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Telfs | Chronik | 7. März 2022 | Beatrice Hackl

„Hundeasyl“ gibt Vierbeinern eine zweite Chance

„Hundeasyl“ gibt Vierbeinern eine zweite Chance
Die Hunde von Klaus und Heidi Neuner stammen aus schwierigen Verhältnissen und erhalten bei ihnen die Chance auf ein neues Leben.RS-Fotos: Hackl
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Aus Liebe zu den Hunden klingelt der Wecker der Scharnitzer Heidi und Karl Neuner an 365 Tagen im Jahr um vier Uhr

Der Hund wird oft als der beste Freund des Menschen bezeichnet. Ein großes Herz für die Vierbeiner beweisen Heidi und Karl Neuner aus Scharnitz seit Jahren. Immer dann, wenn andere bei vermeintlichen Problemhunden an ihre Grenzen stoßen oder Hunde in Not geraten, sind die zwei Tierliebhaber sofort zur Stelle und helfen. Aktuell geben sie 13 Hunden ein zuhause und somit zugleich eine zweite Chance.
Von Beatrice Hackl

Heidi und Klaus Neuner selbst wohnen inmitten des Dorfes. Ihre Hunde hingegen haben größtenteils ein „Eigenheim“ am Ortsrand. Auf einem für die Hundehaltung angekaufte und auch für diesen Zweck gewidmeten Grundstück – einer Sonderfläche für Hundehaltung– hat der Hundeliebhaber 16 Hundehütten errichtet, die er doppelt isoliert hat. Jede einzelne wurde zudem sowohl mit Licht als auch mit einer Heizung versehen und bietet rund 100 qm Auslauffläche. Jeder Tag im Leben des 80-Jährigen ist ein bewegter. Damit alle Hunde genügend Auslauf bekommen, legt er täglich noch immer mehrere Kilometer zurück. Um dieses Pensum inklusive der Versorgung und der Pflege der Hunde zu bewältigen, startet der Pensionist an 365 Tagen im Jahr um vier Uhr morgens in den Tag. „Krank sein geht nicht. Meist habe ich pro Jahr zwischen 6.500 und 7.000 Kilometer mit den Hunden zurückgelegt. Mittlerweile sind es wohl aufgrund des Alters etwas weniger.“ Seine Frau Heidi wird in diesem Jahr 80, und auch sie ist dank der Hunde noch fit wie ein Turnschuh. Um einen Hund aus einer misslichen Lage zu retten, „spazierte“ sie mit dem Vierbeiner von Mittenwald bis nach Scharnitz.

Ein Leben für die Hunde. Karl Neuner ist mit Hunden aufgewachsen und hat später selbst stets einen als Lawinenhund ausgebildeten Schäfer gehalten. Eines Tages ist auf Huskys umgestiegen – eine lehrreiche Erfahrung, wie er selbst sagt: „Man unterscheidet fünf große Hunderassen: Hirtenhunde, Schlittenhunde, Terrier, Lagerhunde und Jagdhunde. Sie alle haben ihre spezifischen Eigenheiten. Aber Huskys sind genau genommen keine Hunde, denn sie sind nicht unterwürfig. Wenn Hunde die Wahl haben, suchen sie immer die Nähe des Menschen. Huskys hingegen suchen ihresgleichen. Eine Lektion, die ich damals erst lernen musste.“ Mit der Zeit ist er aber auch mit diesen Vierbeinern zusammengewachsen und konnte sie als Schlittenhunde einsetzen. So sah man ihn immer wieder im Gelände mit einem Achter- oder sogar einem Zehnergespann.

Problemhunde – der falsche Hund bei den falschen Leuten. Das „Hunde-asyl“ fungiert mitunter auch als Hundepension. Wer in den Urlaub fährt, kann seinen vierbeinigen Freund in die Obhut von Heidi und Klaus Neuner geben. Ihr Händchen für Hunde und insbesondre für „Problemhunde“ hat sich mittlerweile herumgesprochen und so wenden sich neben Privatpersonen auch der Tierschutz sowie Tierärzte an die beiden. Früher haben die beiden aufgefangene Hunde auch wieder weitervermittelt, aber leider meist erfolglos: „Fast alle Hunde landeten nach kürzester Zeit ohnehin wieder bei uns und diesem Stress wollen wir die Hunde nicht mehr aussetzen, weshalb wir mittlerweile 13 eigene haben.“ Auch bei sogenannten „Problemhunden“ sei der Hund an sich laut Karl Neuner, eigentlich nicht das Problem: „Bei mir wird kein Hund eingeschläfert. Wenn es zwischen Hund und Herrchen nicht funktioniert, ist meiner Erfahrung nach der falsche Hund bei den falschen Leuten. Wir sind bis zum heutigen Tag noch an keinem Hund gescheitert. Es ist uns immer gelungen die Hunde bestens zu integrieren. Viele Hunde, die bei uns eintreffen, sind anfangs völlig verängstigt. Ihnen muss man Zeit geben, damit sie sich in Ruhe davon überzeugen können, dass ihnen nichts passiert.“

Ein Gespür für Hunde. „Für Tiere braucht man zudem ein gewisses Gespür und das ist nicht allen Menschen gegeben. Das lässt sich ungefähr so veranschaulichen: Jeder kann ein Instrument erlernen, aber das macht ihn noch lange nicht zu einem guten Musiker. Dafür braucht es auch eine gewisse Begabung, ein Gefühl, ein Gespür bzw. ein musikalisches Gehör“, schildert der Tierliebhaber und führt weiter aus: „Nicht selten werden die Tiere vermenschlicht. Viele gehen davon aus, dass der Hund das gleiche braucht wie ein Mensch, was ein großer Fehler ist. Die Hunde, die bei uns landen, haben meist eine schlimme Vorgeschichte. Wir haben Hunde hier, die wortwörtlich als Spielzeug für Kinder angeschafft wurden. Sobald die Kinder mit dem Spielen fertig waren, wurde der Hund in eine Kiste gesperrt, ein anderer wurde lange Zeit mit einer Kuhkette angebunden, während wieder ein anderer als reiner Wohnungshund ohne jegliche Bewegung gehalten wurde.“

Spendenkonto für Tierarztkosten. Das Ehepaar Neuner stellt seine Zeit gänzlich in den Dienst der Problemhunde. Sie sind ihr Leben, und trotz des großen Arbeitspensums wirkt die Anlage sehr gepflegt. Über die Jahre wurden ihnen dennoch immer wieder Steine in den Weg gelegt, mittlerweile sei es allerdings ruhiger geworden. Was den beiden Pensionisten jedoch am meisten zu schaffen macht, sind die Tierarztkosten. „Unser Tierarzt ist uns zwar wohlgesonnen, aber dennoch sind die anfallenden Kosten eine echte Belastung. Nicht zu unterschätzen sind natürlich auch die Kosten für Strom und Futter“, lässt Heidi wissen. Wer sich an den Tierarztkosten für die vom Schicksaal gebeutelten Hunde beteiligen möchte, kann dies mittels einer Spende tun – jede Spende hilft: IBAN: AT283631400030078273, BIC: RZTTAT22314.
 
„Hundeasyl“ gibt Vierbeinern eine zweite Chance
Jede Hundehütte ist isoliert und sowohl mit einer Beleuchtung als auch mit einer Heizung versehen.
„Hundeasyl“ gibt Vierbeinern eine zweite Chance
Jede Spende hilft: IBAN: AT283631400030078273, BIC: RZTTAT22314.
„Hundeasyl“ gibt Vierbeinern eine zweite Chance
Die einstigen Problemhunde zeigten sich ausgeglichen, ruhig und verschmust.
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