Telfs als zentraler Kultbezirk

Die massive Steinmauer im Grabungsbereich, die wohl dazu diente, den „heiligen Bezirk“ abzugrenzen. Fotos: MGT/Dietrich

Ausgrabungen am Schlossbichl zeigen, wo Urtelfer ihren Göttern spendeten

Das Geheimnis des massiven frühgeschichtlichen Mauerwerks am Telfer Schlossbichl ist geklärt: Die Archäologen sind sich sicher, hier einen zentralen Kultbezirk des 2000-jährigen Heiligtums entdeckt zu haben. Am Freitag endete die dreiwöchige Ausgrabung auf dem Schlossbichl, die von der Marktgemeinde, dem Denkmalamt und dem Land Tirol finanziert wurde.

Wie die Fülle schon früher gefundener Opfergaben vermuten ließ, befand sich auf dem Schlossbichl nahe St. Moritzen in der ausgehenden Eisenzeit ein rätisches Heiligtum. Nun kennt man dort zumindest eine Stätte, wo die frühgeschichtlichen Telfer ihre Opferzeremonien vollzogen. Der bemerkenswerte Platz am Osthang des Hügels wurde bereits bei der Sondierung im Jahr 2015 entdeckt und nun bei der neuerlichen Grabungskampagne großflächig freigelegt. Zum Vorschein kamen massive Brandschichten, durchsetzt mit Scherben und Knochen, sowie viele kleine Fundstücke, darunter vor allem Schmuck- und Ziergegenstände.

Eingefasst war der „heilige Ort“ von massiven Steinmauern. Ins Innere führte ein gepflasterter Weg. Dort befindet sich auch ein kleines, sorgfältig gemauertes Steinfundament, auf dem vielleicht ein Altar stand. Ausgrabungsleiterin Irene Knoche von der Wörgler Grabungsfirma Talpa: „Zweifellos fanden hier kultische Handlungen statt, bei denen Feuer eine große Rolle spielte. Sehr wahrscheinlich wurde geopfert. Es ist aber denkbar, dass hier auch Verstorbene verbrannt wurden. Der übrig gebliebenen Leichenbrand könnte dann in der Nähe bestattet worden sein.“ Darauf deuten vor allem die vielen kalzinierten – also verbrannten – Knochenteilchen hin, die an verschiedensten Stellen des Hügels gefunden wurden. Entscheidend ist jetzt die Frage, ob auch menschliche Überreste darunter sind. Das soll eine Laboranalyse klären.

Unter den Fundstücken aus dem „heiligen Bezirk“ und seinem Umfeld fällt die Vielzahl von Schmuck- und Ziergegenständen auf. Irene Knoche: „So etwas findet man in dieser Häufung in keiner Siedlung. Das stammt eindeutig von einem Kultort.“ Besonders schön und eindrucksvoll sind etwa ein ringförmiger Anhänger aus Glas, weitere Anhänger und Zierbleche aus Bronze sowie zwei Bärenzähne, die als Amulett dienten. Interessant für die Forscher sind neben den bereits erwähnten Knochen und Scherben auch zahlreiche Schlacken, die belegen, dass in oder bei der Kultstätte Metall verarbeitet wurde.

Ein zweiter Grabungsschnitt der Archäologen befand sich an der Westseite des Hügels, wo 2015 ein künstlich angelegtes Wall-Graben-System nachgewiesen und ein Grab mit Beigaben aus dem ersten Jahrhundert n. Chr. entdeckt worden war. Hier ergaben sich allerdings keine wesentlich neuen Erkenntnisse, man stieß auf keine weiteren Bestattungen. Zum Teil erfolgreich waren kleinflächige „Grabungsstichproben“ an verschiedenen Punkten des Hügels. An manchen wurden die Archäologen fündig. So kam etwa an einer Stelle neben frühgeschichtlichen Brandresten, Scherben und Knochen das Bruchstück eines gläsernen Armreifens ans Licht. An einer anderen Stelle stieß man ebenfalls auf eine Brandschicht, die sich allerdings als wesentlich jünger herausstellte: Eine Bierflasche und ein Fondue-Spieß zeigten den Archäologen, dass sie einen Grillplatz aus dem 20. Jahrhundert entdeckt hatten.

Von Stefan Dietrich

Bärenzähne, Schmuckgegenstände wie Glasanhänger und Gürtelteile wurden bei den Grabungen gefunden. Foto: MGT/Dietrich
Knochenreste deuten auf Bestattungen am Schlossbichl hin. Foto: MGT/Dietrich
Ausgrabungsleiterin Irene Knoches und Markus Wild sprechen von erstaunlichen Funden.

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