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Telfs | Kultur | 12. April 2021 | Lia Buchner

Alles richtig gemacht

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Der Familienmensch. Michael Tschuggnall mit seinen Eltern, seiner Frau Claudia und den Kindern Noah und Maya. Fotos: Tschuggnall
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RUNDSCHAU Gespräch mit dem ersten „Starmania“-Sieger Michael Tschuggnall

Lange Zeit war es still um ihn, in den letzten Wochen aber las man überall von Michael Tschuggnall. Die RUNDSCHAU fragte bei ihm nach.
Von Lia Buchner

Im Moment geht die x-te „Starmania“-Staffel des ORF in die Finalrunde und wird den x-ten „Starmania“-Sieger küren. Wer kann sich an all die Namen erinnern. Aber einer ist allen im Gedächtnis geblieben: Michael Tschuggnall aus Telfs, Sieger der allerersten Staffel. „Ja, es ist interessant, dass sich aktuell so viele Medien für mich interessieren. Warum auch immer, ich kann es nicht erklären. Vielleicht der Mangel an Kulturthemen?“ 
Damals, als Castingshows noch unverbraucht und endlos aufregend waren, rechnete niemand – nicht einmal die Macher – damit, welchen Sturm der Begeisterung sie damit lostreten würden. Michael Tschuggnall, 2002 Informatikstudent im dritten Semester und aus hochmusikalischem Haushalt – die Eltern beide Musiklehrer, beide Brüder im Musikgeschäft – hatte das ebenfalls nagelneue RTL Format ‚Popstars‘ „sehr cool“ gefunden und bewarb sich nach Beratung mit seiner Freundin Claudia „eher zufällig beim ORF, das war einfach der nächst mögliche Termin. Ich hätte mich bei allen beworben“. Zu Hause erzählte er erstmal nichts. 
Als Student zu „Starmania“. „Am Anfang habe ich während der Show noch meinen Laptop mitgenommen und Hausübungen gemacht. Ich dachte mir, wenn die mich hier am Freitag rauswerfen, muss ich ja am Montag wieder auf die Uni.“ Ein Semester zu verlieren kam für ihn lange nicht in Frage. Doch irgendwann war klar, dass sich beides nicht mehr ausgeht und er entschied sich für eine Studienpause. „Nach ‚Starmania‘ hätte ich auch gar nicht gewusst, wie ich wieder auf die Uni gehen soll. Darf ich als ‚Popstar‘ ganz normal studieren? Ich konnte ja nicht einmal einkaufen gehen, ohne dass mich alle angesprochen haben.“

„Gute“ Ratschläge. Der ganze Rummel begann ihn zu nerven. „Wildfremde Menschen dachten damals, sie haben ein Anrecht auf Redezeit mit mir, weil sie ja für mich angerufen haben.“ Auch der Druck der Sendungsmacher, ihn zu einer showtauglichen Figur zu stylen, nervte. „Zu viel tanzen, was einfach nicht meins ist; die Homestorys, je intimer, je lieber; oder die Freundin verleugnen, sonst bekommst du weniger Stimmen. Man war immer in Gefahr, Dinge zu tun, die man so nicht will. Und eine Million Leute schauen dabei zu.“ Je länger die Show dauerte, je weniger Kandidaten noch dabei waren, desto mehr Bedarf an Aufregern abseits des Singens hatte der Sender. „Ich habe erst lernen müssen, bei Interviews durchzureden, damit sie meine Aussagen nicht abschneiden und in einem verfälschten Zusammenhang montieren können.“

Autogrammstunde. Nach dem Sieg kam dann die Ochsentour der Vermarktung: Autogrammstunden im Inntalcenter, Starnacht am Wörthersee, Charity Galas mit Hinz und Kunz, Händeschütteln. „Am Anfang war das lustig – nein, lustig war das nie – vielleicht schmeichelhaft, wenn 2.000 Leute kommen, die dich gut finden. Aber die fanden mich nur gut, weil sie mich kannten, nicht weil sie meine Musik mochten. So hätte ich nicht weitermachen können.“ 

Nur mit Skandal. Also hörte Michael Tschuggnall auf mit dem Autogrammeschreiben und machte wieder Musik. Als er dann nach einem Jahr mit neuen Songs und einem Demo-Band zum ORF ging, wurden die Gesichter lang. „Ja, die Musik ist super, sagten sie. Wenn Du ein etablierter Musiker wärst, kein Problem. Aber jetzt ist es schwierig, jetzt bräuchten wir am besten einen Skandal. Dann spielen wir alles.“ Heute lacht Michael Tschuggnall darüber.

Überflieger. In diesen Jahren wurde ihm klar, dass mit seiner Art als Musiker zu arbeiten – in seinem Tempo, mit den nötigen Pausen und viel Platz für sein Privatleben – kein Weiterkommen war. „Ich war schon immer so: Solange es leicht geht, ist es OK. Aber um noch ein klein wenig besser zu werden, müsste man viel, viel mehr Zeit investieren, da steige ich dann meistens aus.“ Mit dieser Methode wurde er als Jugendlicher Tiroler Tennismeister, spielte sich im Volleyball in die Landesliga, und gewann eben „Starmania“. Also ging Michael Tschuggnall schließlich zurück an die Uni und schloss sein Master- und Doktoratsstudium – typisch Überflieger – mit Auszeichnung ab. Heute arbeitet Michael Tschuggnall, Ph.D. als wissenschaftlicher Mitarbeiter am Institut für Informatik – in seinem Tempo und mit viel Platz für sein Privatleben. Erkannt wird er immer noch, es ist aber nicht mehr nervig. Seine Freundin Claudia hat er geheiratet, seine beiden Kinder gehen bereits in die Telfer Musikschule. „Auf eigenen Wunsch. Im ersten Lockdown haben wir alles Mögliche zur Unterhaltung hervorgekramt, auch das Keyboard. Noah hat es entdeckt und ist jetzt voll dabei. Auch Maya geht in die musikalische Früherziehung. Sie singt so gerne!“
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Viel Platz für sein Privatleben: Michael Tschuggnall hat alles richtig gemacht.
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