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Telfs | Chronik | 20. Dezember 2021 | Beatrice Hackl

Freiwillig zu Weihnachten im Einsatz

Freiwillig zu Weihnachten im Einsatz
In der Rettungswache in Telfs stehen die Telefone an 365 Tagen im Jahr nicht still.
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Ein Team junger Rettungssanitäter ist in Telfs im Dienst, während andere zu Hause mit ihren Lieben feiern

Wenn Menschen in eine Notlage geraten, sind Rettungssanitäter zu Stelle, selbst an Tagen, die viele mit der Familie verbringen. Während die meisten am 24. Dezember am festlich gedeckten Tisch oder unterm Christbaum sitzen, sind Ärzte, Pfleger und Rettungskräfte im Einsatz. In der Marktgemeinde Telfs stellen junge engagierte Rettungskräften ihre Zeit auch an Heiligabend ehrenamtlich in den Dienst der guten Sache. Die RUNDSCHAU hat mit Mirijam Loewit, Pia Hellbert und Stefan Jovljevic über ihre Motivation gesprochen, an diesem besonderen Tag freiwillig zu arbeiten und darüber, wie sie diese Stunden verbringen.
Von Beatrice Hackl

Die Gemeinschaft und das Miteinander werden bei den Rettungskräften in Telfs großgeschrieben. Es verwundert also kaum, dass sich Mirijam Loewit, Pia Hellbert und Stefan Jovljevic auch privat gut verstehen. Die gemeinsame Tätigkeit für das Rote Kreuz hat sie zu Freunden werden lassen, und somit sind sich alle einig: „Wir verbringen Weihnachten zwar nicht zu Hause, aber dennoch im Kreise unserer Lieben.“ Loewit und Hellbert sind sogar beste Freundinnen. Nicht nur in ihrem ehrenamtlichen Rettungsdienst zeigt sich die gemeinsame Leidenschaft dafür, Menschen in Notlagen zu helfen. Die jungen Frauen haben darin ihre Berufung gefunden und verdienen sich ihren Lebensunterhalt als Krankenschwester. Stefan Jovljevic ist Elektriker und entdeckte, wie seine beiden Kolleginnen, bereits in Teenager-Tagen seine Leidenschaft für den Rettungsdienst. Durch einen Erste-Hilfe-Kurs, den er in der Hauptschule absolvierte, fand Jovljevic seinen Weg zum Roten Kreuz. Mirijam Loewit trat nach einem Informationsabend der Jugendgruppe bei, während Pia Hellbert als erstes Mädchen in Tirol ein freiwilliges soziales Jahr im Rettungsdienst bestritt. Die heutige Krankenschwester hätte eigentlich nie gedacht, dass sie in der sozialen Schiene ihre Berufung finden würde. „Ich habe vorher die HAK besucht und dachte eigentlich, dass ich in die Fußstapfen meines Vaters treten werde, der in einer Bank arbeitet. Aber nach dem sozialen Jahr 2016 hat sich das Blatt gewendet, und ich trat in die Fußstapfen meiner Mutter, die in der Pflege arbeitet“, berichtet die 24-jährige Flaurlingerin.

Ein besonderer Dienst. Keiner der drei hat bislang eine eigene Familie gegründet, und da es innerhalb der Gemeinschaft stets ein Geben und Nehmen sei, haben sich die jungen Sanitäter zugunsten ihrer Kollegen mit Kindern für den Weihnachtsdienst gemeldet. Der Telfer Stefan Jovljevic gehört der orthodoxen Kirche an, weshalb sein „richtiges“ Weih-nachten erst am 6. Jänner gefeiert wird. Der 28-Jährige ist bereits zum achten Mal an Heiligabend im Einsatz: „Es ist meist dieselbe junge Truppe, und wir haben uns bereits Ende Oktober dafür gemeldet. Das ist mittlerweile sozusagen unsere eigene Weihnachtstradition. Es ist kein ganz normaler Dienst, er gestaltet sich meist etwas geselliger, da es in den vergangenen Jahren verhältnismäßig ruhig war. Natürlich weiß man nie, was passieren wird und wie viele Einsätze wir absolvieren müssen, aber in den letzten Jahren hatten wir durchaus Zeit, um gemeinsam zu essen und uns auszutauschen, während im Hintergrund Weihnachtsmusik läuft. Das macht Spaß, und wir genießen den Tag und Abend so gut es geht. Außerdem ist es auch schön, etwas Gutes zu tun und den Menschen zu helfen.“

Hilfsbereitschaft bereichert. Ähnlich sieht das auch Pia Hellbert, die seit sechs Jahren mit Stefan die Weihnachtsschicht übernimmt: „Ich liebe das Vereinsleben, und es ist ein wirklich schönes Gefühl Menschen zu helfen. Es bereichert einen. In meiner Arbeit im Krankenhaus und in meiner Tätigkeit für das Rote Kreuz lerne ich viel für mein eigenes Leben. Die Stärke, die viele Menschen in den Ausnahmesituationen entwickeln, ist beeindruckend. Mich freut es immer, wenn Menschen aufgrund unserer Anwesenheit ruhiger werden. Ihnen ist etwas Schlimmes widerfahren, und sie sind klarerweise aufgeregt, aber dann, wenn sie sich durch uns gut betreut fühlen, beruhigen sie sich und begeben sich vertrauensvoll in unsere Hände.“ Hellbert wird zu Weihnachten nach einer Zwölf-Stunden-Schicht um 19 Uhr nach Hause fahren, um zumindest den Abend mit ihrer Familie zu feiern.

Rotes Kreuz als zweite Familie. Mirijam Loewit und Stefan Jovljevic haben sich für einen 24-Stunden Dienst gemeldet. Unterstützt werden sie dabei durch Simeon Trenkwalder und Elias Loe-wit – Mirijams Bruder. Seit 2016 melden sich die Geschwister jährlich für den 24. Dezember – das habe Tradition. „Ich arbeite gerne an Weihnachten. Meine Kammeraden habe ich sehr liebgewonnen. Die Rettung ist meine zweite Familie. Und zu Weihnachten sind auch mein Bruder und meine beste Freundin Pia im Einsatz. Dieser Dienst ist wirklich besonders. Den Leuten ist die Freiwilligkeit dessen, was wir tun, an Weihnachten noch stärker bewusst, und ihre Dankbarkeit artikulieren sie auch dementsprechend. Wenn wir nicht im Einsatz sind, verbringen wir die Zeit gemeinsam in unserem Aufenthaltsraum. Dieser wurde mit Lichterketten geschmückt, und es gibt sogar einen Christbaum. Also ist für Weihnachtsstimmung gesorgt. Das Essen wird uns an diesem Tag von der Bezirksstelle spendiert, und auch wenn das unterm Jahr eigentlich nie funktioniert, geht es sich an Weihnachten meistens aus, dass wir in Ruhe essen“, berichtet Loewit, die das Miteinander in ihrer „zweiten Familie“, der Bezirksstelle des Roten Kreuzes Telfs, sehr schätzt. Wie sich gezeigt hat, ist in diesem Jahr ein wahrhaft eingeschworenes Team im Einsatz, und vielleicht folgen ihnen bald jüngere, ebenso motivierte Menschen nach.
 
Freiwillig zu Weihnachten im Einsatz
Die jungen Rettungssanitäter arbeiten während andere im Kreise ihrer Familie feiern. Fotos: Rotes Kreuz Telfs
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