mutter in der Türkei inhaftiert. Wir wollen als Österreicher einfach wie alle anderen auch ohne Angst vor einer Verhaftung Urlaub machen können und wir möchten vom Staat Österreich im schlimmsten Fall beschützt werden“, erklärt die Imsterin Dener K., die mit der betroffenen Telfer Familie ständig in Kontakt steht. Sie sagt auch, dass sich  Kazim B.  bei seinem Urlaub in der Türkei nichts zu Schulden kommen lassen habe und nun sein Arbeitsplatz durch die Verhaftung in Gefahr sei. „Wenn er schon ein Terrorist sein soll,  dann hätte man ihn sinnvollerweise doch am Beginn seines Türkei-Urlaubs verhaften müssen und nicht erst am Ende!“ Vergangenen Samstag wurde in Izmir eine türkischstämmige Welserin festgenommen. Die alleinerziehende Mutter von drei Kindern soll ebenfalls PKK/KCK-Propaganda betrieben haben, wird behauptet.