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Telfs | Chronik | 25. Mai 2021 | Beatrice Hackl

Archäologische Funde in Oberhofen

Archäologische Funde in Oberhofen<br />
In der archäologischen Fundzone „Krautfeld“ wurden Siedlungsbefunde aus der Römerzeit freigelegt. Fotos: Ardis GmbH 2021
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Fenster in die Vergangenheit: römerzeitlicher Siedlungsbefund bestätigt und rund 90 Einzelbefunde gesichert

Tierknochen, Gefäßkeramik, Metalle, Pfostensetzungen, Pfostenlöcher, Kalkgruben, Vorratsgruben, Gruben als Teil eines Werkstattbereichs und eine Feuerstelle wurden kürzlich in Oberhofen freigelegt bzw. gefunden. Im Rahmen der archäologischen Untersuchungen konnte nun ein römerzeitlicher Siedlungsbefund bestätigt werden. Bislang ließen sich rund 90 Einzelbefunde feststellen. Auf den Plan gerufen hat die Archäologen eine geplante Erweiterung der Gewerbezone, da sich die Parzelle in der archäologischen Fundzone „Krautfeld“ befindet. Somit war bereits im Vorfeld der Maßnahme mit Funden und Befunden zu rechnen.
Von Beatrice Hackl

Im unmittelbaren Umfeld der aktuellen Funde wurden bereits 1999 zwei Sondageschnitte und 2016 eine archäologische Ausgrabung durchgeführt. Beide Maßnahmen brachten Siedlungsbefunde zum Vorschein, bei denen es sich um prähistorische, wohl urnenfelderzeitliche Brand- und/oder Pfostengruben handelte. Die Befunde wiesen auf einen ehemals hier befindlichen Werkstattbereich (Kupferverarbeitung?) hin. Darüber hinaus kamen in beiden vorangehenden Untersuchungen vor allem römerzeitliche (kaiserzeitliche) Funde zutage. Die greifbaren Befunde für diese Epoche waren allerdings spärlicher und fanden sich vor allem in einer im Fundamentbereich erhaltenen Mauer.

Maßnahmen. Die aktuelle archäologische Maßnahme umfasst die Begleitung des Humusabtrages und die daran anschließende vollständige Freilegung der Bebauungsfläche im Rahmen einer Schichtgrabung. Hierzu wird die Fläche händisch gereinigt und mehrfach mit einem Metalldetektor abgegangen. „Rein grabungstechnisch betrachtet, hat die lange Beackerung bzw. landwirtschaftliche Nutzung der Flächen einerseits die obersten Schichten völlig vermischt, und andererseits die tiefer liegenden Befunde gekappt bzw. verzogen, so dass nur mehr unter größtmöglicher Sorgfalt Befunde herausgearbeitet werden können“, berichtet Karsten Wink, Geschäftsführer von Ardis GmbH.

Strukturen. Bei einem Teil der Befunde handelt es sich um Pfostensetzungen oder -löcher, wobei erstere häufig mit größeren Steinblöcken ausgekleidet waren oder sich im Inneren noch Keilsteine fanden. „Es ist anzunehmen, dass die größeren Pfostensetzungen einst zu tragenden Holzstrukturen gehörten. Darüber hinaus konnten vier Kalkgruben, eine Feuerstelle, Vorratsgruben für die Lagerung von Lebensmitteln und viele weitere Gruben festgestellt werden, die zu einem Werkstattbereich gehören dürften. Einige von diesen waren mit Steinen verkleidet, wobei die Innenwände der Gruben teilweise deutliche Spuren von Hitzeeinwirkung aufwiesen“, verdeutlicht die örtliche Grabungsleiterin Giulia Somma. Im Rahmen der Maßnahme wurden zudem zahlreiche Tierknochen und keramische Funde geborgen. Metalle kamen hingegen selten vor, wobei jene Stücke, die aufgefunden wurden, für die Datierung der Fundstelle relevant sind. „Unter den Metallen fanden sich ein eiserner Lanzenschuh und eine bronzene, kräftig profilierte Fibel mit zwei Bügelknöpfen, die fast vollständig erhalten ist. Die Fibel stammt aus dem 1./2. Jh. n. Chr.“, erklärt die Expertin.

Fundspektrum. Neben verschiedensten Tierknochen, die auf Grund von Hack- und Schnittspuren als Speiseabfälle zu werten sind, fanden sich vor allem Keramiken. Neben grober Alltagsware bargen sich Fragmente von gehobenem römischem Tafelgeschirr, so genannter Terra Sigillata. Einzelne Fragmente dieser glänzend rot überzogenen Keramik zeigen eine Reliefverzierung. Ebenfalls zu typisch römischen Stücken zählen Bruchstücke von Reibschalen, die dem Zerreiben von Kräutern und dem Anrühren von Würzsaucen dienten. Zu den jüngsten römischen Funden gehören Randscherben aus Lavez. Hierbei handelt es sich um aus Speckstein gedrechselte Gefäße, die besonders ab dem 4. Jahrhundert n. Chr. hergestellt werden. Die Funde datieren somit vom 1/2. bis in das 3/4. nachchristliche Jahrhundert.
 
Archäologische Funde in Oberhofen<br />
Im Oberhofer „Krautfeld“ soll die Gewerbezone erweitert werden. Doch zuvor muss die Parzelle von Archäologen durchforstet werden, da im unmittelbaren Bereich bereits früher diverse Funde gesichert werden konnten.
Archäologische Funde in Oberhofen<br />
Unter anderem wurde diese kräftig profilierte Fibel gefunden.
Archäologische Funde in Oberhofen<br />
Fragmente von gehobenem römischen Tafelgeschirr, so genannter Terra Sigillata.
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