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Telfs | Kultur | 1. März 2021 | Lia Buchner

Den Nerv getroffen

Den Nerv getroffen<br />
„Man gibt so viel Emotionen preis.“ Die beiden Telfer Musiker Dorian Windegger und Philipp Köll sind seit drei Jahren „Neon Neet“.
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Zwei Telfer in Wien erobern mit Elektropop FM4-Charts

Wenn die beiden Telfer Dorian Windegger und Philipp Köll gemeinsam Musik machen, sind sie immer zu dritt: Ohne Computer geht gar nichts. Ihr experimentelles Projekt „Neon Neet“ ist damit in Wien enorm erfolgreich.
Von Lia Buchner

Ihre musikalischen Wurzeln haben beide in der Musikschule Telfs und in Bands mit Schulkollegen am Meinhardinum. Dann trennten sich ihre Wege. Dorian Windegger studierte Jazzklavier am Tiroler Landes-konservatorium, dann an der Universität für Musik und darstellende Kunst in Wien. Philipp Köll spezialisierte sich auf Audio, studierte an der FH Salzburg Multimedia und arbeitet mittlerweile in Wien als Produzent. Vor drei Jahren hatten die beiden die Idee, mit elektronischem Sound tanzbare Musik zu machen. Und haben schon mit der ersten Single einen Nerv getroffen. Der Radiosender FM4 war begeistert, zwei von ihren bisher drei Singles waren in den FM4-Charts, jede neue Single wird vom Sender ins Programm genommen – eine Auszeichnung, nach der sich Newcomer oft vergeblich sehnen. Trotzdem ist Dorian Windegger zurückhaltend: „Man hält sich dann für österreichweit relevant, aber sicher gibt es auch eine ‚FM4 Blase‘“. Gelegentlich wird „Neon Neet“ auch auf Radio Tirol gespielt, „die Reaktion der Moderatoren ist dann witzig, zwischen ‚Puh, was war denn das?‘ bis zu ‚cooles Projekt‘“, amüsiert sich Windegger. 

In die große Welt. Aber grundsätzlich möchten sich die beiden Musiker gar nicht so sehr auf Österreich konzentrieren, sondern lieber die Fühler in die weite Welt ausstrecken. Der um vieles größere Markt in den USA, in England oder Deutschland lockt sie. Deshalb arbeiten sie weiter an ihrem Portfolio. Bis Ende 2021 sollen vier weitere Singles entstehen, um dann zu Beginn des nächsten Jahres mit einem Album in die Öffentlichkeit zu gehen. 

Lieber Englisch. Neue Songs beginnen meist mit einer musikalischen Idee von Philipp Köll, der „ohne theoretischen Background richtig komplexe Musik aus dem Stand heraus macht. Das ist faszinierend. Davon lasse ich mich dann zu Text und Gesang inspirieren“, erzählt Windegger. Er singt auf Englisch, mit deutschen Texten hatte er auf der Uni viel probiert, aber immer das Gefühl gehabt, dass die Sprache phonetisch zu hart ist für ihre Art der Musik. „Und als Sänger ist es angenehmer, sich ein bisschen hinter einer Fremdsprache verstecken zu können. Man gibt so viele Emotionen preis, da fühlt man sich mit Englisch nicht so angreifbar.“

Tabuthemen. Die Emotionen sind bisher oft melancholisch gewesen. Man sagt „Neon Neet“ einen dunklen Sound nach. „Das war gar nicht beabsichtigt, ich kann nur keine Happy Peppi Songs schreiben. Kontroverse Themen sind so viel spannender. Einer der Grundgedanken unseres Projektes war ja, sich gesellschaftliche Tabuthemen und Wunden anzuschauen. Dort, wo es unangenehm wird, geht auch etwas weiter.“ Für die nächsten Songs haben sich die beiden dennoch vorgenommen, zumindest musikalisch einen helleren Sound zu entwickeln. Die Tabuthemen dürfen aber bleiben. 

Die Telfer Berge. Seine berufliche Zukunft lässt Dorian Windegger gelassen auf sich zukommen. Als ausgebildeter Instrumental- und Gesangs-Pädagoge – „also heillos überqualifizierter Musikschullehrer“ – hat er eine berufliche Absicherung. Doch das Ausland lockt. Und gleichzeitig fühlen sich beide Musiker Tirol und Telfs sehr verbunden. „Telfs ist mein Ausbruch, den ich vom Alltag in Wien brauche. Vor allem im Winter, wenn es unten grauslich ist. Ich brauche die Berge, im Sommer muss ich auf zehn Gipfel gehen, sonst bin ich im Herbst unzufrieden. Telfs ist für uns beide irrsinnig wichtig.“ Auch das Tiroler Musiker-Netzwerk bleibt Windegger und Köll ein Anliegen. Matthias Steixner, alias Jesse Grande, ist ein enger Freund, der mit seinem „Around the Block“ Festival im Zeughaus eines der letzten Festivals im Corona-Herbst organisieren konnte. Natürlich hat „Neon Neet“ mitgespielt. „Das sind meine Wurzeln, die sind für mich auch musikalisch ganz wesentlich.“ Was ihm im Moment am meisten fehlt, braucht Dorian Windegger nicht lange zu überlegen. „Mal wieder so richtig lange in einem Club fortgehen, und am nächsten Tag gleich in ein Konzert. Die Live Atmosphäre fehlt uns beiden.“ Und natürlich selber spielen. „Elektronische Musik gehört einfach in einen Club, herrlich, wenn das wieder möglich sein wird.“
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„Neon Neet“ scheut keine Tabuthemen: „Dort, wo es unangenehm wird, geht auch etwas weiter.“ Foto: Neon Neet
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