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Telfs | Chronik | 13. Dezember 2021 | Beatrice Hackl

Lachen und Humor sind die beste Medizin

Lachen und Humor sind die beste Medizin
Im Bild: Clownin „Wilma“ bei ihrer humorvollen Arbeit. Die Fotos zu diesem Beitrag sind vor dem Ausbruch der Covid-19 Pandemie entstanden. „Rote Nasen“ halten sich an alle gesetzlich vorgeschriebenen Abstands-, und Hygienebestimmungen. Fotos: Rote Nasen/Andrea Weber-Stricke
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Die „Rote Nasen Clowndoctoren“ erleichtern mit Humor, Empathie und Überraschungen das Leben in schweren Zeiten

Menschen in herausfordernden Lebenslagen zur Seite zu stehen, das ist die Motivation, die „Rote Nasen Clowndoctoren“ täglich zu kranken und leidenden Menschen führt – und das seit 25 Jahren. Gabriela Fuchs ist eine von ihnen. Als Clownin „Wilma“ sorgt sie seit über 17 Jahren unter anderem im Landeskrankenhaus Hochzirl, in Innsbruck sowie in Altersheimen für Lacher. Die RUNDSCHAU hat sich mit der Clownin über ihre besondere Berufung unterhalten.
Von Beatrice Hackl

Was unterscheidet „Rote Nasen Clowndoctoren“ von einem Zirkusclown? „Ich selbst kann Zirkusclowns nicht unbedingt leiden. Wir sind anders. Das lässt sich nicht vergleichen, da wir ausgereifte Charaktere sind. Hinter jedem Clowndoctor steckt eine Geschichte“, erklärt Fuchs. 30 Jahre lang hat sie im Sozialbereich als Sonderkindergärtnerin gearbeitet. Fuchs habe eigenen Angaben zufolge auch eine ernste Seite, aber bereits zu Schulzeiten habe sie gerne den Klassenkasperl gegeben. Heute bestreitet sie ihren Lebensunterhalt als Clowndoctorin. Wenn Gabriela Fuchs als „Rote Nasen Clowndoctorin“ ein Zimmer betritt, hellt sich die Miene der Patienten auf. Bei ihren Visiten sind die Clowns zu zweit im Einsatz und konzentrieren sich nicht ausschließlich auf die Kranken, sondern auch auf deren Umfeld.

„Der schönste Beruf der Welt“. „Als Clowndoctoren schenken wir kurze, schöne Momente. Eine empathische Institution ist dabei unerlässlich, um zu spüren wo man zu viel ist, wo man fehl am Platz ist. Aber im Idealfall lachen die Patienten über uns Clowns und können dadurch kurz der harten Realität entfliehen. Wenn auf der Psychiatrie Jugendliche über uns lachen, fiel schon des Öfteren der Satz – ‚Ihr seid ja noch schräger als wir‘. Unser Ziel ist es, eine gewisse Leichtigkeit zu ermöglichen. Ich habe meine Gitarre dabei sowie einen Koffer voller Tools, mit denen ich und mein Partner improvisieren können. Wir reagieren natürlich auch auf Tagesthemen, so haben wir kürzlich Nikolaussäckchen an Kinder und Erwachsene verteilt. Für mich ist dieser Beruf ganz klar der schönste der Welt“, zeigt sich Fuchs von ihrer besonderen Tätigkeit begeistert.

„Wilma“ die Clownin. Zu Beginn ihrer Tätigkeit als Clownin war Fuchs Freiberuflerin. Mittlerweile ist sie seit drei Jahren fix angestellt. „Es handelt sich um einen professionellen Beruf. Wir werden entsprechend ausgebildet und absolvieren regelmäßig Workshops bei renommierten Lehrern aus aller Welt. Der Job bzw. die Schicksale der Menschen können einen sehr belasten, weshalb Reflexion und Supervisionen ein fixer Bestandteil unserer Arbeit sind. Wir kommen immer wieder mit schweren Themen in Berührung. Aber es ist unsere Aufgabe, etwas Positives, Schönes in das Leben der Menschen zu bringen. Die Kinder und Menschen, die wir besuchen, brauchen vieles – aber kein Mitleid“, verdeutlicht Fuchs und erinnert sich an ihre eigene Kindheit: „Mein Vater ist körperlich behindert und sitzt folglich im Rollstuhl. Ich kannte meinen Vater nicht anders, mich haben die mitleidigen Blicke irritiert. Ich empfand sie als unangenehm.“

Emotionale Begegnungen. „In Hochzirl und in Altersheimen erlebe ich immer wieder sehr berührende Momente. Ich denke dabei an demente, apathische Menschen – daran, wie wieder Leben in ihre Gesichter Einzug hält, sobald wir alte Lieder singen. Menschen die normalerweise kein Wort mehr sprechen, singen plötzlich mit. Das ist unsagbar schön“, zeigt sich Fuchs begeistert. Auch für Kinder haben die Clowns ein eigenes Programm im „Koffer“. Mit dem „Karawanen Orchester“ treten sie an Sonderschulen auf. „Wir bieten den Kindern ein sehr niederschwelliges Mitmachstück. Darin werden die Kinder unter anderem mit Namen besungen. Dabei fließen mitunter Freudentränen, bei den Kindern und bei einem selbst. Tränen fließen erfahrungsgemäß auch immer wieder auf der Frühchenstation, wenn wir den Müttern mit einem Ständchen gratulieren. Insbesondere auf der Kinder-Onkologie sehen wir einige der kleinen Patienten regelmäßig und man kennt ihre Geschichte. Es ist schön zu wissen, dass sie einen oft sehnsüchtig erwarten.“

Besonderheiten durch die Pandemie. Aufgrund von Corona war es den Clowndoctoren einige Zeit nicht möglich ihre Visiten zu absolvieren. Mit viel Kreativität wurden Wege gefunden, um den Patienten via Zoom oder im Garten, auf Terrassen und notfalls auch vor dem Fenster, mittels Kran wieder ein Lächeln zu entlocken. Mittlerweile ist Gabriela Fuchs geimpft und lässt sich regelmäßig testen (PCR), um mit Maske persönlich bei den Patienten vorstellig zu werden. „Durch die Masken fehlt aber leider die Mimik. Das ist schade, denn die Körpersprache spielt in unserer Arbeit eine wichtige Rolle“, verdeutlicht Fuchs, die sich an ein eindrückliches Erlebnis auf der Augenambulanz erinnert: „Alle saßen mit Abstand und Maske im Warteraum. Jeder war für sich und die Menschen interagierten nicht. Wir kamen singend in den Raum, haben die Totenstille aufgebrochen und konnten für Leichtigkeit sorgen. Dieser Einsatz hat beide Seiten beflügelt und zugleich bewiesen, dass Lachen sowohl für die Psyche als auch für den Köper gut sind.“

Clowndoctor werden: Das Tiroler Team ist auf der Suche nach Verstärkung. Infos unter: www.rotenasen.at.
 
Lachen und Humor sind die beste Medizin
Heilsames Lachen: „Rote Nasen Clowndoctoren“ schenken in schweren Zeiten ein Lächeln, Hoffnung und Lebensmut.
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