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Telfs | Chronik | 8. Feber 2021 | Bernhard Rangger

Camp-Petition erhitzt Seefelder Gemeinderat

Camp-Petition erhitzt Seefelder Gemeinderat<br />
So sieht das Campingplatzkonzept von Seefeld aus: Neben einem Campingareal gibt es Studios, Appartements und Ferienlodges. Visualisierung: Bürgerliste Seefeld
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Seefelder Gemeinderäte Seefeld 618 Unterschriften gegen Mobilehomes illegale Freizeitwohnsitze
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Räte kontern: „Haben 155 Mobilehomes verhindert und den Campingbetrieb erhalten. Alle Betten werden vermietet!“

Die Seefelder Gemeinderäte können die 618 Unterschriften gegen Mobilehomes und illegale Freizeitwohnsitze am ehemaligen „Camp Alpin“ nicht nachvollziehen. Insbesondere Bauausschuss-Obmann GR Sepp Kneisl argumentiert, dass man bereits vor zwei Jahren genau das getan habe, was die Unterzeichner der Petition von Tom Hiltpolt, Jörg Klink, Bettina Moncher, Ingrid Norz und Birgit Weihs-Dopfer nunmehr fordern. Man habe illegale Freizeitwohnsitze verhindert, den Campingplatz erhalten und einen Großbeherbergungsbetrieb geschaffen, der Hotelbetten vermietet. Durch einen Grundverkauf sei mittels Pönale, Widmungs- und Veräußerungsverbot gesichert, dass der Betreiber kein Schlupfloch finden könne.
Von Bernhard Rangger

Wie bereits berichtet, wurde die Petition über eine Wiener Internetplattform abgewickelt und die Unterschriften nur mit Vornamen, Anfangsbuchstaben des Nachnamens und Postleitzahl abgegeben. 273 Unterzeichner stammen aus Seefeld. Erst nach langem Nachbohren gab Birgit Weihs-Dopfer bekannt, dass sie die Texte für die Petition verfasst habe – aber nicht als Betreiberin. Zur Offenlegung habe sie sich deswegen breit schlagen lassen, weil das Thema als Ganzes extrem wichtig für die Entwicklung Seefelds sei. Ihre Texte sind es auch, die Bauausschuss-Obmann GR Sepp Kneisl, der – seinen Angaben zufolge – seit 30 Jahren gegen Freizeitwohnsitze in Seefeld kämpft, zur Weißglut bringen: „Wir haben ein Mobilehomedorf mit 155 Mobilehomes, die zum Verkauf gestanden wären, abgewendet. Das ‚Leutascher Modell‘ gibt es in Seefeld also nicht. Wir haben einen Campingplatz mit 110 Stellplätzen und die Errichtung eines Großbeherbergungsbetriebes mit ca. 485 Betten genehmigt. Die vielen Betten rühren daher, dass nach dem Tiroler Campinggesetz im Gegensatz zu anderen Hotelleriebetten auch Ausziehcouches in die Gesamtzahl einzurechnen sind. Bei 24 Studios unter 30 Quadratmetern, 30 Appartements unter 70 Quadratmetern und 55 Ferienlodges um 60 Quadratmeter ist die Zahl von 485 Betten aber kaum zu erzielen.“

Wasserdichte Verträge. In Seefeld habe man die Widmung auf einen Hotelbetrieb für ständig wechselnde Gäste ausgelegt. Die Anlage wurde durch einen privatrechtlichen Vertrag mit Parifizierungsverbot und Verkaufsverbot einzelner Objekte belegt. Bei Verstößen wurde ein extrem hohes Pönale festgesetzt. „Der Betrieb eines Campingplatzes ohne alternative Übernachtungsmöglichkeiten ist wirtschaftlich schwierig“, so Kneisl. „Ein Tourismusbetrieb wie am ehemaligen Camp Alpin ist ein Ausgleich für die stark sinkende Bettenzahl in Seefeld und kaum eine Konkurrenz für bestehende Betriebe!“ Zum Verkauf eines angrenzenden Waldgrundstückes (ca. 6000 Quadratmeter) war der hohe Kaufpreis für ein Waldgebiet ausschlaggebend, welches nur zu zwei Drittel bebaut werden kann. Der Erlös wurde bereits vor zwei Jahren zweckgebunden für die Errichtung der Tennisanlage fixiert.GR Sepp Kneisl erklärt weiters: „Der Käufer der Liegenschaft ist EU-Bürger mit Hauptwohnsitz in Seefeld. Rechtlich ist er von der Gemeinde wie jeder andere EU-Bürger zu behandeln. (Anm.: Freies Niederlassungsrecht). Es ist schade, dass sich kein Seefelder Käufer gefunden hat. Es ist für den Käufer schon legitim, aus dieser Investition positiv aussteigen zu wollen, da dies ja auch mit einem gewissen Risiko verbunden ist.“ Kneisl abschließend: „Es gibt wasserdichte Verträge mit Loek Beuker und seine Zusicherung, den Platz wie ein Hotel zu führen. Heute steht der Kaufvertrag nicht auf der Tagesordnung. Ich hoffe aber, dass sich alle Gemeinderäte bei der Abstimmung daran erinnern, warum es zu diesem Kompromiss gekommen ist!“

Automatische Bewässerung. Die Golfclub-Vorstände Jakob Moncher und Markus Daschil erklärten, dass man am Golfplatz Wildmoos eine neue automatische Bewässerung und Cartwege errichten wolle. Im Zusammenhang mit dem Umbau wolle man den Platz bis 2026 pestizidfrei machen und mit wissenschaftlicher Unterstützung auf stabile ökologische Gleichgewichte hinarbeiten. Insgesamt seien dafür drei Millionen Euro nötig, die man mit Hilfe des Tourismusverbandes, mit den Gemeinden Seefeld und Telfs sowie Fördergeldern und Beiträgen der Mitglieder aufbringen wolle. Unter anderem seien auch zwei Wasserspeicherteiche vorgesehen, mit denen man in Trockenperioden die Bewässerung speisen könne. Diese stünden auch im Winter für eine Loipenbeschneiung zur Verfügung. GR Sepp Kneisl wies die Clubführung darauf hin, dass die Gemeinde auf Grund der derzeitigen finanziellen Situation keine Haftungen für den Golfclub übernehmen könne. Insgesamt herrschte aber eine sehr positive Stimmung im Gremium. Bürgermeister Werner Frießer: „Wir müssen mit drei schwierigen Jahren rechnen, sind aber schon bisher immer hinter den Clubaktivitäten gestanden!“

WM-Finanzierung. Einstimmig wurde auch die Haftungsübernahme für die sechs Millionen Euro für die WM-Zwischenfinanzierung verlängert. Kneisl: „Die zusätzlichen drei Millionen Euro, die offenbar der Landeshauptmann genehmigt hat, kann der Gemeinderat nicht unterfertigen. Das müssen der Kreditgeber, der Bürgermeister und das Land Tirol tun!“  In diesem Zusammenhang tauchte auch eine Gesprächsnotiz vom 20. Juli 2020 auf, die bestätigt, dass der Leiter der Tiroler Sportabteilung, Reinhard Eberl, die Gesamtfördersumme von 30 Millionen Euro anerkannt hat. An dieser Sitzung nahmen LH-Stv. Josef Geisler, Reinhard Eberl., Bgm. Werner Frießer, Überprüfungsausschussobmann Alexander Schmid und TVB-GF Elias Walser teil. In einer Antwort-Email schreibt Eberl: „Basierend auf der hochbautechnischen Stellungnahme der Abteilung Baudirektion (HB-AHB-F/60-2019) vom 9. Dezember 2019, sowie der oben angeführten Besprechung mit LH-Stv. Josef Geisler werden die Baukosten in Höhe von maximal 30 Millionen Euro genehmigt.“ Die Gemeinde erwartet sich also demnächst eine positive Entscheidung vom Land. In diesem Schreiben wird auch darauf hingewiesen, dass es eine mündliche Zusage von LH-Stv. Josef Geisler gäbe, dass er eine Summe von 30,2 Millionen Euro im Förderschlüssel Bund 40/Land 40/Gemeinde 10 und Tourismusverband 10 Prozent garantiere.

Vertrag genehmigt. Einstimmig genehmigt wurde auch die Geschäftsordnung und der Gesellschaftsvertrag der BIG (Beteiligungs- und Infrastruktur GmbH), die aus steuerlichen Gründen eine Art Dachgesellschaft für die Gemeinde-Gesellschaften bildet. „Es gibt nunmehr keine Ausnahmen der Zuständigkeit mehr. Es werden vierteljährliche Kontrollsitzungen mit Gemeinderäten und den Geschäftsführern eingeführt und eine Geschäftsordnung für alle untergeordneten Betriebe erlassen. Bis 15. Oktober sind die Budgets zu erstellen, damit Zahlungen durch die Gemeinde rechtzeitig zur Budgeterstellung bekannt sind“, so Frießer. Schließlich beschloss der Gemeinderat auch noch den Flächenwidmungsplan für die erste Ausbaustufe der WE-Anlage hinter der Tennishalle: Bis Herbst sollen 21 Mietwohnungen errichtet werden. Kurz darauf soll auch mit der zweiten Baustufe (Eigentumswohnungen und Reihenhäuser) begonnen werden. Der Spazierweg zwischen der Kirchwaldsiedlung und dem Möserertal wird mitten durch die Wohnanlage führen.
 
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