Rundschau - Oberländer Wochenzeitung
Telfs | Chronik | 21. September 2020 | 18:00 | Beatrice Hackl

Außergewöhnlicher Bergsommer

Außergewöhnlicher Bergsommer
Dieser Sommer war für die Bergretter besonders arbeitsintensiv. Rund 400 Mal standen sie pro Monat im Einsatz.
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Die Corona-Pandemie bescherte der Bergrettung Tirol einen besonderen Bergsommer mit deutlich mehr Einsätzen

Immer dann, wenn andere an ihre Grenzen stoßen, sind sie zur Stelle: Die rund 4.200 ehrenamtlichen Helfer der Bergrettung Tirol. Für gewöhnlich absolvieren sie jährlich in etwa 2.000 Einsätze. In diesem Jahr sind es wesentlich mehr. Im Frühjahr sowie im Sommer hatte die Bergrettung, vermutlich aufgrund der Pandemie, eine erhöhte Anzahl an Einsätzen zu verzeichnen. Zurückzuführen sei dies darauf, dass die Berge noch stärker frequentiert wurden als gewöhnlich, berichtet Gregor Franke im RUNDSCHAU-Gespräch.
Von Beatrice Hackl

„Bereits während des Lockdowns ist die Zahl der Einsätze angestiegen, was für uns mit rund 40 Einsätzen im Monat einherging. Nach dem Lockdown hat sich die Situation bis Juni kurzzeitig beruhigt. Seither ist die Zahl der Einsätze aber rasant gestiegen. „Bisher wurden wir im Sommer an Wochenenden zu rund 15 bis 20 Einsätzen gerufen. Dieser Sommer hebt sich deutlich von den Werten der Vorjahre ab. Wir haben sogar richtige Rekordtage erlebt, an denen wir zu 35 bis 37 Einsätze pro Tag absolviert haben. Auf einen ganzen Monat gesehen kommen wir normalerweise auf 300 Einsätze. In den vergangenen Monaten mussten wir aber stets 400 Einsäte und mehr bewältigen. Unsere Einsatzkräfte mussten in diesem Sommer somit monatlich über 100 Einsätze mehr als im Durchschnitt absolvieren“, berichtet Bergretter Gregor Franke, der zudem in der Geschäftsstelle der Landesleitung tätig ist, über den außergewöhnlichen Bergsommer. Nicht berücksichtigt wurden in dieser Schilderung jene Einsätze bei denen die Bergrettung zwar alarmiert wurde, aber schlussendlich der Hubschrauber ausrücken musste.

Wochentage stärker frequentiert. Selbstverständlich unterliege die Anzahl der Einsätze auch diversen Schwankungen, die sowohl dem Wetter als auch den Wochentagen geschuldet seien, lässt Franke wissen. Das für gewöhnlich auftretende Gefälle zwischen Wochenenden, Feiertagen und normalen Wochentagen sei in diesem Sommer kaum zum Tragen gekommen. „Auffallend war, dass die Einsatzzahlen auch während der Werktage durchgängig waren. Es haben sich in diesem Jahr einfach deutlich mehr Menschen auch unter Woche in den Bergen bewegt – sei es aufgrund von Kurzarbeit oder weil sie ihren Urlaub in diesem Jahr zuhause verbracht haben. Und da mehr los war auf den Bergen, ist natürlich auch mehr passiert“, verdeutlicht Bergretter Franke den Ausnahmezustand der 2020 auf den Bergen Tirols vorherrschte. Für ihn und seine Kollegen bot dieser Sommer kaum Luft zum Verschnaufen.
Das kann auch Sepp Gspan, der Stv.-Bezirksleiter in Axams, bestätigen: „Hinter uns liegt ein einsatzreicher Sommer und viele der Einsätze waren zudem sehr fordernd.“ Der Großraum Innsbruck und das Mittelgebirge zählen neben dem Ötztal, dem Zillertal und dem Großraum Lienz zu den größten Hotspots. Hier sei immer relativ viel los. Diesen Sommer mischten sich auf den Bergen hauptächlich Touristen aus Deutschland, Holland und Belgien unter die Einheimischen. „Auch auf der Rosshütte war in den vergangenen Monaten auffallend viel los, was wiederum für uns mit außergewöhnlich vielen Einsätzen einherging. Zahlreiche Besucher sind mit der Bahn nach oben gefahren und haben sich dann beispielsweise auf dem Rückweg den Knöchel verstaucht“, berichtet Peter Hilkenmeier von der Bergrettung Seefeld.

Lauernde Gefahren. Eine schlechte Tourenplanung, Erschöpfung und leichte Verletzungen seien die häufigsten Ursachen für einen Notruf. Der Bergretter betont in diesem Zusammenhang, dass Unfällen die unterschiedlichsten Ursachen zugrunde liegen können und nicht zwangsläufig auf Unerfahrenheit oder eine unzureichende Ausrüstung zurückzuführen seien. „Klettersteige erfreuen sich besonderer Beliebtheit. Daraus ist ein regelrechter Boom geworden, und wir konnten durchaus schon beobachten, dass die Leute war bestens ausgerüstet waren aber in Einzelfällen nicht mit der richtigen Handhabung vertraut waren – ein hohes Risiko“, weiß Franke, weshalb die Bergrettung an Unerfahrene den klaren Appell richtet, sich an einen Bergführer zu wenden bzw. Kurse des Alpenvereins zu besuchen.
Außergewöhnlicher Bergsommer
Eine schlechte Tourenplanung, Erschöpfung und leichte Verletzungen seien die häufigsten Ursachen für einen Notruf.
Außergewöhnlicher Bergsommer
Bergretter Gregor Franke ist zudem in der Geschäftsstelle der Landesleitung Tirol tätig. Fotos: Bergrettung Tirol
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