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Telfs | Chronik | 23. Jänner 2023 | Schretter und Hackl

Telfer Hufschmied adoptiert Friesen

Telfer Hufschmied adoptiert Friesen
Der Telfer Hufschmied Stefan Seelos mit seinem Jelte – ein Dreamteam. Foto: Österreichischer Tierschutzverein
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Das Friesen-Pferd Jelte traf mit einer schmerzhaften Huferkrankung in der Pferdeklappe in Reutte ein

Es gibt sie, diese ganz besonderen Momente, wenn Träume wahr werden – auch für Pferde: Das Friesen-Pferd Jelte des Österreichischen Tierschutzvereins hat seinen Lebensplatz gefunden – und zwar den absolut bestmöglichen. Der erfahrene Telfer Hufschmied Stefan Seelos hat sich des Walachs angenommen. Ein großes Glück für das Pferd.
Von Schretter und Hackl

„Jelte“ drückt – im wahrsten Sinne des Wortes – der Schuh. Der Wallach stand deshalb bereits mit einem Huf auf der Schlachtbank. Doch der Reihe nach: „Jelte erlitt einen Nageltritt. Außerdem hat sich zusätzlich eine Hufrehe entwickelt. Das ist eine Entzündung vom Hufbeinträger bzw. der Huflederhaut. Durch diese Entzündung der Huflederhaut löst sich die Hufkapsel von der Lederhaut ab. Beides wurde nicht optimal behandelt und zog schlimme Folgen nach sich. Jelte hätte deswegen eingeschläfert werden sollen“, erzählt Ingrid Schätzle, die Hofleiterin der Pferdeklappe in Reutte. Ob der Friese bei einem Ausritt auf einen Nagel getreten ist oder ob ein Hufschmied beim Beschlagen einen Nagel falsch gesetzt hat, kann heute nicht mehr festgestellt werden. Bei richtiger Behandlung wäre beides nicht besonders schlimm gewesen. „Die gab es aber nicht“, verdeutlicht der Telfer Stefan Seelos. Er ist Hufschmied aus Leidenschaft. Denn wer am Pferd arbeitet, kann das – seiner Meinung nach – nicht nur des Geldes wegen machen. Er unterstützt den Österreichischen Tierschutzverein in der Pferdeklappe in Reutte wo er nur kann, kommt sonntags, macht Spezialbeschläge und liebt „seine“ Pferde, wie er sie gerne bezeichnet, ganz einfach.

Hufschmied mit Know-how. „Ich mache meinen Beruf ja aus echter Leidenschaft und arbeite gerne sieben Tage in der Woche. Eigentlich wollte ich das reduzieren und hab mir vorgenommen sonntags nicht zu arbeiten. Dann bin ich auf die Pferdeklappe gestoßen. Jetzt bin ich am Sonntag eben hier“, berichtet der Telfer Hufschmied. Seelos verfügt über jahrzehntelange Berufserfahrung und versucht Jeltes Hufe zu retten: „Durch einen Nageltritt hatte er eine Verletzung am Huf. Aufgrund eines komplett falschen Beschlags hat sich alles entzündet. Zudem hat sich eine Hufrehe – eine für ein Pferd wahnsinnig schmerzhafte Krankheit – gebildet. Gebe es diese großartige Möglichkeit der Pferdeklappe nicht, wäre dieses wunderschöne Pferd ziemlich sicher eingeschläfert worden. So einen „Pfusch“ wie bei dem Friesen habe ich in meiner gesamten Karriere noch nicht gesehen. Unser Glück ist, dass dieses Ross wahnsinnig brav und kooperativ ist. Dadurch können wir ihn sehr gut versorgen und haben beste Chancen ihn wieder reitbar zu bekommen. An dieser Stelle muss auch dem Österreichischen Tierschutzverein gedankt werden, denn ohne diese Einrichtung und der finanziellen Zuwendung durch den Verein wäre schon der Versuch einer Heilung unmöglich.“

Seelos adoptiert Friesen. „Jelte“, der schöne pechschwarze Friese, gehört zu den größten und stattlichsten Pferden, die in der Pferdeklappe in Reutte betreut wurden. Für das Pferd war das ein sehr großes Glück, denn so konnte das Tier vor dem Schlachter gerettet werden. In Zusammenarbeit mit Hufschmied Stefan Seelos konnte Jeltes Huf gerettet und beinah geheilt werden. Über den gesundheitlichen Aspekt hinaus hegen die Mitarbeiter des Österreichischen Tierschutzvereins den Wunsch, für jedes Pferd den perfekten Menschen zu finden. Im Fall von Jelte waren die Anforderungen groß: Perfekte medizinische Versorgung, ein Hufschmied mit großem Fachwissen, umfangreiche Erfahrung mit der Krankheit Hufrehe und den dazu notwendigen Futter- und Weiderichtlinien sind nur einige Aspekte, die es zu erfüllen galt.  Schließlich kam Hofleiterin Ingrid Schätzle eine Idee: Sie war davon überzeugt, dass der Hufschmied Stefan Seelos – der Jelte von Tag eins an in der Pferdeklappe betreute – der ideale Adoptant für den Friesen wäre. „In einer ruhigen Minute habe ich Stefan gefragt, und er war sofort Feuer und Flamme“, erzählt sie. Bis zu Jeltes Auszug verging jedoch noch etwas Zeit, denn die Übergabe sollte erst nach dem Behandlungsende erfolgen, um Jeltes Hufrehe durch den Umzugsstress nicht wieder aufflammen zu lassen. Jetzt, mehr als ein Jahr nach Jeltes Aufnahme in der Pferdeklappe, genießt der Friese sein Leben in den Tiroler Bergen. Er hat mit dem Telfer Hufschmied das große Los gezogen.
 
Telfer Hufschmied adoptiert Friesen
Der Friese kam mit großen Schmerzen in die Pferdeklappe. Foto: Österreichischer Tierschutzverein
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