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Telfs | Chronik | 7. September 2020 | Beatrice Hackl

„Und Action!“ – hieß es kürzlich im Sellrain

„Und Action!“ – hieß es kürzlich im Sellrain<br />
Johannes Krisch (Elias 60) bei den Dreharbeiten im Sellraintal: Der Film „Märzengrund“ wird im Herbst 2021 in den Kinos zu sehen sein. Foto: Metafilm/Paul Sprinz
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Regisseur Adrian Goiginger und Drehbuchautor Felix Mitterer widmen sich der Lebensgeschichte eines Tiroler Einsiedlers

Die Dreharbeiten laufen auf Hochtouren: Adrian Goiginger verfilmt nach seinem Sensationsdebüt „Die beste aller Welten“ in seinem zweiten Spielfilm Felix Mitterers „Märzengrund“. Die von wahren Begebenheiten inspirierte Geschichte ist die eines reichen Bauernsohns, der anstatt sein Erbe anzunehmen, auf eine Almhütte im Hochtal Märzengrund flüchtet, um dort über 40 Jahre als Einsiedler zu leben. Die RUNDSCHAU hat sich mit dem jungen Filmemacher unter anderem über das Drehbuch, die Arbeitsweise und die Location „Sellraintal“ unterhalten.
Von Beatrice Hackl

RS: Was macht diese Geschichte für Sie so besonders?
Goiginger:
Ich finde es total faszinierend und berührend, dass jemand so konsequent seinen Weg geht und ganz beharrlich das durchzieht, was ihn seines Erachtens frei und glücklich macht. Insbesondere zu jener Zeit. Wir reden ja von den 60er-Jahren im Zillertal. Damals war es wohl noch völlig unvorstellbar, dass der einzige Sohn eines Bauern sein Erbe nicht antritt, alles hinter sich lässt und in die Berge geht. Die ganze Lebensgeschichte vom Elias ist wahnsinnig berührend.

RS: Worin sehen Sie die aktuelle Relevanz der Thematik begründet?
Goiginger:
Ich glaube, dass uns die Corona-Krise nun vor Augen geführt hat, wie komisch unser Leben und unsere Gesellschaft sind. Wie abhängig wir uns gemacht haben, von allen möglichen Dingen. Ich glaube, es hat schon viel früher angefangen. In der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts haben wir das Karieredenken und dergleichen extrem in den Vordergrund gestellt, sodass das Glücklichsein oft nicht mehr besonders wichtig war. Deshalb ist der Drang auszubrechen im Grund ganz tief in den Menschen verankert.
RS: Wie bereiten Sie sich auf ein Filmprojekt vor?
Goiginger: Ich caste sehr viel und probe dann auch viel und lange mit den Schauspielern. Die Proben können sich durchaus über Monate hinziehen. Ich schreibe viele Fassungen und recherchiere sehr viel, probiere herum. Ich versuche immer, ein Gespür für den Film bzw. die Emotion des Films im Vorfeld festzulegen.

RS: Seit wann arbeiten Sie bereits an diesem konkreten Projekt?
Goiginger:
Ich wurde im Februar 2019 angefragt und habe ca. einen Monat später zugesagt. Dann ist alles langsam angelaufen. Im Sommer habe ich mich mit Felix Mitterer getroffen, habe die Originalmotive angeschaut. Im Herbst kam die erste Förderzusage, somit haben wir angefangen das Drehbuch zu schreiben. Und seit April haben wir angefangen, Vollgas zu geben und begonnen vorzuproduzieren.

RS: Wie gestaltete sich die Zusammenarbeit mit Felix Mitterer?
Goiginger:
Also, die Grundlage war ja sein Theaterstück. Er hat dann selber daraus ein Treatment geschrieben: ein 60-seitiges Dokument. Ich habe aus diesem Treatment dann ein Drehbuch gemacht. Geschrieben habe ich es alleine, aber wir – der Felix Mitterer und ich – haben uns jedoch laufend ausgetauscht. Ich habe ihm immer wieder Fassungen geschickt, und er hat mir seine Meinung dazu gesagt. Nach mehreren Feedbackrunden und diversen Treffen ist es uns gelungen, eine Drehbuchfassung zu erarbeiten, mit der wir beide sehr zufrieden sind.

RS: Wie verlief das für Tirol angesetzte Casting – Ende des 2019?
Goiginger:
Eigentlich sehr gut. Wir waren auf der Suche nach Jungs und Mädels im Alter von 16 bis 22. Beworben haben sich dann ein paar Hundert. 600 oder so und rund 120 haben wir nach Innsbruck eingeladen. Und da waren auch gleich unsere zwei Hauptdarsteller dabei, der Jakob Mader und die Iris Unterberger. Beide haben etwas Schulthea-tererfahrung gesammelt aber das ist ihre erste Filmrolle.

RS: Stimmt es, dass Sie generell gerne mit Laienschauspielern zusammenarbeiten? Worin liegen Ihres Erachtens deren Stärken?
Goiginger:
Naja, bei Kindern und Jugendlichen ist es ja fast zwangsläufig so, dass sie Laien sind, weil es einfach sehr wenig Jugendliche gibt, die bereits Profischauspieler sind, aber auch bei Erwachsenen, weil die einfach weniger nachdenken. Sie machen meistens das, was sie selber sind, und man kann die Rolle dann einfach ein bisschen nach ihnen schreiben. Beim Jakob und der Iris war es beispielsweise so, dass sie von ihrer Persönlichkeit her schon viel mitbringen, was auf die Rollen passt. Das ist natürlich viel einfacher als bei erwachsenen Schauspielern. Die Eltern beispielsweise werden von Gerti Drassl und Harald Windischverkörpert. Privat unterscheiden sich die beiden ganz stark von ihren Rollen. Sich so vehement zu verändern, gelingt aber meist nur professionellen Schauspielern.

RS: Wie haben Sie die Dreharbeiten im Sellrain erlebt?
Goiginger:
Es war wahnsinnig beeindruckend vom Panorama her. Es ist einfach eine sehr schöne Location. Wettertechnisch hatten wir erfreulicherweise Glück. Auf 2.000 Metern wären wir dem Wetter ja recht schonungslos ausgeliefert gewesen. Es hat sich voll ausgezahlt, wir konnten spektakuläre Bilder einfangen. Die Abgeschiedenheit die wir brauchen, das Unberührte und Untouristische ist da in diesen Ecken im Sellrain, in denen wir gedreht haben, auf jeden Fall noch gegeben.

RS: Worin bestand die größte Herausforderung?
Goiginger:
Im Grunde war alles, was mit Wetter und Transport zu tun hatte recht schwierig. Der Helikop-ter war oft im Eimsatz. Wir haben ja teilweise die Hütten rauffliegen müssen. Die Organisation, und dass alles am richtigen Tag da ist, bzw. auf .000 Meter Höhe wettergeschützt ist – war sicher die größte Herausforderung.

RS: Wann wird der Film fertig und in den Kinos zu sehen sein?
Goiginger:
Voraussichtlich im Herbst 2021.

Vielen Dank für das Gespräch.

 
„Und Action!“ – hieß es kürzlich im Sellrain<br />
Dreharbeiten Märzengrund: Paul Sprinz (Kamera), Adrian Goiginger (Buch und Regie), Klemens Hufnagl (Kamera), Rupert Henning, (Produzent/WHee Film) Johannes Krisch (Schauspieler/Elias 60), Verena Altenberger (Schauspielerin/Moid), Michael Cencig (Produzent/Metafilm) und Isabelle Welter (Produzentin/WHee Film). Foto: Georg Mayrhofer
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