Rundschau - Oberländer Wochenzeitung
Telfs | Chronik | 24. Jänner 2022 | Beatrice Hackl

Ein bewegtes Jahr in der Bergluft

Ein bewegtes Jahr in der Bergluft
Im Rahmen der jüngsten Einsatzübung mussten die Scharnitzer Bergretter eine Personenbergung in der Bärenklamm bewerkstelligen. Fotos: Bergrettung Scharnitz
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Ortsstellenleiter der Bergrettung Scharnitz lässt die vergangenen zwölf Monate im RUNDSCHAU-Gespräch Revue passieren

Immer mehr Menschen bewegen sich in ihrer Freizeit in den Bergen, und entsprechend viele Einsätze gilt es seitens der Bergretter zu bewerkstelligen. Die RUNDSCHAU hat sich mit Christoph Waltl, dem Ortsstellenleiter der Bergrettung Scharnitz, über das vergangene Jahr und dessen Besonderheiten unterhalten sowie hilfreiche Tipps für eine möglichst sichere Bergtour eingeholt.
Von Beatrice Hackl

In puncto professionelle Hilfe im alpinen Gelände ist die Bergrettung gefragt, und um diese gewährleisten zu können, müssen die Mitglieder neben der Grundausbildung auch laufend Trainingseinheiten absolvieren. Dementsprechend wurden von der Bergrettung Scharnitz im vergangenen Jahr 35 Schulungen und Übungen abgehalten. Darin befassten sich die Ehrenamtlichen mit unterschiedlichen Berge- bzw. Rettungstechniken sowohl für den Sommer als auch für den Winter sowie mit Erste-Hilfe- und Sanitätsschulungen. Aber auch Ausbildungstouren sind essenziell und galt es folglich zu absolvieren.

Nachwuchs ist immer willkommen. Laut Ortsstellenleiter Christoph Waltl gab es durchaus auch schwierigere Zeiten, aber aktuell hat Scharnitz nicht mit Nachwuchsproblemen zu kämpfen. „Nach einer längeren Durststrecke haben wir einen Aufschwung erlebt. Der Beitritt eines jungen Mannes brachte den Stein wieder ins Rollen, und ihm folgten weitere nach. Neue Mitglieder sind uns jederzeit willkommen. Interessierte können der Bergrettung ab dem 16. Lebensjahr beitreten“, betont Waltl, der sich der Bergrettung 1998 anschloss und jetzt, nach seiner zehnjährigen Tätigkeit als Ausbildungsleiter, das zweite Jahr als Einsatzleiter fungiert. Die Grundausbildung erstreckt sich über ein Jahr und während dieser Zeit sind die neuen Mitglieder bereits in der Ortsstelle aktiv. Mittels unterschiedlicher Übungen werden die Anwärter vom hiesigen Ausbildungsleiter geschult, ehe sie die Winter- und Sommerprüfung ablegen und im Jamtal die Grundkurse absolvieren.

Erste vollausgebildete weibliche Bergretterin in Scharnitz. „Mit Sandra Lenzi konnten wir im letzten Jahr zum ersten Mal in der Geschichte der Bergrettung Scharnitz einer weiblichen Bergretterin gratulieren. Sie ist unsere erste vollausgebildete Bergretterin“, zeigt sich Waltl erfreut. „Weitere fünf Frauen befinden sich aktuell noch in Ausbildung. Sie schlagen sich sehr gut.“ Auch im Vorjahr waren drei junge Scharnitzer Anwärter bei der Sommerüberprüfung im Klettergarten Halltal erfolgreich. Sie müssen aber noch die Winterüberprüfung und den Grundkurs im Jamtal absolvieren. Früher sei die Bergrettung, ähnlich wie die Feuerwehr, eine reine Männerdomäne gewesen. Mittlerweile habe aber ein Umdenken stattgefunden. „Die Anforderungen, die an Bergretter gestellt werden, sind durchaus anspruchsvoll und die Tätigkeit ist körperlich sehr anstrengend, zumal oft große Lasten getragen werden müssen. Unsere sechs Frauen sind dieser Herausforderung aber durchaus gewachsen“, unterstreicht der Ortsstellenleiter.

30 Einsätze und 397 Einsatzstunden. Die Bergrettung Scharnitz musste im Jahr 2021 zu 30 Einsätzen ausrücken. In mehr als 397 Einsatzstunden wurden diese abgearbeitet. „Bei den größten Einsätzen handelte es sich um Suchaktionen im Karwendel und an der Großen Arnspitze. Diese Einsätze haben wir zusammen mit der Bergrettung Leutasch, der Bergwacht Mittenwald sowie der Alpinpolizei absolviert“, berichtet der Ortsstellenleiter. „Bedauerlicherweise konnten wir im letzten Jahr vier Personen nur mehr tot bergen.“ Im Karwendel stehen größtenteils Sommereinsätze auf der Agenda und betreffen Radfahrer, Klettergärten und Wanderer die nicht bei den angestrebten Hütten ankommen. „Lawineneinsätze sind bei uns eher die Ausnahme. Womit wir allerdings immer wieder konfrontiert werden sind Unfälle in Verbindung mit Schneefeldern. Im Frühjahr und Frühsommer haben die Hütten wieder geöffnet, aber die Übergänge sind noch immer schneebedeckt und bergen somit große Gefahren – die oft unterschätzt werden. Sie sind sehr eisig und nicht selten rutschen Wanderer ab und schlagen dann weiter unten auf steinigem Gelände auf. Für die Überquerung der Schneefelder braucht es Pickel, Steigeisen, Grödel und dergleichen. Neben der richtigen Ausrüstung ist es auch wichtig, dass sich die Menschen nicht überschätzen und sich vor einer Tour entsprechend informieren und planen. Das können sie sowohl beim hiesigen TVB, beim Alpenverein oder bei den Hüttenwirten.

Können nicht immer sofort helfen. Tragischen Einsätzen geht meist eine Verkettung vieler Faktoren voraus, bis irgendwann nichts mehr geht. „Die Menschen müssen sich immer dessen bewusst sein, dass am Berg durchaus Eigenverantwortung gefragt ist. Manchmal können wir aufgrund der Wetterlage den Hilfseinsatz nicht sofort in die Wege leiten, denn der Eigenschutz muss gewährleistet sein. Wir haben es uns zwar zur Aufgabe gemacht zu helfen, geben stets unser Bestes und gehen dabei über unsere eigenen Grenzen hinaus. Unser eigenes Leben werden wir aber nicht riskieren, denn Selbstschutz geht trotz allem vor. Bei Dunkelheit kann beispielsweise kein Hubschrauber starten und wenn auf einem Grad gerade ein Unwetter ‚reinfährt‘, können wir nicht helfen bis dieses abklingt. Im Sommer fällt das Wetter für gewöhnlich extremer aus. Die Wetterlage kann sich innerhalb von 30 Minuten völlig ändern und das passiert für gewöhnlich in den Nachmittagsstunden. Wir raten den Menschen deshalb immer frühzeitig zu Bergtouren aufzubrechen – bei Sonnenaufgang oder noch davor. Idealerweise sollten Wanderer zu Mittag – zwischen 12 und 13 Uhr wieder zurück sein bzw. sich zumindest auf dem Retourweg befinden. Es geht darum die Bergtour rechtzeitig zu beginnen und rechtzeig wieder zu beenden. Es ist wichtig nach hinten raus Reserven zu haben, für den Fall, dass etwas passiert“, gibt Waltl den Wanderern als Rat mit auf den Weg.
 
Ein bewegtes Jahr in der Bergluft
Bei Unfällen kommt es meist zu einer Verkettung vieler Faktoren: Mangelnde Planung, unzureichende Ausrüstung, Selbstüberschätzung, und zudem brechen viele zu spät auf.
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